21.04.2012

Leserbrief

Auf die neuen Allee-Anwohner kommen turbulente Zeiten zu

Liebe Anwohner der Sonnenstraße, scheinbar wird die bereits 2006 von Werner Schmied angeregte Straßengestaltung umgesetzt.

Allerdings ist die geplante Baumreihe genau genommen die Verlängerung einer bereits vorhandenen Allee – damit liegt das Entree nicht in der Sonnenstraße, sondern bei der Schalksburgschule. Die Stadt wächst zusammen, wir alle sind City, das macht uns zu quasi Nachbarn.

Als gute Nachbarn wollen wir Sie, als Neu-Alleeanwohner, natürlich mit unserem umfassenden Baum-wissen unterstützen. Zunächst die wichtigste und unumgängliche Anschaffung für jeden Haushalt, einen Laubsauger oder Bläser – besser noch beides. Mit einem schnöden Besenset sinken Sie rasch im Ansehen Ihrer Umgebung.

Der Jahresverlauf eines Alleeanwohners ist ereignisreich: Er be- ginnt mit dem Ausschlagen der Bäume, es finden sich nun überall kleine Kapseln auf den Gehwe-?gen (Kehreigenschaften hervorragend/ Laubsauger mäßig.). Gefolgt von der Blütenzeit, zart zitronengelber Puder bedeckt alles, dringt durch geschlossene Fenster und in das Wageninnere. Bei Regen zeigt sich dann die hervorragende Klebeeigenschaft des Puders (Kehren/Saugen kann man vergessen, Beschäftigung durch Abstauben ausreichend vorhanden, nach Wasserkontakt allerdings sinnlos).

Es folgen die welken Lindenblüten (hervorragende Kehr- / Saugeigenschaften – wenn die kli-matischen Verhältnisse nicht zu feucht sind). Dann der Lindensaft, nun ist die Parkplatzfrage mindestens für die nächsten drei Wochen geklärt, kein erfahrener Anwohner stellt sein Auto auch nur in die Nähe eines Baums.

Schließlich die Lindensamen, sie haben hervorragende Flugeigenschaften und die Angewohnheit, irgendwo regelrechte Schneewehen zu bilden. Inzwischen haben die Herren vom Bauhof mindestens dreimal alle Schachteinsätze geleert und dabei erreicht uns der Herbst erst in einigen Wochen. Mit bunter Blätterpracht auf Gehwegen kündigt er sich an und in Kombination mit Regen perfekte Trainingsbedingungen für den zweifachen Toeloop in die Horizontale oder einen dreifachen Rittberger in den Spagat. Sie sollten bei Ihrem stündlichen Kehreinsatz mit Applaus zurückhaltend sein und stets bereit, einem vorbeizischenden Athleten auszuweichen. Sollte das Wetter zu feucht sein, lassen Sie Besen oder Sauger im Haus und nehmen gleich die Schneeschaufel. Winter, alles bedeckt eine weiße Schicht, sollte es stürmen gesellen sich Äste dekorativ hinzu.

Es kommen also bewegte Zeiten auf Sie zu, herzlich willkommen in der Nachbarschaft.

Günther Luithlen
Lautlinger Straße 108, Ebingen

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