Unbezahlter Knochenjob
11.05.2012 von Daniel Seeburger
Diskutieren wir über die so genannte „Herdprämie“. Nein, nicht über Sinn und Unsinn eines Betreuungsgeldes, sondern über einen verletzenden und herabwürdigenden Begriff, der 2007 von einer Experten-Jury der Universität Frankfurt zum „Unwort des Jahres“ ausgewählt worden war. Die Begründung damals: „Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen“. Schon das Bild, das hinter dem Begriff steht, ist falsch und absurd. Denn die „Herdprämie“ soll weder für Kinderkochkurse ausbezahlt werden, noch für die Anschaffung eines neuen Herds. Gegner eines Betreuungsgeldes wollen vielmehr vermitteln, dass Frauen und Männer, die ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen, um ihre Kinder zu Hause zu erziehen, einer offensichtlich wenig anspruchsvollen Arbeit nachgehen, eben am Herd stehen und kochen. Dieser Eindruck aber ist grundfalsch. Erziehungsarbeit ist keinesfalls Urlaub, es ist ein unbezahlter Knochenjob. Weshalb beispielsweise „Spiegel“, „Stern“ oder „Welt“ dieses Unwort des Jahres 2007 stetig benutzen, andere aber wie „betriebsratsverseucht“ (2009), Integrationsverweigerer (2. Platz 2010) oder „Rentnerschwemme“ (1996) zurecht kritisieren und stigmatisieren, bleibt deren Geheimnis. Man kann das Betreuungsgeld begrüßen oder ablehnen. Beleidigungen allerdings kommen ganz schlecht. Denn wer beleidigt, hat immer unrecht.
