„Man muss auch an uns Ältere denken“

In Ratshausen und Hausen am Tann funktioniert das Modell „Tante-Emma-Laden“ seit sechs Jahren

"Man muss auch an uns Ältere denken"

Ratshausen, 14.07.2012 von Rosalinde Conzelmann

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Jeden Freitagmorgen kommt Martha Dannecker in das Ratshausener Dorflädle, um Brot und kleinere Lebensmittel zu kaufen. „Es ist alles gut hier“, sagt die 81-Jährige, die das Lädle nicht missen möchte.

Als ihr Mann Karl noch lebte, hat sie sogar zweimal in der Woche hier eingekauft“, erzählt die 81-Jährige, die nicht mobil ist. Sie hat heute ein Brot, zwei Wecken, ein Glas Honig und Zucker eingekauft „ich will noch Erdbeermarmelade einkochen“ und wird von Bäckerfachverkäuferin Nadine Wende freundlich bedient. Für Martha Dannecker ist das Dorflädle, in dem überwiegend regionale Produkte angeboten werden, ein Stück Lebensqualität, das ihr fehlen würde. „Man muss auch an die älteren Menschen denken“, sagt sie, als sich die Ladentür erneut öffnet und eine weitere Kundin herein kommt.

Auch Resi Neher und die kleine Raphaela werden freundlich begrüßt. „Ich komme gelegentlich“, sagt Resi Neher, die frische Eier und Brezeln für das Frühstück mitnimmt. Die zweijährige Raphaela darf sich noch einen „Schlotzer“ aussuchen und strahlt übers ganze Gesicht.

Um 10 Uhr schließt Nadine Wende die Ladentüre, nachdem sie um 6.15 Uhr die ersten Kunden bedient hatte. „Die warten um diese Zeit schon vor dem Laden“, erzählt sie. Wenn die Schüler kommen, ist der kleine Verkaufsraum nochmals kurz voll, dann aber wird es ruhiger. Gemeinsam mit Rosalinde Koch betreut sie das Ratshausener Lädle, während im Nachbarort Hausen am Tann Agnes Lander hinterm Verkaufstresen steht.

Betreiber beider Tante-Emma-Läden ist der Schömberger Bäckermeister Christoph Besenfelder, der mit seinem insgesamt 14-köpfigen Mitarbeiterteam (davon fünf Bäcker und ein Lehrling in der Backstube) neben der Hauptstelle in Schömberg noch in Schörzingen eine Filiale hat. Der 35-Jährige legt großen Wert auf regionale Produkte. Deshalb sind in den Regalen vor allem Produkte von einheimischen Anbietern zu finden. Besenfelder ist aber auch davon überzeugt, „dass das Modell nur deshalb funktioniert, weil wir von der Gemeinde die volle Unterstützung bekommen.“

Das veränderte Einkaufsverhalten bereitet dem Schömberger schon Kopfzerbrechen. „Wir müssen uns gegen eine starke Konkurrenz behaupten“, sagt er. Deshalb setzt er auf Flexibilität und Kundenservice und macht sich auch ständig Gedanken, was er noch verbessern kann. Erst kürzlich brachten er und Bürgermeister Heiko Lebherz das Ratshausener Lädle wieder ins Gespräch: „Wir haben die Bürger zu einer Zopfverkostung eingeladen und das ist ganz toll angekommen.“

Das bestätigt Lebherz, der das Modell seines Vorgängers unbedingt erhalten möchte. „Wir als Gemeinde sind daran interessiert, dass unsere kleinen Läden erhalten bleiben“, betont der Bürgermeister. Aus diesem Grund steht die Rathausspitze auch im regelmäßigem Kontakt mit dem Betreiber. „Wir müssen das Thema einfach in die Köpfe aller Bürger bringen“, sagt Lebherz, damit eben nicht nur die älteren Hausener und Ratshausener das Angebot wahrnehmen würden. „Jeder muss einkaufen, damit es sich für den Betreiber rentiert.“ Der Schultes geht dabei mit gutem Beispiel voran: „Ich hole jeden Morgen mein Vesper in einem der beiden Lädle.“

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