Abiturienten sorgen mit Wasserpistolen für Abkühlung

Schulabgänger des Balinger Gymnasiums feiern ihren Erfolg

Abibefreiung Gymnasium Balingen 2012

Balingen, 20.06.2012 von Hannes Mohr

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Ausnahmezustand am Gymnasium: Rund 260 Abiturienten übernahmen gestern Vormittag das Kommando über die Schule. Nach der Befreiung feierten die Abschlussschüler mit allen im Freien. Bei den hohen Temperaturen kühlten sich die Abiturienten mittels Wasserpistolen ab. Auch der ein oder andere Eimer Wasser erwischte manchen Schüler, so dass kaum einer trocken blieb. Wichtigstes Utensil: der Filzstift. Es gab keine Wange auf der nicht in großen Lettern „Abi 2012“ gekritzelt stand.

Die Schulabgänger sorgten für jede Menge Programm vor der Schule. Neben einem Rollerparcours konnten die Schüler sich am Dosenwerfen oder an der Mohrenkopfschleuder versuchen. Für die Schüler gab es zudem Zuckerwatte. Für Stimmung sorgte eine Schülerband auf dem Schulhof vor dem Amphitheater.

Schulleiter Thomas Jerg zeigte sich zufrieden mit seinen feiernden Abiturienten. Die Spielregeln, die im Vorfeld aufgestellt worden sind, seien größtenteils eingehalten, teilt der Rektor mit. „Ab und an muss man ein Auge zudrücken“, sagte Jerg. Trotz des provokanten Jahrgangsmottos „A'Bier Bildung nach Maß“ war Alkohol auf dem Schulgelände selbstredend verboten.

Die Rede des Schulleiters Thomas Jerg bei der Zeugnisübergabe:

„Im Mittelpunkt stehen heute Sie, liebe Bier- und Bildungsbrauerinnen und -brauer: A Bier- Bildung nach Maß! Das Motto Ihres Doppeljahrgangs 2012 am Gymnasium.

Sie haben Ihr ABier nicht sauer werden lassen! Der eine mit mehr Bierruhe, der andere mit mehr Eifer! Aber alle haben Sie Ihr ABier auf Ihre Weise geschafft (Sie haben übrigens einen besseren Gesamt-Abi-Durchschnitt als der Jahrgang zuvor: 2,46 nach 2,51!)

Aber sie mussten Ihr Bier nicht trocken runterwürgen: Das eine oder andere Bildungsschnäpsle zum ABier gab es in Form von interessanten außerunterrichtlichen Zutaten . . . Bildung nach Maß! Maßgeschneiderte Bildung: Jeder kann sich an unserer großen Schule sein Bildungsbier brauen . . . das macht Schule lebendig.

Aber vergessen wir nicht die Basics, die offizielle Rezeptur für ein gelungenes ABier: Sie bescheinigen in Ihrem Abiblatt die Leistung der Kolleginnen und Kollegen im Unterricht. Das ist nicht nur Fachwissen, das Sie mitnehmen, sondern auch soziale und methodische Kompetenzen, die Sie für Ihren weiteren Lebensweg benötigen. Wie viel vor allem von diesem Fachwissen sinnlos oder sinnvoll ist, wie viel Sie unnötig auswendig gelernt haben, werden Sie erst im Laufe Ihres weiteren Lebens beurteilen können.

Die grundsätzliche, strukturelle Schwierigkeit der Schulen besteht nämlich darin, mit einem Wissen von heute Jugendliche für Berufe und Situationen von morgen, die wir noch nicht kennen, auszubilden. Wir hoffen, dass genügend Allgemeinbildung dabei ist, damit Sie sich auch in Zukunft an Ihrem ABier immer stärken können.

Wie sich die Bierbraukunst verändert, so verändert sich auch die Lernkultur. Ihr ABier enthält ein besonderes Gärelement: die Problemlösungsfähigkeit. Stärker als frühere Generationen ist mit dem neuen Bildungsplan diese Kompetenz in den Vordergrund gerückt. Sie können das! Unsere Gesellschaft wird Menschen und Bürger brauchen, die unsere drängenden Gesellschaftsprobleme mit logischem Denken, aber auch Kreativität lösen können: Packen Sie es an, jeder in seinem zukünftigen Beruf und seiner Familie.

Wenn Sie zu den Grundzutaten Wasser, Hopfen, Malz noch das entscheidende Gewürz des Maßes hinzunehmen, werden Sie viele Probleme lösen können.

Ihr Abimotto enthält . . . den Schlüsselbegriff für unsere Zukunft: das Maß nicht die Maß.

Das höchste Gut humanistischer Bildung ist das Maß selbst: Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, Familienväter und -mütter, die um die heilende Kraft des Maßes und der Mitte wissen, humane Persönlichkeiten mit Herzensbildung, die das Maß im Sinne des Maßvollen und der Mäßigung stets im Auge behalten. Maßlosigkeit und Sucht wirken zerstörerisch, das Maßvolle stets heilsam. Wenn nur noch Gier und nicht mehr ethische Grundsätze unsere Gesellschaft und vor allem unsere Ökonomie beherrschen, sind schwere Krisen auch Identitätskrisen unvermeidlich. Die Banken- und Finanzkrisen der letzten Jahre haben dies gezeigt.

Das Maß und die Mitte sind eine wenn nicht d i e zentrale Grundlage unsere Kultur . . . Bedürfnislosigkeit ist nicht gemeint. Wir wollen nicht im Mangel leben. Wir sollten aber auch nicht im Überfluss und im Übermaß des ständig Mehr-Haben-Wollens leben: Das macht uns unkritisch, übermütig, faul und kalt gegenüber der Armut und den Problemen anderer.

Also, ab ins Leben! Aber vergessen Sie nicht den Rat des Ulmer Braumeisters Simon: Bier ist zum Wohlsein und nicht zum Vollsein da.“

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