Ein „Wohn-Ort“ mit hohem Freizeitwert

Ortsvorsteher Helmut Haug: „Unsere dörfliche Struktur wird auch in 20 Jahren noch erhalten sein“

Ein „Wohn-Ort“ mit hohem Freizeitwert

Balingen-Ostdorf, 30.06.2012 von Klaus Irion

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Etwas abseits und doch gut erreichbar. Ein „Wohn-Ort“ mit hohem Freizeitwert und doch auch wirtschaftlich am Ball. Das alles zeichnet Ostdorf aus. Entsprechend zufrieden ist Ortsvorsteher Helmut Haug.

Helmut Haug hat schon viel von der Welt gesehen. „Meine Heimat im klassischen Sinn aber ist und bleibt Ostdorf.“ Hier ist der 56-Jährige geboren, hier hat er von kurzen Ausnahmen abgesehen immer gelebt und hier agiert er seit vielen Jahren als Ortsvorsteher. Dann gefragt, wie er Ostdorf in einem Satz beschreiben würde, antwortet Haug. „Ostdorf ist ein Wohn-Ort.“ Und meint damit, ein Ort, an dem sich wunderbar leben lässt. Auch ein ruhiger Ort, der sich – teils gewollt, teils gezwungenermaßen – nur noch in eingeschränktem Maß nach außen hin erweitern wird. „Wenn wir wollten, könnten wir wohl sämtliche derzeitigen Bauplätze relativ schnell verkaufen“, sagt Haug. Zum größten Teil an auswärtige Bauwillige.

Doch zum einen lege der Ortschaftsrat Wert darauf, dass wie in anderen Teilorten auch, ein gewisser Teil der Fläche den Ostdorfern selbst zur Bebauung angeboten werde. Zum anderen ist die Gemeinde durch Grünzüge und Vogelschutzgebiete sehr in ihrem Expansionswillen eingeschränkt. Ein Preis, den man für die ländliche Idylle bezahlen muss. Und den Haug in mancherlei Hinsicht gar nicht so ungern zu bezahlen bereit ist. „Ich wandere gern und ich fahre viel Fahrrad, beides ist bei uns sehr gut möglich.“ Mit einer Ausnahme. „Uns fehlt noch immer eine Radweganbindung hinunter ins Eyachtal Richtung Owingen.“ Diese Radweglücke zu schließen, sei jedoch aus topographischen und grundstücksrechtlichen Gründen gar nicht so einfach.

Apropos Grundstücke: Wie erwähnt, lässt sich Ostdorf nicht unendlich nach außen vergrößern. Was ohnehin wegen des Flächenverbrauchs auch von städtischer Seite her nicht unbedingt gewünscht wird. Innenentwicklung statt Außenentwicklung wird immer wieder propagiert. „Und genau das hat bei uns in den vergangenen Jahren ganz gut funktioniert“, erklärt der Ortsvorsteher, der im Hauptberuf beim städtischen Ordnungsamt angestellt ist. Haug verweist auf etliche Altbauten im Ortskern, „die von den Eigentümern wunderbar saniert wurden.“ Weitere Bauvoranfragen liegen der Stadt Balingen vor, wie während des Ortsumgangs vergangene Woche zu erfahren war. Doch nicht immer decken sich die Neu- oder Umbaupläne mit den stadtplanerischen Vorgaben. Für Haug „eine stete Gratwanderung“, die ihm manchmal Kopfzerbrechen bereitet.

In solchen Fällen ist er froh, dass er als Ortsvorsteher als Vermittler agieren kann. „Ich habe im Ortschaftsrat ja kein Stimmrecht, was nicht heißt, dass ich nicht doch auch zum Abschluss der Diskussionen immer noch deutlich kundtue, wie ich die Sache sehe.“

Deutlich wird Haug auch, wenn es um die Nahversorgung im „Wohn-Ort“ Ostdorf geht. Man könne sich glücklich schätzen, dass es vor Ort weiterhin möglich sei, in mehreren Geschäften Lebensmittel zu kaufen. „Ich werde aber nicht müde, die Ostdorfer daran zu erinnern, dass dies nur solange möglich ist, so lange auch vor Ort eingekauft wird.“ Seine Rufe verhallen wohl nicht unerhört, hat Haug festgestellt.

Was Ostdorf aber nicht hat und wohl auch nie haben wird, ist ein großes eigenes Gewerbegebiet – sieht man einmal vom Gebiet „Bangraben“ am Balinger Ortseingang ab, das teilweise auf Ostdorfer Gemarkung errichtet wurde. Welches Potenzial aber gleichwohl in den (inner)-ortsansässigen kleinen und mittelständischen Betrieben steckt, wurde vergangenes Jahr bei der ersten Ostdorfer Leistungsschau deutlich. Eine Fortsetzung soll folgen.

Hoher Freizeitwert, eine rege Wirtschaft, wie aber sieht es mit der Bildung aus. Für die kleineren Kinder im Ort gibt es den intakten, dreigruppigen Kindergarten. Und die Schüler? Die besuchen „mit wenigen Ausnahmen“ die Grundschule auf Schmiden. „Und die liegt ja auch auf Ostdorfer Gemarkung“, betont Haug schmunzelnd.

Um sein Ostdorf ist Ortsvorsteher Haug in den kommenden Jahren nicht bang. „Ich denke, dass unsere positive dörfliche Struktur auch in 20 Jahren noch so sein wird wie heute.“

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