Sturmböe bringt Linde zu Fall
Herabstürzender Ast trifft Auto – Stadt sägt Baum vor Heilig-Geist-Kirche ab
17.07.2012 von Rosalinde Conzelmann
HANNES MOHR
Balingen. Die stattliche Linde sei am Samstag von einer Fallböe getroffen worden, vermutet der Leiter des Stadtplanungsamts Michael Wagner. „Der Wind hat wohl die Krone mit voller Wucht getroffen, so dass sie geborsten ist“, rekonstruiert Wagner den samstagmorgendlichen Unglücksfall. Auf die gleiche Weise habe es vor einiger Zeit schon einmal eine Eiche an der Eyach zerrissen, erinnert er sich.
Der Stadt, die für die Verkehrssicherheit rund um den Baum verantwortlich ist, blieb nichts anderes übrig, als die Linde zu fällen. „Ein Ast hat am Samstagmorgen bereits ein Auto getroffen“, bestätigt Polizeisprecher Peter Mehler. Eine Autofahrerin ist mit ihren drei Kindern im Wagen auf den Kreisverkehr zugefahren, als auf Höhe des Zebrastreifens ein herabstürzender Ast der Linde das Auto traf. Verletzt wurde dabei zum Glück niemand.
Der Bauhof hat sich daraufhin sofort ans Werk gemacht und die gefährlichen Äste der Linde abgesägt – auch weil Kirchgänger und weitere Passanten von herabfallenden Ästen gefährdet waren. „Zwar hatte die Linde insgesamt drei dicke Hauptzweige, allerdings musste sie am Ende wegen des Ungleichgewichts in der Baumkrone komplett gefällt werden“, erklärt Wagner. Ein weiterer Windstoß hätte sonst ausgereicht, um den Baum komplett in die Knie zu zwingen.
Die Fällung ist besonders bedauerlich, meint Wagner, „schließlich haben wir bei der Gestaltung des Kreisverkehrs vor der Kirche noch einmal umgeplant, um das Wurzelwerk des Baumes nicht zu beschädigen“. Der Baum, der der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist gehört, war zudem ein prägendes Element bei der Gestaltung des Kirchenvorplatzes. Eine moderne Metallbank umrahmte das stolze Gewächs. Nun ist der Baum fort und den Passanten bietet sich ein völlig ungewohnter Anblick.
Ob an derselben Stelle wieder ein Baum stehen soll, ist noch nicht entschieden. „Wir müssen den Platz noch einmal unter die Lupe nehmen und dann in Abstimmung mit der Kirchengemeinde eine neue, gestalterische Lösung finden“, sagte der Amtsleiter. Auch Heilig-Geist-Pfarrer Jochen Boos hat sich noch keine Gedanken über die weiteren Schritte gemacht. Er war ebenso erstaunt über die höhere Gewalt, die den schönen Baum zerstört hat. „Ich war bei einer Trauung und völlig baff, als ich die Bescherung nach dem Gottesdienst entdeckt habe.“
Gefährlicher „Downburst“
Fallböen in Gewittern – so genannte „Downburst“ – entstehen, wenn Winde im Gewitter abkühlen. Das passiert, wenn bei trockenen Winden Niederschlag, wie Regen oder Hagelkörner, verdunstet. Die dadurch entstehende Verdunstungskälte kühlt die Luft rapide ab. Diese fällt als Böe konzentriert wie ein „Sack“ zu Boden.
In Mitteleuropa kommen solche heftigen, vertikalen Kaltluftausflüsse insbesondere in den Sommermonaten vor, wenn auch die Hauptgewitterzeit ist. „Down-bursts“ können ähnlich wie Tornados schwere Schäden verursachen.
