Leserbrief
Hier spricht der Waldwutbürger
24.04.2012
Voriges Jahr gab es vom Forstamt Balingen eine Waldführung unter dem naiven Titel: „Vollernter - Fluch oder Segen?“ Die Frage ist für mich eindeutig beantwortet. Diese Monster sind auf Kredit angeschafft und müssen nur eins bringen: Geld, Geld, Geld. Während in Pfeffingen innerorts mittlerweile die Lichter ausgegangen sind, finden auf den umliegenden Hügeln die ersten Kahlschläge statt. Andere Parzellen sind so ausgedünnt, dass beim nächsten Orkan der Rest auch noch „geerntet“ werden kann. In Albstädter Naturschutzgebieten mit Waldanteil (Roschbachtal, Kugelwäldle u.v.a.) sieht es aus wie auf dem Truppenübungsplatz. Schützenswerte Flora ist irrelevant. Forstsamtsrat Seyboldt und seine Gehilfen profitieren hier von „Biomasse“, die sie nicht gepflanzt haben. Da liegen festmeterweise Buchen, die 40 Jahre und älter sind. Ich kann übrigens das Wort „Nachhaltigkeit“ nicht mehr hören. Dieses Feigenblatt ist so dünn, dass der darunterliegende Schambereich zur Peinlichkeitsgrenze sichtbar wird.
Was hier seit ca. 15 Jahren in immer stärkerem Maße passiert, ist Raubbau und nichts anderes. Wir sollten dem Wald dienen und nicht umgekehrt. Was soll zudem dieses Tourismusargument? Dem Stuttgarter „Traufgänger“ ist es völlig wurscht, ob hier ein Baum mehr oder weniger steht, im Gegenteil: Die Aussicht ist ohne Bäume viel schöner, wie die Lüneburger Heide (abgeholzt zugunsten von Weideland), das schottische Hochland (abgeholzt für die Flotte und die Schafe der Engländer) und die Albstädter Felsköpfe (abgeholzt für den schnellen Euro) beweisen.
Die Gemeinden sind nach Gewohnheitsrecht dazu angehalten, ihren Bürgern günstig Brennholz zur Verfügung zu stellen. „Günstig“ ist mittlerweile höchst relativ geworden, obwohl so viel gehauen wird. Komisch, was?
Wolfgang Wiebe,Onstmettinger Straße 10,
Peffingen
