André Pohls Lieblingsdisziplin Hochsprung stagniert

Olympia: Für den ein oder anderen der 80 deutschen Leichtathleten könnte eine Medaille herausspringen

André Pohls Lieblingsdisziplin Hochsprung stagniert

Zollernalbkreis, 25.07.2012 von Reinhard Linder

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Leichtathletik ist die mit Abstand populärste Sportart bei Olympischen Spielen. 47 Goldmedaillen werden in den Lauf-, Sprung- und Wurfdisziplinen vergeben, 80 deutsche Frauen und Männer starten.

„Es wird in London Edelmetall für Deutschland geben“, prophezeit André Pohl. Der 41-jährige Diplom-Sportwissenschaftler aus Balingen zählte zu Jugendzeiten zu den besten deutschen Zehnkämpfern und Hochspringern. Der Kleinunternehmer knapst sich von seiner kostbaren Zeit etwas ab, um die B-Trainerlizenz in Leichtathletik zu erwerben und wenigstens ab und an einen hochkarätigen Wettkampf zu besuchen. Die Europameisterschaften in Helsinki konnte er allerdings nur im Fernsehen verfolgen.

In den Laufwettbewerben mögen die Deutschen in Europa ein Wörtchen mitreden können, international gesehen kämen sie für vordere Plätze nicht in Frage: „Die USA, die Karibikstaaten und Afrika dominieren diese Disziplinen“, ist Pohl sich sicher. Was aber die persönliche Leistung der Deutschen nicht schmälern solle. Wenn sie an ihre persönlichen Bestzeiten heranlaufen oder diese sogar übertreffen sollten, „dann ist die Platzierung zweitrangig.“ Ziel der Läuferinnen und Läufer müsse es sein, ins Semifinale vorzustoßen „und vielleicht am Endlauf zu schnuppern“. Lediglich den Staffeln räumt der Balinger Chancen aufs Finale ein, „aber wenn es eine Medaille gäbe, wäre das eine Sensation“.

Gleiches gelte für die Siebenkämpferinnen und die Zehnkämpfer, bei denen sich in den vergangenen Jahren die Sprinter-Sprung-Typen zugunsten der Werfer durchgesetzt hätten. Den beiden Routiniers Jennifer Oeser und Lilli Schwarzkopf traut er Plätze unter den Top-Ten zu: „Beide sind bei Titelkämpfen in der Lage, neue persönliche Bestleistungen aufzustellen.“ Viel mehr dürfte auch bei den Zehnkämpfern nicht drin sein. Obwohl Pascal Behrenbruch in Helsinki nach 41 Jahren wieder einen Titel nach Deutschland geholt habe, weise er doch in zwei Disziplinen Schwächen auf, die sich kaum in wenigen Wochen beseitigen lassen würden. Im Training das richtige Maß zwischen Kraft, Ausdauer und Koordination zu finden, gleiche einem Balanceakt: „Wenn der eine Bereich forciert wird, leidet der andere darunter“, weiß Pohl aus eigener Erfahrung. Behrenbruch erwartet er weit vorne, „aber für eine Medaille müsste an den zwei Tagen alles passen.“

Unheimlich gespannt ist Pohl auf den Weitsprung der Männer. In der Person von Sebastian Bayer verfüge der Deutsche Leichtathletikverband über einen Weitspringer, „wie er ihn noch nie gehabt hat, seit ich denken kann“. Bei der EM in diesem Jahr holte sich der 26-jährige Aachener den Titel, mit 8,71 Metern in der Halle hält er weltweit Platz zwei. Nur die Legende Carl Lewis sprang acht Zentimeter weiter. „Bayer ist jederzeit in der Lage, über 8,50 zu springen. Und das müsste schon für eine Medaille reichen“, ist Pohl zuversichtlich.

An Edelmetall kratzen könnten bei für sie günstigen Witterungsverhältnissen und entsprechender Tagesform auch die Stabhochspringer, mutmaßt Pohl. So gehe es bei Silke Spiegelburg seit Monaten aufwärts. Falls dieser Trend anhalte, könne sie möglicherweise in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Nicht zu den Favoriten, aber zu den Anwärtern auf eine vordere Platzierung zählt in dieser Disziplin der 34-jährige Routinier Sven Otto, der sich in Helsinki in einem hochklassigen Wettkampf dem Franzosen Renaud Lavillenie hatte beugen müssen. „Otto ist psychisch sehr stark. Für ihn gibt es nach oben keine Grenzen, wenn er sich an diesem Tag auf der Anlage wohlfühlt“, bleibt Pohl sehr vage in seiner Prognose.

Etwas weiter lehnt er sich hinaus bei den Werfern: „Sie sollen den Grundstock für deutsche Erfolge in der Leichtathletik legen und stehen extrem unter Druck.“ Dass sie dieser Erwartungshaltung standhalten werden, ist die tiefste Überzeugung Pohls: „Robert Harting ist im Diskuswerfen eine Bank. Er kann eine ganze Dekade dominieren“, hofft der Balinger, dass die Nerven des 27-jährigen Cottbussers im Olympiastadion nicht flattern: „Harting ist in der Lage, den Diskus in Weiten zu schleudern, die unschlagbar sind. Eigentlich kann er sich nur selbst schlagen.“

Ähnliches gelte im Kugelstoßen für Ralf Bartels, im Speerwurf für den amtierenden Weltmeister Matthias de Zordo sowie im Hammerwerfen für die ehemalige Welt- und Europameisterin Betty Heidler und für die Speerwerferin Christina Obergföll: „Das sind alles klare Medaillenkandidaten.“

In seiner Paradedisziplin Hochsprung hält der Balinger alles für möglich. Die drei deutschen Starter zählt er nicht zum Favoritenkreis, aber auch außerhalb der deutschen Grenzen vermag er keine Top-Leute auszumachen. „Was sich im internationalen Hochsprung der Männer abspielt, ist ein Trauerspiel“, ereifert er sich. Infolge der diversifizierten Sprungtechniken seien Höhen jenseits der 2,36 Meter zu erwarten gewesen, „aber genau das Gegenteil ist der Fall“. Pohls persönlicher Rekord lag bei 2,16 Metern: „Aber ich bin auch schon mit 15 Jahren die zwei Meter gesprungen“, ärgert er sich ein bisschen über die Stagnation in seiner Lieblingsdisziplin

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