HBW trotzt personellen Problemen

Handball-Bundesliga: Starke Heimbilanz mit acht Siegen – Sieben Spieler verlassen den Klub

HBW trotzt personellen Problemen

Balingen, 05.06.2012 von Marcus Arndt

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Mit dem Sieg in Wuppertal pulverisierte der HBW Balingen-Weilstetten die Bestmarke von 2008. „Das war nicht unbedingt zu erwarten“, betont Trainer Dr. Rolf Brack, „wir hatten doch große personelle Sorgen.“

Dennoch hat der schwäbische Low-Budget-Klub erneut den Klassenerhalt souverän geschafft „und war nie ernsthaft gefährdet“, blickt der Balinger Coach zurück, obwohl erneut vier arrivierte Akteure zu ersetzen waren – und das Gros der sieben Neuzugänge kaum Erstliga-Erfahrung hatte. Doch das Projekt „Jugend forsch“ funktionierte. „Aufgrund der hohen Qualität unserer Abwehr“, erklärt der Sportwissenschaftler von den Fildern. Er fügt hinzu: „Mit unserer Verteidigung liegen wir im Tabellenmittelfeld.“ Die Offensivabteilung des Aufsteigers von 2006 ist allerdings die schwächste der Branche. Wie der Tabellennachbar HSG Wetzlar erzielten die Schwaben nur 857 Tore. „Wir haben große Probleme im Positionsangriff“, räumt der Sportwissenschaftler unumwunden ein, „und sind viel zu stark von unseren Leistungsträgern abhängig.“ Läuft es bei Herth & Co. nicht rund, fehlen Brack einfach die adäquaten Alternativen. „Wir hatten zwar einen großen Kader“, so der Akademische Oberrat der Universität Stuttgart weiter, „aber nicht alle haben unsere Erwartungen erfüllt.“ Balkan-Talent Mario Vuglac fehlte nach Kreuzbandriss und einer Schulter-OP verletzungsbedingt die komplette Runde, Temelkov-Ersatz Philipp Keinath kam über die Rolle des Edelreservisten nicht hinaus.

Nicht nur deshalb wechselt der Rechtsaußen zum Aufsteiger TV Neuhausen/Erms. „Einer von sieben Abgängen“, nimmt der Handball-Professor den Gesprächsfaden wieder auf, „erneut verlieren wir gute Leute mit Potenzial.“ Dabei haben sich die Schwaben längst in der stärksten Liga der Welt etabliert. Zu Hause legte der HBW auch in dieser Saison den Grundstein für den Klassenerhalt: mit 16 Pluspunkten. Einzig gegen Absteiger TV Hüttenberg ließen die Württemberger überraschend beide Zähler in der „Hölle Süd“ liegen (Endstand 27:28) – und das nach einer klasse Serie von drei Siegen in Folge gegen den TuS N-Lübbecke (25:24) sowie in Hildesheim (26:24) und Gummersbach (31:27). „Mitunter unsere stärkste Phase“, meint Brack, welcher jedoch den Klassenerhalt nicht allein an der Heimstärke festmachen möchte. „Auch auswärts haben wir gute Spiele gezeigt“, so der Dozent der Universität Stuttgart weiter. Überraschend holten stark ersatzgeschwächte Schwaben in Magdeburg einen Zähler (26:26). Zur Pause führte ?der HBW noch mit 19:11, „doch dann schwanden die Kräfte“, gesteht der erfahrene Übungsleiter ein, „im Nachhinein war es ein Punktgewinn für uns, mit dem nicht zu rechnen war.“

Am Ende distanzierte sich der Fusionsklub aus Balingen und Weilstetten mit sieben Punkten Vorsprung doch deutlich von den Abstiegsplätzen. Dennoch zieht es auch nach dem sechsten Schwabenstreich wieder arrivierte Akteure weg – aus sportlichen und beruflichen Gründen. „So wird es schwer, den nächsten Schritt in unserer Entwicklung zu machen“, sagt Brack mit Nachdruck, obwohl seine Neuzugänge handverlesen sind. Neben Christoph Theuerkauf (Kreisläufer/Lemgo) wechseln Mi-los Putera (Torhüter) und Florian Billek (Rechtsaußen/beide Hüttenberg) zum HBW. Nach der überraschenden Rückkehr von Morten Slundt in seine dänische Heimat hat der Aufsteiger von 2006 noch einmal personell nachgelegt. Vom dänischen Erstligisten Mors Thy Handbold wechselt Dragan Tubic zu den Schwaben. Der 26-jährige Linkshänder war 2009 Serbiens Handballer des Jahres. Bevor er vor zwei Jahren nach Dänemark auswanderte, spielt er beim polnischen Spitzenclub KS Vive Kielce. „Dragan hat im Probetraining einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Es passiert in solchen Fällen nicht oft, dass alle Entscheidungsträger einer Meinung sind, aber bei Dragan Tubic war es so und deshalb fiel uns die Entscheidung relativ leicht, ihn für die kommende Saison zu verpflichten“, erklärte Geschäftsführer Bernd Karrer und Brack ergänzte: „Tubic war technisch und taktisch in einer sehr guten Verfassung und zeigte in allen Bereichen sehr gute Ansätze.“


Die Tops und Flops der Bundesliga-Saison 2011/2012

Top: Die Heimbilanz der Schwaben mit acht Siegen in der „Hölle Süd“ (16:18 Punkte/447:453 Tore). „Zudem haben wir im Vergleich zu den Konkurrenten um den Klassenerhalt den Großteil unser Big-Point-Spiele gewonnen“, bilanziert HBW-Coach Dr. Rolf Brack nach 19:13 Punkten gegen die Klubs aus der unteren Tabellenhälfte.

Flop: Gegen Absteiger TV Hüttenberg haben die Balinger beide Spiele verloren (27:28/ 29:31). Ganz bitter für Brack: das Gastspiel in Mittelhessen am 30. Spieltag. Bereits zur Pause lagen die Schwaben aussichtslos mit 9:20 beim Tabellenvorletzten zurück. „Jämmerlich“, fällte HBW-Geschäftsführer Bernd Karrer ein vernichtendes Urteil.

Gewinner: Sascha Ilitsch ist kein Mann großer Worte – er lässt Taten sprechen. Obwohl der Balinger Allrounder zwei schwere Verletzungen hatte, spielte er eine überragende Saison. „Er ist unglaublich wichtig für uns“, sagt Brack über den 27-Jährigen. Klar, dass Ilitsch neben Kai Häfner zum Spieler der Saison gekürt wurde.

Verlierer: Philipp Keinath hat den Sprung in die Balinger Bundesliga-Mannschaft nicht geschafft – und konnte Vladimir Temelkov auf der rechten Außenbahn nicht einmal annähernd ersetzen. Nur logisch: Er verlässt den Klub in Richtung Neuhausen/Erms. Beim Bundesliga-Aufsteiger wagt der Linkshänder nun einen Neuanfang