Dem olympischen Chaos trotzen
Busfahrer Hubert Wefers erlebte Londons Straßenverkehr kurz vor den Spielen
Geislingen, 07.08.2012 von Daniel Seeburger
Seit 13 Jahren lebt und arbeitet der geborene Düsseldorfer und Wahl-Geislinger schon im Schwabenland. Was der Busfahrer jetzt kurz vor den Olympischen Spielen in London erlebte, war auch für ihn mit seiner 23-jährigen Berufserfahrung völlig neu. Bis kurz vor Beginn des Sportspektakels betreute und chauffierte Hubert Wefers Schulklassen, die mit dem Bus in die britische Weltstadt fuhren. „Ich habe Olympia live erlebt, bevor es überhaupt begonnen hat“, sagt der 50-Jährige und schmunzelt.
London hat sich in den vergangenen Monaten verändert. Vor allem die Verkehrsteilnehmer mussten sich wegen der Olympischen Spiele auf allerlei Unannehmlichkeiten einstellen. Je größer die Fahrzeuge, desto schwieriger wurden die Fahrten in die Stadt. Die Olympischen Spiele waren für Busfahrer eine ganz besondere Herausforderung. Seit dem 27. Juli ist beispielsweise eine Fahrspur für den allgemeinen Verkehr geschlossen. Auf dieser „olympischen Extraspur“ dürfen nur die Sportler und Funktionäre fahren. Für Touristen, aber auch für die Londoner bleibt die Spur geschlossen. Wer sie trotz Verbots benutzt und dabei erwischt wird, muss 150 Euro berappen. „Das ist für uns Busfahrer eine ungeheuere Einschränkung“, erklärt Hubert Wefers. Aus dem „ganz normalen Großstadtverkehr ist ein Riesen-Chaos geworden“, bedauert der Busfahrer.
Schon Monate vor Beginn der Olympischen Spiele war London eine einzige Baustelle. Ein großes Problem für Busgesellschaften: Die Stadt sperrte kurzerhand Parkplätze. Um den Fahrgästen Pausen zu ermöglichen, mussten die Reise-Organisatoren schon im Vorfeld Alternativ- Parkplätze suchen.
Brauchte Hubert Wefers vor zwei Monaten noch maximal 90 Minuten für die Fahrt in die Innenstadt, so musste er in den Wochen vor den Olympischen Spielen mindestens eine zusätzliche Stunde Fahrtzeit einrechnen. Die Schulklassen kamen dementsprechend später zu ihrem Ziel. „Es gab auf einer Spur doppelt so viel Verkehr“, rechnet Wefers vor – denn kurz vor dem Start der Spiele tummelten sich zahlreiche Sport-Touristen in der britischen Hauptstadt. Ein weiterer Minuspunkt: Die Eintrittspreise in den Museen und die Preise für öffentliche Verkehrsmittel wurden angehoben.
Für die Schüler, die Hubert Wefers chauffierte, blieb Olympia außen vor. „Bis zum Beginn der Spiele war alles gesperrt“, sagt er. Klar, dass die verschärfte Verkehrssituation „125-prozentige Aufmerksamkeit“ von den Busfahrern erfordert. „Ich möchte da jetzt nicht fahren“, verrät der 50-Jährige und verweist auf das Verkehrschaos in der Stadt. „Nicht alle Einheimischen sind von den Spielen begeistert“, weiß der Geislinger Busfahrer und erzählt von den strengen Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt. So habe es schon Wochen vor den Spielen ein großes Militäraufgebot in London gegeben.
Schon lange vor den Olympischen Spielen verfolgte die Londoner Stadtverwaltung ein umstrittenes Verkehrskonzept. So müssen seit drei Jahren Touristen wie Einheimische täglich sieben Pfund berappen, wenn sie mit dem Auto in die Innenstadt fahren wollen. Der Autoverkehr wird flächendeckend mit Kameras überwacht. „London ist eine der überwachtesten Städte, die es gibt“, sagt Hubert Wefers, „und das nicht erst seit Olympia.“
