Geniestreich oder Fehler?
Badkap zwei Jahre in Privathand – Albstadtwerke-Chef zieht Bilanz
Albstadt-Ebingen, 16.06.2012 von Dagmar Stuhrmann
„Das Badkap ist auf dem besten Weg, die gesteckten Ziele zu erreichen,“ sagt Detlev Vogel. Mit der Übernahme durch die Betreibergruppe „g1“ hat sich im Badkap einiges verändert. Nicht immer zum Wohlgefallen aller. Kritische Stimmen blieben in den vergangenen 24 Monaten nicht aus: Zum einen wird über die höheren Eintrittspreise geklagt, und in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats sprach eine Albstädter Bürgerin von „negativen Auswirkungen auf die Beschäftigungsverhältnisse“ des Badkap-Personals nach der Privatisierung. Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld seien gestrichen worden, es gebe vermehrt 400-Euro-Jobs und „auch einzelne Entlassungen“.
„Wenn es Veränderungen bei den Gehältern gab, dann fußen diese auf Vereinbarungen mit der Gewerkschaft,“ sagt Vogel. Von Entlassungen sei ihm nichts bekannt. Eine gewisse Fluktuation sei im Bäderbereich normal. Die Betriebsübergabe in private Hände bringe für die Albstadtwerke den Vorteil mit sich, dass man sich dort jetzt auf das Kerngeschäft konzentrieren könne, eröffne aber auch Chancen fürs Badkap. „Nach den neuesten Zuwachszahlen, über die im Beirat berichtet wurde,“ so Vogel, „ist man auch bei „g1“ zufrieden mit dem bisher Erreichten.“
Apropos Beirat: Einen Einfluss auf den Tagesbetrieb haben die Albstadtwerke bzw. die Stadt als Eigentümerin des Badkaps nicht. „Der Betreiber arbeitet in Eigenregie,“ sagt Detlev Vogel. Wie vertraglich festgelegt, werden jedoch Themen wie Preisanpassungen vorab im Beirat besprochen, der sich aus OB, einem Vertreter des Stadtrats und g1-Chef Steinhart zusammensetzt. „In diesem Gremium bekommen wir Infos aus erster Hand über die wirtschaftliche Entwicklung.“
Bisher entspreche alles den Vorstellungen. Eine weitere Badkap-Rutsche ist geplant. Eine Neuerung gibt es auch in Bezug auf das Restaurant. „Hier ist man der Meinung, dass eine Verpachtung nicht mehr der richtige Weg ist. Der Betreiber „g1“ baut deshalb eine eigene Gastronomie auf, die auch mit einer räumlichen Anpassung und einem veränderten Konzept in Richtung Erlebnisgastronomie verbunden ist.“
Der gesamte Bäderpersonalpool ist bei „g1“ angegliedert. Für ihre drei Hallenbäder und das Naturbad mieten die Albstadtwerke bei „g1“ Personal zurück. Mit bis zu vier Millionen Euro jährlichem Abmangel sind diese Bäder eine Belastung für den mittelständischen Energieversorger, und so wird man sich in naher Zukunft nach einer Lösung für einen möglichst preiswerten Weiterbetrieb der Hallenbäder und des Naturbads umsehen müssen. Denkbar ist, auch diesen Bereich in die Obhut von „g1“ zu geben. „Das sind aber im Moment nur Überlegungen, die im Raum stehen, beschlossen ist nichts.“ Ein Hindernis: „Anders als beim Badkap wäre die Übernahme der Hallenbäder für einen Betreiber wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Das heißt: Geld machen kann man damit nicht.
Wie sieht die Zukunft der Albstadtwerke aus? Ob und wann eine Beteiligung Externer, beispielsweise der Thüga, Realität wird, ist offen. Im Moment sei dies eine Diskussion um des Kaisers Bart. „Es ist meines Erachtens Aufgabe einer Geschäftsführung, in einem sich kontinuierlich verändernden Umfeld auch zu prüfen, ob Formen der Kooperation sinnvoll sein könnten,“ so Vogel. Die Thüga ist ein Netzwerk von kommunalen Energieversorgern, das sich in der Regel mit 25,1 Prozent an einem Unternehmen beteilige. „Das Thema ist nicht brandaktuell, die Entscheidung nicht absehbar.“ Überlegungen müssten jedoch gestattet sein, zumal der Eigenkapitalanteil der Albstadtwerke kleiner werde und sich der vom Gemeinderat festgelegten Grenze von 30 Prozent nähert, bei der die Stadt ersatzpflichtig würde. Dabei geht es um einen Abmangel von jährlich bis zu zwei Millionen Euro, der, sollte die Grenze unterschritten werden, mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt auszugleichen wäre.
Im September geht eine Ära zu Ende
Extrazeit: Eigentlich hatte sich Detlev Vogel bereits im April dieses Jahres in den Ruhestand verabschieden wollen. Doch es sollte anders kommen. Nachdem Frank Schöller, mit dem Vogel sich zehn Jahre die Geschäftsführung der Albstadtwerke teilte, im Dezember 2011 überraschend das Handtuch warf, entschloss sich Vogel, bis September zu verlängern.
Nachfolger: Der neue Chef der Albstadtwerke heißt Dr. Thomas Linnemann. Der 42-Jährige wechselt von der Bad Honnef AG, wo er technischer Vorstand ist, zum 1. Oktober nach Albstadt.
