Eine Frage der Perspektive
22.05.2012 von Klaus Irion
Jeder von uns hat ja wohl so manche festgefahrene Sicht auf Dinge des Alltags. Beispiel: Rennradfahrer. Was habe ich mich im Auto sitzend schon darüber aufgeregt, wenn Sie im engen Dress auf Ihren High-Tech-Drahteseln sitzen und die Fahrradwege konsequent ignorieren. Am besten noch in Zweier- oder Dreierreihen. Nun erklärte jüngst ein Arbeitskollege, der für sich den Nachhauseweg auf dem „stinknormalen“ Fahrrad entdeckt hat, wie froh er darüber ist, dass er auf den Radwegen keinerlei Angst vor Rennrad-Rasern haben muss, weil die ja eh alle auf der Straße radeln. Man sieht: Alles einer Frage der Perspektive. Ich konnte – dieses Mal nicht aus der Sicht eines Autofahrers, sondern aus der eines ebenfalls Radwege nutzenden Alltagsradlers – nicht mal widersprechen. Oder nehmen wir Mountainbiker. Ein „Hallo“, ein „Guten Appetit“. Freundliche Worte von bergan schnaufenden Mountainbikern, als ich dieser Tage wandernd am Waldesrand mein Vesper genoss. Genau so sollte es funktionieren, das Freizeitvergnügen für Wanderer wie für Offroad-Radler. Doch keine Viertelstunde später hat dann eine Mountainbikerin meinen Glauben an ein verträgliches Miteinander wieder brutalstmöglich zerstört. Den Kopf tief über den Lenker gebeugt und mit Kopfhörern im Ohr stürzte sie sich mit Vollgas im Naturschutzgebiet „Irrenberg“ zu Tal. Ich vermute mal, sie kam heil unten an. Gegenseite Rücksicht aber sieht anders aus. Aber auch hier gilt wohl: Alles eine Frage der jeweiligen Perspektive.
