30.04.2012

Rundgang mit Gaumenfreuden

Brot, Wein, Jus und andere kulinarische Wechselspiele

Rundgang mit Gaumenfreuden

Kommen, schauen, probieren, schmecken: „Balingen pur“ über den Gaumen mit Leib und Seele erfahren, das ist ein verführerisches Wechselspiel zwischen bodenständiger Tradition und weltoffener Inspiration.

Hier liegt das kräftige Bauernbrot aus einem Sauerteig, der die Hand des Bäckermeisters noch intensiv gespürt hat, dem Schrot und Korn Charakter geben. Nebenan steht der kleine Schmalztopf mit Grieben am Boden, liegt die grobe und geräucherte Leberwurst neben der sagenumwobenen Schwarzwurst, die jeden Wurstsalat schwäbisch und damit einzigartig macht. Hier zeigt die Nudelmacherin, was eine Nudel sein kann: Raffinesse in Teig wie Sauce – und mancher „Italiener“ wird und bleibt blass.

Auch dieses Beispiel zeigt: Ein Banause, wer unterstellt, Regionales sei gering zu schätzen, nur weil nebenan feinste Fenchelsalami auf den Konsumenten wartet, Parmaschinken, ein Manchego oder Pecorino der Extraklasse, die in Olivenöl getränkte zuvor getrocknete Paprikastreifen. Beides hat seine Berechtigung.

Auch Austern aus Royan, mit einem typisch charaktervollen weißen bordelaiser Franzosen. Die sind gleichwohl ein Erlebnis, wenn Vater und Mutter ihre Sprösslinge von der kulinarischen Außergewöhnlichkeit dieser Muscheln unter Verwendung eines speziellen Bestecks zu überzeugen suchen. Sollte es in diesem Jahr nicht hinhauen mit der elterlichen Überzeugungskraft, sicher ist Royan auch im kommenden Jahr wieder vertreten.

Überhaupt suchen Essen und Trinken – gleichsam nah wie vielfältig – auf der Informations- und Genuss-Messe den Einklang. Und ist dieser nicht längst gefunden, wenn zum sechzigsten Geburtstag des Landes Baden-Württemberg sich im zollernalbschen Balingen ganze Heerscharen vor einem badischen Backhaus tummeln, um sich an „Dinnete“ zu laben? Mit Weinen und Sekten aus dem Ländle ist die Messe gut besungen. Neben toskanischen Tropfen zeigt ein Winzer aus dem Piemont Flagge. Mit gutem Grund: denn die Region gilt unter Weinfreunden – ob Weiß, ob Rot – zu den Geheimtipps. Überraschung auch aus Franken, genauer gesagt aus dem Raum Würzburg. Daher kommt ein 2008er Regent, der den Mund spitzt, voll des Lobes über diese Traube. Was dem nächsten Besuch bei einem Winzer aus dem pfälzischen Bobenheim keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil. Es ist eine wunderbare Einstimmung auf ein „Dezi“ vom klassischen Lemberger aus dem Remstal, der viel besser im Glas steht, als ihm manche Kaiserstühler abgängig nachsagen.

Bleibt da nicht vielleicht die Suche nach dem kräftigen Schluck, den Bränden, im wahrsten Sinn des Wortes, auf der Strecke? Mitnichten! Was aus heimischem Obst alles verflüssigt werden kann, ist vielen im Ländle ein Begriff. Aber wie wäre es mit einem schottischen Whisky, der gut und gerne 30 Jahre Ausbau in unterschiedliche Fässern hinter sich hat? 99 Brennereien halten heute die Marken der Highlands und Lowlands, der Regionen Speyside und Islay hoch, um nur einige zu nennen – sämtlich auf der „pur“ unverfälscht zu genießen. Oder doch lieber einen erfrischenden Saft aus der Region, ein Wasser oder Bier von hier? Oder ein exotischer Fruchtcocktail?

Genießen hat immer etwas mit Kreativität zu tun. Die zieht beide in ihren Bann: den freudig experimentierenden Hersteller – Koch, Metzger, Bäcker, Winzer, Obstbauern – wie den herausgeforderten Konsumenten. Sich auf „Balingen pur“ einzulassen, ist eine kleine kulinarische Weltreise. Das braucht ein wenig Zeit.

Und die sollte man sich geben, mit Freunden, in der Familie – auf der Genuss-Messe für alle. Es ist die leichte, ungezwungene Art auf Geschmäcker zu kommen, die überzeugt. Auch bei den Präsentation von Meisterköchen – mit und ohne Stern – die heute und am morgigen 1. Mai ihr Stelldichein geben.

Na denn, Wohlsein!

Harald Ritter

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