Öfters mal abschalten
19.05.2012 von Dagmar Stuhrmann
Handys machen das Leben in vielerlei Hinsicht leichter. Man kann von jedem Punkt auf dieser Welt aus telefonieren und kann umgekehrt jederzeit angerufen werden, egal, wo man ist und was man gerade macht. Das Handy muss nur eingeschaltet sein. Genau diese Dauererreichbarkeit macht aber immer mehr Menschen zu schaffen. Sie können nicht mehr abschalten – im übertragenen Sinne –, wenn der Alltag sie beliebig einholen kann. Vielleicht sollte man ja einfach öfters mal – und nun ist's wörtlich gemeint – abschalten. Dann passiert einem zumindest nicht das, was ich vor kurzem in der Warteschlange an einer Supermarktkasse beobachten durfte. Just in dem Moment, als die Kassiererin begann, den Einkauf einer Kundin über den Scanner zu schieben, legte deren Handy los. Welche Macht diese Dinger doch über ihre Besitzer haben: Statt es einfach klingeln zu lassen, fing die Frau an, hektisch in ihrer Tasche zu kramen. Bis sie den kleinen Störenfried gefunden hatte, das Gespräch angenommen und sich mit dem Anrufer ausgetauscht hatte, türmten sich die Waren auf der schmalen Fläche zwischen Scanner und „Abgrund“ bereits zu einem beachtlichen Berg – und in der Schlange wuchs die Spannung. Wann würde das Ganze umkippen? Nun ja: Soweit kam es dann doch nicht. Denn als die Kundin keine Anstalten machte, ihr Gespräch zu beenden, stand die Kassiererin – ganz Herrin der Lage – auf und packte kurzerhand, wenn auch unter Verrenkungen, sorgfältig Dose um Dose und Päckchen um Päckchen in den Einkaufswagen der Kundin. Die sich dann für diesen Extra-Service immerhin herzlich bedankte.
