„Eine originelle Lösung“

Ostdorfs Pfarrer unterschreibt Mietverträge im Namen des Schützenvereins

Auf ZAK in Ostdorf

Ostdorf, 18.06.2012 von Klaus Irion

Anzeige
Der Ostdorfer Pfarrer Johannes Hruby verhalf einem auswärtigen Verein zur kostenlosen Stadthallen-Anmietung. Nun hatte der Christustag der „Lebendigen Gemeinde“ mit Sitz in Korntal ein Nachspiel.

Was haben der Schützenverein Ostdorf und der Verein „Lebendige Gemeinde“ aus Korntal im Landkreis Ludwigsburg miteinander zu tun? Bis zum vergangenen Jahr wohl gar nichts. Dann aber kam der Korntaler Verein offenbar auf die Idee, Kontakt mit dem Vorsitzenden des Schützenvereins, Alfred Scheffczyk aufzunehmen. Hintergrund waren die Planungen eines „Christustages“, wie ihn die „Lebendige Gemeinde“ früher „Ludwig-Hofacker-Vereinigung“ seit vielen Jahren an den unterschiedlichsten Orten in Württemberg veranstaltet.

Nun sollte ein solcher „Christustag“ erstmals in der Balinger Stadthalle stattfinden. Und das war natürlich auch mit Kosten verbunden. Unter anderem mit Mietkosten für die Stadthalle, denn die „Lebendige Gemeinde“ hat ihren Sitz außerhalb Balingens. Doch nur Vereine, Kirchengemeinden sowie politische Parteien (ausgenommen in Wahlkampfzeiten) mit Sitz in Balingen haben das Recht, einmal im Jahr die Stadthalle kostenlos zu benutzen.

Von dieser Regelung hat Johannes Hruby nach eigener Aussage „nichts gewusst“. Hruby ist Pfarrer in Ostdorf und Mitstreiter der „Lebendigen Gemeinde“. „Eine Mitarbeiterin der Stadthalle hat mich versehentlich falsch informiert und gesagt, der jährlich einmalige Mietverzicht bezieht sich nicht auf Kirchengemeinden“, erklärt er auf Nachfrage unserer Zeitung. So konnte er also auch nicht den „Christustag“ als Veranstaltung der Kirchengemeinde Ostdorf-Geislingen anmelden, um dadurch wie geplant dem Korntaler Verein die Mietkosten zu ersparen. Doch Hruby und die „Lebendige Gemeinde“ gaben nicht auf und fanden eine „originelle Lösung“, wie Rainer Holweger gestern gegenüber dem ZOLLERN-ALB-KURIER bestätigte. Holweger ist gebürtiger Ostdorfer und arbeitet als Geschäftsführer der „Lebendigen Gemeinde“.

Die „originelle Lösung“ bestand in einer mündlichen Vereinbarung von Hruby und Scheffczyk, die besagte, dass der Ostdorfer Schützenverein im Vertrag mit der Stadthalle als Veranstalter des Christustages auftritt. „Einen entsprechenden schriftlichen Vertrag habe ich danach aber nie zu Gesicht bekommen“, ärgert sich Scheffczyk im Nachhinein. Und dies wohl weder im Jahr 2011, noch im Jahr 2012, als die „originelle Lösung“ vergangene Woche beim zweiten Christustag erneut zum Einsatz kam.

Scheffczyks Aussage scheint durchaus plausibel, denn „in beiden Jahren hat Pfarrer Hruby die Verträge unterschrieben“, behauptet Stadthallenchef Ulrich Klingler. Und Holweger erklärt: „Dieses Jahr sind wir einfach davon ausgegangen, dass die Einverständniserklärung des Schützenvereins aus dem vergangenen Jahr erneut gilt.“

Über die Höhe der Miete, die sich die „Lebendige Gemeinde“ gespart hat, gehen die Aussagen auseinander. Holweger spricht von einer Summe „die jeweils im oberen vierstelligen Bereich lag.“ Klingler hingegen von „jeweils 1500 bis 2000 Euro.“ Als Wiedergutmachung für das laut Klingler „nicht mehr nachzuvollziehende, aber auch nicht auszuschließende“ Missverständnis zwischen Hruby und der Stadthalle, verzichte man auf eine Mietzahlung aus Korntal. „Stattdessen werden wir nachträglich neue Verträge unterzeichnen, die die Kirchengemeinde Ostdorf-Geislingen als Veranstalter der beiden Christustage ausweisen.“ Dafür ist der Stadthallen-„Freischuss“ der Ostdorfer Kirchengemeinde für dieses Jahr verwirkt.

Typisch Herr Hruby

beim Geld hört die Freundschaft auf, bei manchen Leuten auch die Ehrlichkeit. Es ist schon sehr traurig, wie kirchliche Würdenträger handeln wenn es um das Thema Geld geht.
Kompliment an die Presse, die solch ein Fehlverhalten öffentlich macht.
sigrun maier am 01.07.2012 23:18:48
Kommentare dieses Artikels als Feed

Optionen

Bilder (1)

Schlagworte

Mehr zum Thema

Anzeige

PROBE LESEN

Der ZAK bei Facebook

Singlebörse