Farbexplosion auf 140 Metern
Busbahnhof zum Zweiten: Junge Künstler arbeiten unter Leitung von Wolfgang Wiebe
Albstadt-Ebingen, 26.07.2012 von Holger Much
Es war vor rund zehn Jahren, als eine Reihe junger begabter Sprayer unter der gesamtkünstlerischen Leitung des Albstädter Künstlers Wolfgang Wiebe die graue Betonwand mit fantasievollen, farbenfrohen Motiven in ein Schlaraffenland für Blicke verwandelten. Mittlerweile haben Wind, Wetter, Flechten und Moose dem Graffiti arg zugesetzt.
Egal ob Gemeinderäte, Museumsleiterin Susanne Goebel oder Albstadts Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow selbst – mehrfach wurde der Wunsch an Wolfgang Wiebe herangetragen, ob man diese außergewöhnliche Aktion nicht wiederholen könnte. Man kann. Der Künstler und Kunstlehrer machte sich auf die Suche und fand insgesamt 12 junge Leute, allesamt künstlerisch begabt oder sogar in künstlerisch-kreativen Berufen, die sich bereit erklärten, das 140 Meter lange Mammutkunstwerk ein zweites Mal entstehen zu lassen – freilich mit ganz neuen, spannenden Motiven. Ein Beteiligter war sogar bei der ersten Aktion mit dabei und freut sich, wie alle anderen, auf die Neuauflage.
Sechs der zwölf stammen von der Musik- und Kunstschule, eine Vertreterin der Hochschule ist dabei und auch kreative Schützenhilfe aus Balingen wird es geben. Alblandschaften, Schmetterlinge, gigantische Tiger, lustige Kühe, Reminiszenzen an die Textilindustrie oder das Albstadt-Bus-Logo sollen bis Oktober hier wachsen und entstehen.
„Das erste Mal hatte die Sache eher auch einen sozialen Aspekt“, erinnert sich Wiebe. Involviert waren durchaus Sprayer, die schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren und die hier eine „legale“ Fläche zur Verbreitung ihrer Kunst bekamen. Nun, differenziert der Grafiker, der die organisatorischen Fäden in der Hand hält, habe das Projekt rein künstlerischen, ästhetischen Charakter. Die Stadt unterstützt die Aktion mit 5000 Euro.
Sprayer: Von Kriminellen zu Modernisierern der Kunst
Graffiti ist der Plural des italienischen Worts Graffito, bedeutet „Schraffierung“ oder „Schreiben“. Die ersten Graffiti fanden sich im Alten Ägypten. In unserer Zeit wurden mit Spraydosen auf öffentliche Flächen aufgebrachte Schriftzüge von Straßengangs benutzt, um „Reviere“ abzugrenzen. Unter der Bezeichnung „Streetart“ wurden die Arbeiten der Sprayer – Siehe Harald Nägeli – jedoch mittlerweile als Kunst anerkannt.
