Langeweile ist für sie ein Fremdwort
Ob Strohstern oder Deckchen – Anni Baumann und Gudrun Frey basteln für alle vier Jahreszeiten
Winterlingen, 01.06.2012 von Bianka Roith
Ist ein Werk gelungen, wird der Betrachter zum Bewunderer und der Bastler für einen kurzen Moment zum Held als Hobbykünstler. So geht das auch regelmäßig Gudrun Frey und Anni Baumann, die besonders gerne ihre kreativen Werke auf Weihnachtsmärkten präsentieren. Doch eigentlich entstehen Stücke für alle vier Jahreszeiten und die großen kirchlichen Feste. Oft werden die Stücke auch verschenkt, in der Familie oder im Freundeskreis – „an Menschen, die es zu schätzen wissen.“
„Ich habe schon als Kind gerne gebastelt, diese Neigung hat man einfach“, sagt Gudrun Frey. Und Anni Baumann stimmt ihr zu. „Ich war sehr kreativ“, erzählt Gudrun Frey, dass sie sich Möbel für die Puppenstube aus Pappe gebastelt habe, außerdem machte sie Kasperlepuppen. Man habe sich seine Spielsachen selber gemacht, zum Beispiel aus Papiertischdecken Puppen oder Vorhänge für die Puppenstube. Schon als Schülerin hat Gudrun Frey auch für andere Leute Handschuhe gestrickt. Und Anni Baumann bastelte Adventskalender, ganz klassisch mit Türchen zum Öffnen. Früher habe es die Ablenkung einfach nicht so gegeben wie heute, meint Anni Baumann. „Das Selbermachen war schön, gar nicht unbedingt das Spielen.“
Beide Frauen haben mit dem evangelischen Frauenkreis für den Basar der Kirchengemeinde gebastelt. So haben sie sich 1981 auch kennengelernt und sind seither befreundet. Sowohl Gudrun Frey als auch Anni Baumann sind Mitglied im Arbeitskreis Kunst. Anni Baumann hat es vor allem die Occhi-Kunst angetan. Bei dieser alten Handwerkskunst wird der Faden auf ein Schiffchen gewickelt und dann wird daraus Spitze hergestellt. Mit ihrer Technik, die sie in einem Kurs gelernt hat, verziert Anni Baumann Eier, stellt Läufer und Deckchen her.
Außerdem macht sie gerne Strohsterne. „Das war für mich immer das Größte“, erzählt sie. Heute zaubert sie kleine Sterne aus Stroh, aber auch Sterne mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern. „Ich habe mir das meiste selbst beigebracht, mit einem Heftle und durch Ausprobieren.“ Für die Occhi-Technik brauche es viel Geduld, „aber es ist ein Ausgleich für mich“, sagt Anni Baumann. „Und was man gerne macht und wenn es gelingt, dann ist einem keine Zeit zu viel, man hat ja dann ein Erfolgserlebnis.“
Gudrun Frey hängt jedes Jahr Nikoläuse aus Makramee auf. Doch vor allem liebt sie das Töpfern. Sie hat 1980 ihren ersten Kurs besucht und hat heute sogar einen eigenen Brennofen. „Sie macht es immer besser“, sagt Anni Baumann anerkennend. Aber Gudrun Frey winkt ab. Trotzdem kommen ihre Arbeiten vor allem auch auf dem Winterlinger Weihnachtsmarkt sehr gut an. Sie macht Krippenfiguren, aber auch Eulen, auf ihrem Kachelofen steht ein Schäfer mit seiner Herde und schon für die Enkelkinder hat sie Kasperlepuppen modelliert. Zu ihrem Repertoire gehören außerdem Vasen und Übertöpfe, „aber Handmodelliertes liegt mir am meisten.“
Einig sind sich beide: „Wenn man keine Lust hat, braucht man erst gar nicht anzufangen, denn dann wird es nichts.“ Doch dass sie keine Lust aufs Basteln haben, ist eher selten der Fall. Dazu basteln sie einfach viel zu gerne. „Und wir kennen keine Langeweile.“
