Wehmut trotz Klassenerhalt
Handball-Bundesliga: Arrivierte Akteure absolvieren ihr letztes Spiel für den HBW
Balingen, 01.06.2012 von Marcus Arndt
Im letzten Heimspiel der Saison 2011/12 werden in der Balinger SparkassenArena Freude und Wehmut ganz dicht zusammenliegen. Freude über den erneuten Klassenerhalt und Wehmut, weil es für sieben Spieler der vorerst letzte Auftritt im Dress der Schwaben sein wird. Bevor diese aber von ihren Mannschaftskameraden, den Fans und natürlich auch von den HBW-Verantwortlichen verabschiedet werden, möchten alle zusammen nochmals zeigen, dass die „Gallier von der Alb“ auch nächste Saison zu Recht in der Beletage des deutschen Handballs mit dabei sind. Ab 16.30 Uhr wird das Team um Wolfgang Strobel gegen die SG Flensburg-Handewitt nochmals alles versuchen, um einen Großen der Branche ins Stolpern zu bringen. Bitter für den Kapitän: Er muss am letzten Spieltag aufgrund einer Knochenprellung und Kapselverletzung im Knie pausieren.
Die zog sich Strobel vor Wochenfrist in Wuppertal zu. Ins Bergische Land waren die Schwaben mit der Devise gefahren, keine Geschenke zu verteilen, obwohl just die Westdeutschen mit ihrem Erfolg über den TV Hüttenberg dafür gesorgt hatten, dass die HBW-Protagonisten neben der Platte die Planungen für das siebte Erstliga-Jahr bereits intensivieren konnten. Mit einem souveränen 30:22-Sieg haben die Balinger nicht nur die Vorgaben umgesetzt, sondern auch ihren bisherigen Rekord mit 24 Punkten aus der Saison 2007/08 eingestellt. Nun visiert Trainer Dr. Rolf Brack eine neue Bestmarke an – gegen Vizemeister und Europacup-Sieger SG Flensburg-Handewitt, der hinter Triple-Sieger THW Kiel wieder die zweite Handball-Macht in Deutschland ist. „Eine ganz starke Mannschaft“, sagt der HBW-Kommandogeber, „die Kiel im Final Four am Rande einer Niederlage hatte.“ Das bestätigte die SG am vergangenen Wochenende nachdrücklich mit dem Erfolg im Europapokal-Wettbewerb der Pokalsieger.
„Wir gratulieren den Flensburgern gerne zum Gewinn des Europapokals und einer hervorragenden Saison. Das soll aber nicht gleichzeitig heißen, dass wir ihnen die letzten zwei noch zu vergebenden Punkte freiwillig überlassen“, erwartet der HBW-Geschäftsführer Bernd Karrer, dass die Balinger Mannschaft vor heimischer Kulisse nochmals ein wahres Feuerwerk an Emotionen und Einsatz entfachen wird: „Ein Sieg, aber auch ein Unentschieden gegen den neuen deutschen Vizemeister und aktuellen Europapokal-Gewinner wäre für uns das i-Tüpfelchen auf eine alles in allem erfolgreiche Saison.“
Die Voraussetzungen sind allerdings denkbar schlecht: Neben Strobel fällt Felix König (Fingerbruch) weiterhin aus. Zudem klagten Benjamin Herth (Wade) und Roland Schlinger (Knie) über Muskelverletzungen, „und haben bis Donnerstag nicht trainiert“, verrät Brack und fügt hinzu: „Da hatten wir kaum Möglichkeiten im Training, zumal auch Morten Slundt aufgrund einer Adduktorenreizung nur dosiert eingesetzt werden konnte.“ Aufgrund der prekären Personalsituation stapelt der Sportwissenschaftler tief: „Sollten Schlinger und Herth ausfallen, sinken unsere Chancen zu punkten auf ein Minimum.“
Zumal sich die Norddeutschen auch in der Liga zuletzt keine Blöße gaben. Am Mittwochabend verbuchte die SG ihren 27. Saisonsieg. Mit einem 39:27 über die TSV Hannover-Burgdorf besiegelten die Nordlichter ihre neunte Vizemeisterschaft seit 1996. Den tollen Abend rundete eine spektakuläre Personalie ab: SG-Trainer Ljubomir Vranjes hat seinen Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis 2017 verlängert. „Ich habe schon jetzt Lust, Energie und Kraft für die nächste Saison“, betonte der Schwede.
Jubel im Norden – Tristesse bei den Schwaben
Die Campushalle in Flensburg wurde am vergangenen Wochenende zur Schampushalle. Die Spielgemeinschaft aus Flensburg und Handewitt gewann auch das Rückspiel gegen den VfL Gummersbach (32:28) – und damit den Europacup der Pokalsieger. Es war der erste Titel nach sieben Jahren Pause und der achte in der Vereinshistorie.
In Deutschland avancierte die SG hinter Rekordmeister THW Kiel wieder zur zweiten Macht. Da wird es für die Schwaben schwierig, noch einmal zu punkten. Für sieben Balinger ist es der vorerst letzte Auftritt im HBW-Trikot. Morten Slundt, Alexandros Alvanos, Dennis Wilke, Philipp Keinath, Martin Ziemer sowie Daniel Sauer und Jens Bürkle verlassen den Aufsteiger von 2006. Unabhängig vom Ergebnis und den Personalien gibt es nach dem Schlusspfiff eine riesen Fete in der nahe gelegenen Volksbank Messe. Zusammen mit den HBW-Fans und mit dem Perspektivkader soll der erneute Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga gefeiert werden. Geöffnet hat die Volksbank Messe ab 18 Uhr – 45 Minuten später soll die Feier starten. Der Eintritt ist frei
