17.04.2012

Leserbrief

Aufwendige Messungen fördern Zeitbombe zutage

Seit sechs Jahren kämpft die Bürgerinitiative in Stuttgart–West gegen einen Mobilfunkmasten. Die Proteste der Bürgerinitiative haben dazu geführt, dass die evangelische Gesamtkirchengemeinde, auf deren Gebäude der Sendemast steht, das Gebiet ausmessen ließ. Man kann es als Zeitbombe bezeichnen, was nun bei aufwendigen Messungen herausgekommen ist.

Das Gutachten des EMF-Institutes Nießen deckt auf: Das Gebiet ist eine verstrahlte Zone mit Extremwerten. Auf Balkonen und in Wohnungen wurden Werte bis zu 543 000 microWatt/qm gemessen. Zum Vergleich: Der BUND fordert die Einhaltung von 100 microWatt/qm als Gefahrenabwehrstandard, in Wohnungen sollen 1 microWatt/qm nicht überschritten werden! Das alarmierende Urteil des Gutachters für den Stuttgarter Westen: „Dass es sich hier um ungewöhnlich hohe Immissionen handelt, zeigen nicht nur viele vergleichbare Messungen des EMF-Institutes, bei denen in keinem Fall Immissionen in dieser Höhe aufgetreten sind.“ Warum waren solche Werte bisher nicht bekannt? Die Bundesnetzagentur hatte in Messungen, die die Stadt Stuttgart 2006 veranlasst hatte, nur auf Straßenniveau gemessen, bewusst nicht in den besonders belasteten oberen Stockwerken. Gelinde gesagt: Es wurde „getäuscht“.

Inzwischen geht es der Bürgerinitiative nicht mehr nur um einen Masten, sondern um eine Aufklärung und Strahlenminimierung in ganz Stuttgart. „Wir fordern ein Mobilfunkvorsorgekonzept“. Darüber muss im Gemeinderat und in Bezirksbeiräten diskutiert werden. Es braucht politischen Druck, dies durchzusetzen. Bei einer so hohen Strahlenbelastung bleibt nicht aus, dass es immer mehr Menschen mit gesundheitlichen Problemen gibt. Die Zahl der Elektrosensiblen nimmt stetig zu. Unsere Umwelt wird einer größer werdenden Belastung durch elektromagnetische Felder ausgesetzt.

Zur Info: Die natürliche Hintergrundstrahlung beträgt 0,000 001 microW/qm. Bei ca. 0,001 microW/qm (0,0006 Volt ist noch die Funktion eines D- oder E-Netz- Handys gewährleistet.

Das Gutachten in Stuttgart zeigt wieder einmal, dass wenn die Genehmigung für einen Mobilfunkmast erteilt ist, die Mobilfunkbetreiber freie Hand haben, niemand überprüft wie hoch die tatsächliche Strahlenbelastung tatsächlich ist und die genehmigte Strahlung eingehalten wird, die ebenfalls viel zu hoch ist.

Eugen Rominger
Georgstr. 31
Meßstetten
Bürgerinitiative Eichhalde

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