Albstadt-Ebingen, 20.04.2012

Wald soll vielen Herren dienen

Kahlschlag und Nachhaltigkeit: Immer wieder erzürnen Forstarbeiten Albstädter Bürger

Wald soll vielen Herren dienen
So mancher Bürger ist sauer über die großangelegten Baumfällungen zum Jahresbeginn. „Unmöglich“ oder „gnadenlos“ sind Begriffe, die fallen. Forstamtsrat Eugen Seyboldt erläutert Hintergründe.

Egal ob am Telefon oder per Mail – zahlreiche Bürger beschwerten sich bei uns bitterlich und mit unmissverständlichen Ausdrücken darüber, dass im Stadtwald in der jüngsten Zeit größere Schneisen in den Baumbestand geschlagen wurden. Dann sieht ein zuvor idyllisch bewachsener Hang natürlich schon mal einige Wochen schlimm aus, vielleicht ist sogar der Lieblings-Spazierweg unpassierbar. Die Lücke, wo zuvor große Bäume thronten, fällt manchem Spaziergänger schmerzlich ins Auge.

Forstamtsrat Eugen Seyboldt kann diese Sichtweise durchaus ein Stück weit nachvollziehen. Er gibt aber auch zu bedenken, dass der Wald einfach auch ein Wirtschaftsraum war und ist, bei dem es um Wertschöpfung geht.

Nach Baden-Baden und Freiburg ist Albstadt mit rund 5 700 Hektar der drittgrößte kommunale Waldbesitzer Baden-Württembergs. Rund 45 000 Festmeter Holz werden pro Jahr geschlagen. Dass dies in einem Wald, der einem wander- und spazierbegeisterten Völkchen fast jedes noch so versteckte Eckchen im Forst per Waldweg erschließt, nicht unbemerkt vonstatten gehen kann, ist klar. In die Entscheidung, an welchen Stellen wie viele Bäume geschlagen werden, spielen verschiedene Faktoren hinein, erklären Eugen Seyboldt und Revierförsterin Annette Schmid:

Einerseits die unternehmerische Notwendigkeit, eine bestimmte, durch regelmäßige Inventuren festgelegte Anzahl von Festmetern zu schlagen und zu verkaufen. Genauso gut aber auch pflegerische Maßnahmen, die Waage zwischen jungen und alten Bäumen zu halten sowie Maßnahmen zur Sicherheit von Autofahrern und Fußgängern.

Der Wald, weiß Eugen Seyboldt, soll in unserer Zeit immer mehr Herren gleichzeitig dienen und versteht die Interessen der Betroffenen:

Spaziergänger wollen ihre ruhigen, idyllischen Wegle möglichst unberührt. Jogger, Nordic Walker und Mountainbiker beanspruchen den Wald immer mehr als Sportgelände, Naturschützer achten auf den Lebensraum, Jäger verfolgen ihre Interessen und die Stadtverwaltung hat in Wald und Natur nun zudem noch einen Magneten für sanften und erfolgreichen Tourismus gefunden. Und das, wie es nun exakt heißt, „Forstamt Zollernalbkreis Bereich Albstadt“ soll bei alledem noch seinen Aufgaben nachgehen.


Fällverbot ab März gilt nicht für Forstwirtschaft – Heute und morgen sind Tage der Nachhaltigkeit

Stein des Anstoßes für manchen Bürger war die Tatsache, dass die Forstarbeiten auch in den April hinein reichen. Denn laut Naturschutzgesetz ist es vom 1. März bis 30. September nicht erlaubt, Bäume, Hecken, Wallhecken, anderes Gebüsch sowie Röhrichtbestände und sonstige Gehölze zu fällen. „Stimmt“, bestätigt Eugen Seyboldt. „Aber der Forst ist davon ausgenommen. Natürlich schauen wir uns die Bäume vorher an. Wenn Bruthöhlen da sind, bleibt der Baum stehen. Bei uns sind nicht umsonst Fachleute am Werk.“

Tage der Nachhaltigkeit: Heute und morgen sind in Baden- Württemberg die „Tage der Nachhaltigkeit“. Geprägt hat den mittlerweile allgegenwärtigen Begriff der Nachhaltigkeit übrigens Carl von Carlowitz, ein Forstmann.

Er stellte bereits im Jahre 1713 erstmals die moderne Maxime der Nachhaltigkeit auf, Forstwirtschaft nach Plan zu machen und nie mehr Bäume zu schlagen als nachwachsen können. „Maximen“, bestätigt Forstamtsrat Eugen Seyboldt, „nach denen wir auch heute noch arbeiten.“

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