Geschüttelt, nicht gerührt
Kunstprojekt „Volle Kanne“: Rückwand des Balinger City-Centers erstrahlt in neuen Farben
Balingen, 31.07.2012 von Hannes Mohr
Unter das Klackern der Mischkugeln der Farbdosen mischen sich Hip-Hop-Klänge aus den Lautsprechern der Ghettoblaster. Der starke Geruch des Aerosols, das aus den Sprühdosen entweicht, dringt einem unweigerlich in die Nasenhöhlen. Den Sprayern macht das aber nichts aus. Nicht umsonst werden sie scherzhaft „Aerosol-Junkies“ genannt. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Die Künstler sind dabei nicht nur unter sich. Sie stehen auch den Passanten Rede und Antwort. Und diese staunen nicht schlecht, als sie auf die bis zu sieben Meter hohen Kunstwerke blicken. Mit einer unglaublichen Präzision – teilweise durch jahrzehntelange Erfahrung – sprühen und pinseln die Künstler ihre Meisterwerke an die Wand.
„Das Projekt ist eine tolle Sache“, sagt eine Passantin, die sich neugierig unter die Sprayer mischt, „diese Kunst ist einfach faszinierend, das bringt Leben in die Stadt“. Auch für die Sprayer ist solch eine große Wand eine Besonderheit. „So ein große Fläche zum legalen Bemalen ist sehr selten“, sagt einer der Künstler, der für das Projekt extra aus Halle angereist war. „Graffiti haben immer einen negativen Touch“, meint ein weiterer Künstler aus Rottweil. Es sei schön, wenn mal ein legales Kunstwerk entstünde, das erwünscht und respektiert werde.
Neben den „alten Hasen“ aus der Sprayerszene waren auch Nachwuchskünstler am Werk. Tolga Cebeci aus Balingen ist 20 Jahre alt. Seit acht Jahren zeichnet er, vor zwei Jahren hat er das erste Mal eine Dose in die Hand genommen. „Für mich bietet dieses Projekt eine Chance von erfahrenen Künstlern zu lernen und meine Kunst einem großen Publikum zu präsentieren“, sagt er. Cebeci ist ein Sprayer, der nur sprüht, wo es erlaubt ist. Deshalb sei er froh über das Projekt: „Man muss hart kämpfen, um legale Flächen in Städten für Graffiti-Aktionen zu bekommen“, weiß der Szeneneuling. Dem Projektmacher, Matthias „B.art.L.“ ist er deshalb umso dankbarer.
Den Dank reicht „B.art.L“ weiter an die Gönner der Wand. Der Asset-Manager des Metro-Konzerns, Wolfgang Krampe, kam am Samstag extra aus Düsseldorf angereist, um gemeinsam mit Center-Manager Peter Otting anzuschauen, für was sie ihre Wand da eigentlich hergegeben haben. „Am Anfang waren wir etwas skeptisch, aber wir haben Herrn Bartl vertraut und sind nicht enttäuscht worden“, sagen die beiden Metro-Vertreter gegenüber unserer Zeitung.
