Albstadt-Ebingen, 11.05.2012

Zeitgeist spiegelt sich in Bildern

Geschichte der Konfirmation: Neue Sonderausstellung im Ebinger Heimatmuseum

Zeitgeist spiegelt sich in Bildern
Eine Zahnbürste vom Friseur, Strümpfe von Tante Berta und zehn Mark vom Großvater: Die Geschwister Fritz, Eugen und Elfriede haben über ihre Konfirmationsgeschenke fein säuberlich Buch geführt.

Köstlich zu lesen und aufschlussreich: Die Geschenkelisten sind im Heimatmuseum hinter Glas ausgestellt. Fritz wurde 1935 konfirmiert, Elfriede 1938 und Eugen vermutlich 1941. Dass die Kinder ihre Geschenke notierten, hatte natürlich einen triftigen Grund. „Man wollte beim Danken niemanden vergessen,“ erklärt Museumsbetreuer Ernst Koch, „und auch wegen eventueller Gegengeschenke war es wichtig zu wissen, von wem man etwas bekommen hat.“ Gang und gäbe war es, dass die Konfirmanden von Geschäftsleuten, bei denen die Familie einkaufte, mit Geschenken bedacht wurden.

Am 13. Mai werden in den evangelischen Kirchen die Konfirmationsgottesdienste gefeiert. Koch hat dies zum Anlass genommen, der Geschichte der Konfirmation eine Ausstellung zu widmen. Dafür hat er sich auf Spurensuche begeben und ist fündig geworden. Er fand heraus, dass 1869 zum ersten Mal die Namen der Konfirmanden in der Lokalzeitung veröffentlicht wurden. Die Lektüre der Namen wird zum Spaziergang durch die Wirtschaftsgeschichte. Bei jedem Einzelnen ist der Beruf des Vaters mitvermerkt und so kann man feststellen: 1869 gab es viele Strumpfweber, Bierbrauer, Wirte und Schuhmacher in der Stadt. Daneben den einen oder anderen „Musikus“, den „Schulmeister“, den „Stadtmüller“, ein paar Schreiner, Zimmermänner und Gipser und – heute längst vergessene Berufe – Mühlenmacher, Manchesterfabrikanten, Zeugmacher und einen „Waldschütz“.

Das älteste Denkspruch-Kärtchen in der Ausstellung stammt aus dem Jahr 1838. Allerdings ist der Spruch nicht mehr lesbar. Erhalten ist dagegen der Denkspruch eines gewissen Christian Kiesinger aus dem Jahr 1890 – er war der Vater Kurt-Georg Kiesingers. Von Karoline Daiber stammt der „Konfirmandengruß“. Sie hat dieses Gedicht 1927 verfasst.

Neben Glückwunschkarten und Erinnerungsurkunden sind vor allem die in der Ausstellung gezeigten Fotos „Hingucker“. Mädchen in Kleidern, die bis zum Knöchel reichen, und Mädchen mit Miniröcken; zwischen diesen Bildern liegen Jahrzehnte. In allen Zeiten war die Konfirmation ein besonderer Tag im Leben eines jungen Menschen, den man fotografisch festhalten musste. Eines haben die Bilder alle gemeinsam: Alle Konfirmanden sind schwarz gekleidet – auch wenn der Zeitgeist modisch im Detail für Veränderung sorgt.

Info

Das Ebinger Heimatmuseum hat an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Terminvereinbarungen sind auch unter Telefon Ebingen 52860 möglich.


Fest der „Einsegnung“: Ernst Kochs Blick in die Historie

Anfänge: Die Konfirmation wurde per Erlass vom 22. Dezember 1722 im alten Herzogtum Württemberg eingeführt. 1723 im April fanden die ersten Konfirmationsfeiern statt. Im 19. Jahrhundert entstand der Brauch, den Konfirmanden spezielle Denksprüche zu überreichen.

Zeitverzögert: Der Konfirmandenunterricht wurde allerdings nicht gleichzeitig mit der Einführung der Konfirmation vorgeschrieben, sondern wurde nach und nach durchgesetzt und ist erst im Jahre 1806 in seiner bis in die jüngste Zeit gültigen Form festgelegt worden.

Bruch: Nach der Machtübernahme durch die Nazis entfiel der Konfirmandenunterricht. 1939 führte Württemberg-Hohenzollern einen „Weltanschauungsunterricht“ ein.

Vorwand: Mit der Begründung, dass Kinder der aus der Kirche ausgetretenen Familien, die infolge dessen vom konfessionellen Religionsunterricht abgemeldet seien, auch einen „Gesinnungsunterricht“ erhalten müssten, wurden die Schulleiter mit der Einrichtung des „Weltanschauungsunterrichts“ beauftragt. Nach Kriegsende 1945 wurde dieser an allen Schulen gestrichen.

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