Wechsel nach fünf Generationen

Margarete Lang-Murmann stellt das künftige Betreiber-Ehepaar ihres Gasthofs „Lang“ vor

Wechsel nach fünf Generationen

Balingen, 25.04.2012 von Karl-Otto Müller

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Balingens Traditionsgasthof „Lang“ kommt in neue Hände. Ab 7. Mai übernehmen Sara-Maria und Peter Neumann die Regie. Für Margarete Lang-Murmann bedeutet dies den Einstieg in den Ruhestand.

Mehr als verdient feiert die weit über Balingens Stadtgrenzen hinaus geschätzte Gastronomin doch just zum Monatswechsel ihr 55-jähriges Berufsjubiläum. 1975 hatte sie den Gasthof „Lang“ übernommen. Alles andere als alltäglich: Immerhin verkörperte sie damit die fünfte Generation der Familie Lang auf dem Gasthof. Erbaut wurde dieser im Jahre 1786 vom damaligen Stadtkämmerer Leonhard Gerber, durch Erbschaft sei er der Enkeltochter Katharina Gerber anheimgefallen. Und diese schließlich hatte sich im Jahre 1826 mit Immanuel Lang verheiratet, einem Abkömmling der Laufener Papiermühle. Die Hochzeitstruhe im ersten Stock des heutigen Hotels sei letztes Relikt jener Jahre, erzählt Margarete Lang-Murmann. Nicht nur die eigene, zahlreiche Familiengeschichten aus ihrer Heimatstadt sind ihr geläufig. Ein wahrer Fundus Balinger Familiengeschichten.

Und sicherlich der Geist, der die „Lang“-sche Gaststube bis heute beseelt. Obgleich „jede Generation dem Haus den eigenen Stempel aufdrückte“, erzählt die Gastronomin, „seien es die Schafhalter und Landwirte, anschließend die Bierbrauer oder schließlich auch ihre Eltern, die 1951 das Haus zum Hotel umgebaut hatten.“

Einschneidend und unvergesslich ist ihr der Sommer 1996: Bestens aufgestellt waren sie als Balinger Hoteliers und Gastronomen gemeinsam mit ihrem Ehemann Ulrich Murmann. Ein verheerendes Feuer vernichtete den Gasthof. In den Jahren '97 und '98 eröffneten beide voll Stolz das neue Haus, an der einen oder anderen Stelle geschrumpft, aber deutlich feiner: 15 statt 25 Gästezimmer, eine schmucke Terrasse mit Frühstückszimmer und freundliche Gasträume mit 120 Plätzen. Der Neustart aber lag nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod Ulrich Murmanns einzig in Händen Margarete Lang-Murmanns. Mit Tatkraft, Zuversicht und einem treuen Team positionierte sie den neuen Gasthof „Lang“ in Balingens moderner Hotellandschaft.

Für Sara-Maria und Peter Neumann durchaus nachvollziehbar „die erste Wahl“ auf ihrem Schritt in die Selbstständigkeit. Die beiden Gastronomie-Profis kennen den Gasthof „Lang“ seit längerem, seit vergangenem Sommer sind sich Hausherrin und die künftigen Pächter nähergekommen. Die Faszination des Traditionshauses erleben sie schon seit Tagen: „Gäste haben hier ihre Taufe gefeiert, ihre Konfirmation, Geburtstage, ihre Hochzeiten – ja, selbst goldene Konformationen“, erfährt Peter Neumann. „Solchen Traditionen, solcher Treue fühlen wir uns verpflichtet“, deshalb sei man sich einig, an Bewährtem festzuhalten, die regionale Küche auch künftig zu pflegen. Aber natürlich auch Neues anzubieten, wo es gewünscht ist. Da wollen sie aufmerksam auch auf die Stimme Margarete Lang-Murmanns hören – schließlich bleibe sie im Hause wohnen, biete sich als Ratgeberin an, auch als Helferin, wo es nötig sei, doch der Küche wolle sie fern bleiben.

Diese wird vor allem auch das Reich Sara-Maria Neumanns werden. Die Freizeit-Flötistin, lange Jahre im Balinger Jugendorchester aktiv, kocht gerne, gleichzeitig fasziniere sie aber auch die Begegnung mit den Gästen im Service. Die 25-Jährige ist gelernte Restaurantfachfrau und ausgebildete Köchin. Beide Male Innungssiegerin. Von besten Häusern geprägt – und zuletzt auf Schloss Haigerloch und im Café Leda. In der Fliederstadt lernte die gebürtige Endingerin Ehemann Peter Neumann (41) kennen.

Er stammt aus Haigerloch-Gruol, nach erster Ausbildung als Bäcker schwenkte er um zum Hotelfachmann. Nach der Lehre im Hotel Krone in Tübingen arbeitete er in St. Moritz, im Seehotel Sieber in Konstanz, bevor er 1997 ins Schloss Haigerloch gekommen sei.

In Gästekreisen hatte sich der „Wachwechsel“ bereits seit Wochen herumgesprochen – alle Beteiligten aber seien sich einig, dass der Übergang zum 7. Mai ein ganz sanfter werden müsse. Verträglich für Gäste und das zwölfköpfige Team des Gasthofs.

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