„Brauchen die B 27 im Ort“
Bundesstraße birgt Vorteile für anliegende Endinger Unternehmen
Balingen, 13.06.2012
„Wir brauchen die B 27 im Ort für unser Geschäft“, sagt Nina Oberem, Mitarbeiterin des Motorradhandels „Bike & Travel“. Eine Umfahrung könne sie nicht gutheißen. Horst Meitza, Geschäftsführer des Holzfachmarktes Meitza stößt ins selbe Horn: „Unser Standort ist bewusst gewählt. Die B 27 ist die Hauptschlagader in Baden-Württemberg.“ Man profitiere vor allem von der guten Anbindung. „Das trifft auch auf andere Unternehmen in Endingen zu und nicht nur auf die, die wie wir direkt an die Bundesstraße angrenzen“, meint Meitza. Besonders deutlich werde dieser Vorteil im Vergleich zu Albstadt: „Die klagen viel, dort muss man ja schließlich durch die ganzen kleinen Ortschaften und über die Berge bis man von dort an die B 27 kommt“, erklärt der Unternehmer. „Die B 27 ist die Grundlage meiner Existenz mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht direkt an ihr wohnen wollte.“
Auch Brigitte Pfeffer sieht in der Umgehung einen Nachteil. „Wir spüren schon bei Umleitungen, dass die Kundschaft ausbleibt“, berichtet die Mitarbeiterin der „Ginko Apotheke“. Auch wenn das Geschäft über gute Parkplätze verfügt, befürchtet Pfeffer viele Kunden zu verlieren: „Die meisten werden wahrscheinlich lieber in die Stadt fahren. Das ist dann im Vergleich einfach bequemer.“
Einem Gewerbetreibenden gefällt der viele Verkehr gar nicht. Clemens Fichtner, Inhaber des Geschäfts „Fichtner Pokale“, ist der Meinung: „Als Unternehmer darf man nicht immer nur ans Geschäft denken.“ Für die Bewohner sei eine Umfahrung dringend notwendig. Nachteile für seine Kundschaft befürchtet er nicht. Das sieht auch Ralf Link, Inhaber einer Firma für Elektrotechnik, so: „Die Nachteile überwiegen die Vorteile“, ist sich Link sicher. Er hat sein Unternehmen im Jahr 1997 direkt an der B 27 gegründet. „Ich komme wegen des stockenden Verkehrs mit meinem Wagen zeitweise kaum aus dem Firmenhof raus“, beschwert sich der 44-jährige Unternehmer. Auch das Telefonieren mit dem Mobiltelefon vor seiner Firma sei aufgrund des Lärms kaum möglich. „Für Gastronomen mag das hohe Aufkommen vielleicht gut sein, für mich allerdings nicht“, so die Ansicht Links.
Dem widerspricht Songsakdi Buskavanich, Wirt im Siam-Restaurant: „Ich glaube nicht, dass ich woanders weniger Geschäft machen würde“, so der Gastwirt. Stattdessen sei seit der zeitweisen Begrenzung der Geschwindigkeit Vieles besser und angenehmer geworden. Für Dagmar Stäbler von „SB-elektronik“ macht die B 27 keinen Unterschied im Profit: „Wir haben in unserem Unternehmen keine Laufkundschaft, von daher ist die Bundesstraße weder Vor- noch Nachteil.“
„Kronen“-Wirtin Elisabeth Werner geht davon aus, dass sie einige Gäste verlieren würde, sollte eine Umfahrung kommen – vor allem im Sommer. „Doch den Bau der Umgehung erlebe ich sowieso nicht mehr“, schmunzelt die 77-Jährige. Seit 53 Jahren führt sie mit ihrem Mann das Gasthaus direkt an der B 27. Ihre Existenz hänge wohl nicht allein von dem Verlauf der Bundesstraße ab, vermutet Werner, „es kommt allerdings darauf an, wo zukünftig die Zufahrten verlaufen sollen“
Bundesstraße 27 durch Endingen: Fluch und Segen zugleich
Über 20 000 Fahrzeuge fahren täglich auf der Bundesstraße 27 durch Endingens Ortskern. Darunter befinden sich rund 800 Lastzüge, 700 Lieferwagen und ungefähr 100 Busse. Zirka 70 bis 80 Prozent davon sind Durchgangsverkehr.
Endingen leidet unter der hohen Verkehrsbelastung. Deshalb hat sich im Jahr 2011 eine Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel ist es, den Bau einer Umgehungsstraße in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans zu bringen.
Doch neben den direkt im Ortskern liegenden Unternehmen profitieren auch die auf Gemarkung Endingen liegenden Gewerbegebiete „Gehrn“ und „Rote Länder“ mit ihren Firmen, Märkten und Autohäusern von der Anbindung an die B 27.
