Johanna Burger arbeitet seit einem halben Jahr als Sozialarbeiterin am Schulzentrum in Meßstetten. Die Arbeit der 55-jährigen pädagogischen Fachkraft mit langjähriger Berufserfahrung ist bereits deutlich zu spüren.
Johanna Burger arbeitet seit einem halben Jahr als Sozialarbeiterin am Schulzentrum in Meßstetten. Die Arbeit der 55-jährigen pädagogischen Fachkraft mit langjähriger Berufserfahrung ist bereits deutlich zu spüren. Foto: Nils Horst.

Messstetten, 26.01.2013

„Meine Tür steht immer offen“

Johanna Burger arbeitet seit einem halben Jahr als Sozialarbeiterin im Schulzentrum

„Meine Tür steht immer offen“
Johanna Burger ist die neue Sozialarbeiterin am Schulzentrum. Die Arbeit der 55-Jährigen ist bereits deutlich zu spüren: „Durch sie hat sich an der Schule etwas geändert“, sagt Realschulrektor Martin Unterweger .

Johanna Burger ist am Schulzentrum angekommen. Ihr Büro in der Realschule hat sie liebevoll eingerichtet. Neben einem Schreibtisch, Regalen mit Aktenordnern, einem großen runden Tisch und Stühlen hängen auch, passend zur fünften Jahreszeit, Girlanden an der Decke. Seit Anfang September ist die neue Schulsozialarbeiterin nun tätig. Zeit, um mit den Vertretern der Realschule, des Gymnasiums und der Stadt eine erste Bilanz zu ziehen.

Einig ist sich das Gremium, dass sie mit Johanna Burger eine fachliche und vor allem selbstbewusste Sozialarbeiterin bekommen haben, deren Engagement bereits deutlich an den beiden Schulen zu spüren ist. „Durch sie hat sich an der Schule etwas geändert“, sagt Realschulrektor Martin Unterweger.

Ein Sprichwort besagt: Aller Anfang ist schwer. Nicht so bei Johanna Burger. „Der Start an der Schule war und ist geprägt von Offenheit und Wertschätzung. Ich habe das Wohlwollen von den Lehrern gespürt. Die Kollegen an beiden Schulen haben mir das Gefühl gegeben, dass sie mich mögen“, erzählt die 55-Jährige.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Johanna Burger ist die Einzelfallhilfe. Wenn Schüler zu ihr kommen stehe am Anfang meist das Problem Schule. Das fange damit an, dass die Schüler auffällig seien, nicht mehr in den Unterricht gehen oder nicht mehr mitarbeiten. Das Gespräch beginnt in kleinen Schritten. „Erst wird sortiert und dann der Punkt gefunden, worum es geht, was der Auslöser für das Problem war.“ Oft gehe es aber auch um Streit untereinander. „Das kann manchmal in wenigen Minuten geklärt sein, manchmal dauert es eine Stunde.“ Den Lehren fehle für solche Gespräche die Zeit.

Johanna Burger sieht sich nicht nur als Vermittlerin zwischen Problemen. Die 55-Jährige will auch Ansprechpartnerin für Jugendliche sein, die Probleme mit ihren Eltern haben oder von anderen gemobbt werden. Oft, so zeige ihre Erfahrung bisher, sei auch das „System Familie“ ausschlaggebend für Auffälligkeit in der Schule.

Viele von den Schülern, die Johanna Burger aufsuchen, kommen freiwillig. „Da gehört zwar eine ordentliche Portion Mut dazu. Doch wenn die Schüler einmal da waren und das Eis geschmolzen ist, kommen sie auch öfters.“ Die Tür zu ihrem Büro steht immer offen. „Es soll ein Ort sein, in dem sie sich wohlfühlen, alles sagen können und ihnen auch jemand zuhört. Es ist gut, wenn die Schüler ihr Herz bei mir ausschütten.“

Während der Schwerpunkt in der Realschule bei Einzelfallhilfe und Beratung liegt, ist der Aufgabenbereich am Gymnasium eher klassenübergreifend. So seien dort Projekte im Rahmen des Sozialcurriculums mit Klasse fünf fest eingeplant. Darunter verstehe man ein Gruppen- und Klassentraining, bei dem der hilfsbereite Umgang miteinander aber auch die sozialen Kompetenzen den Schülern beigebracht werden. Grundbasis bilde dabei das Zuhören und Ausreden lassen. Das gehöre zwar auch zu den Aufgaben eines Fachlehrers, doch wenn eine andere Person, ein Spezialist wie Johanna Burger das mache, habe dies einen anderen Stellenwert, sagt Schulleiter Norbert Kantimm vom Gymnasium.

Wie wichtig die Arbeit von der Pädagogin ist, zeigt auch das deutliche Bekenntnis zu ihrer Person von den beiden Rektoren: „Die Schulsozialarbeit ist eine gute und auch sinnvolle Unterstützung für uns“, sind sich die Schulleiter der Realschule und des Gymnasiums einig. Viele Schüler bringen einen großen Rucksack mit Problemen mit, um die man sich kümmern müsse. Das weiß auch der Träger, das Diasporahaus Bietenhausen, bei dem Johanna Burger angestellt ist. Das Sozialverhalten der Schüler werde schlechter, sagt der Diplompädagoge und Geschäftsbereichsleiter des Diasporahauses für Albstadt, Peter Ilg . Auch wenn sich nichts verallgemeinern lasse sei die Tendenz erkennbar: „Eltern erziehen weniger als früher. Die Kinder lernen beispielsweise weniger, anderen zuzuhören.“ Die Schüler haben einfach größeren Unterstützungsbedarf als sonst.

Dies sieht auch Hauptamtsleiter Johannes Ritter so. Er freut sich, dass Meßstetten nun an allen Schulen in der Kernstadt über eine fachlich gut ausgestattete Schulsozialarbeit durch den Träger, das Diasporahaus, verfüge.

Die Kinder haben nun auch am Gymnasium und der Realschule eine Anlaufstelle, wo sie sich „auskotzen“ können. „Die Schüler bekommen so das Gefühl, dass jemand da ist, der sich die Probleme anhört und auch lösen kann“, sagt Ritter. Peter Ilg geht einen Schritt weiter: „Es gibt keine Gemeinde, die ein solches Sozialarbeit-Netzwerk hat, in dem Schulen von einem Träger betreut werden.“

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