Bekanntheitsgrad soll mit Medaille wachsen
Olympia: Deutsche Badminton-Spieler reisen nicht ohne Chancen auf Edelmetall nach London
Zollernalbkreis, 19.07.2012 von Reinhard Linder
Auch in der Region ist die oftmals abschätzig als Federball bezeichnete Sportart minimal verhaftet. Lediglich der TSV Ebingen besitzt eine Badminton-Abteilung, deren Vorsitzende Susanne Noske ist. Zu ihren aktiven Zeiten hat die 46-Jährige in der Bezirksliga gespielt, heute geht sie nur noch zweimal pro Woche in die Halle, um ihren Spaß zu haben und sich fit zu halten. Auch ihre Trainingspartnerinnen und -partner betreiben ihren Sport als reines Hobby, nur zwei Vereinsmitglieder sind zur Zeit beim SV Laiz in der Landesliga aktiv.
Dabei ist es nicht so, dass Deutschland auf der Badminton-Weltkarte ein weißer Fleck wäre. In Europa ist es immerhin die Nummer zwei hinter Dänemark. Und immer wieder dringen deutsche Spielerinnen und Spieler in die asiatische Phalanx aus China, Malaysia, Indonesien und Japan ein.
So hat es der deutsche Vertreter bei den Olympischen Spielen, Marc Zwiebler, in der Einzelweltrangliste auf Platz 14 geschafft. Damit ist er topgesetzt in einer der 16 Vorrundengruppen. Sollte der 28-Jährige aus Bonn in der Wembley Arena seine drei Spiele gewinnen, würde er bereits im Achtelfinale stehen, ab dem es im K.o.-Modus weitergeht. In diesem droht ihm allerdings ein Kräftemessen mit einem der vier Führenden der Weltrangliste. Dass er gelegentlich auch diesen gewachsen ist, hat der amtierende Europameister mehrfach bewiesen. Beispielsweise setzte er sich im Vorjahr bei der Olympia-Generalprobe in England gegen den Weltmeister Chen Jin aus China durch.
Zwiebler nimmt bereits zum zweiten Mal an den Olympischen Spielen teil. Vor vier Jahren schied er in Beijing im Achtelfinale aus, „dieses Mal könnte er mit etwas Glück etwas weiter kommen“, hofft Noske.
Sogar noch besser stehen die Chancen von Juliane Schenk, der Nummer sechs auf der Weltrangliste. Sollte die 29-Jährige die Gruppenphase überstehen, würde sie im Achtelfinale zunächst einmal den drei topgesetzten Chinesinnen aus dem Wege gehen. Die Krefelderin nimmt bereits zum vierten Mal an Olympischen Spielen teil, nur in Athen kam sie über die erste Runde hinaus. Inzwischen steht sie aber auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Bei den Europameisterschaften vor einem Jahr gewann sie Silber und bei den Weltmeisterschaften Bronze. „Ich traue ihr durchaus zu, in London an diese Erfolge anzuknüpfen“, drückt ihr Noske die Daumen.
Im Herrendoppel treten Ingo Kindervater und Johannes Schöttler gegen 15 andere Paare an. Gespielt wird in vier Gruppen, die beiden Ersten kommen weiter. Sollte das Duo, das in der Weltrangliste auf Position elf notiert ist, ins Viertelfinale vordringen, käme dies einer Sensation gleich. Nichts anderes gilt für das Mixed-Paar Birgit Michels/Michael Fuchs, das als Nummer 14 der Welt gerade noch so die Olympiaqualifikation geschafft hat.
Von den Live-Bildern aus London erhofft sich Susanne Noske eine leichte Steigerung des Bekanntheitsgrads des Badminton-Sports hierzulande und in der Region. „Ich würde mich sehr freuen, wenn vor allem junge Leute ihr Interesse für diese rasante Sportart entdecken und den Weg zu uns in die Halle finden würden. Nichts könnte diesem Ziel dienlicher sein, als eine deutsche Medaille.“
