Reicht die Zeit zur Regeneration?
Im schwäbischen Derby erwartet der HBW Balingen-Weilstetten am Sonntagnachmittag den Altmeister aus Göppingen. In der Hinrunde kassierte das Team von Trainer Dr. Rolf Brack unter dem Hohenstaufen eine bittere 21:22-Niederlage
Im schwäbischen Derby erwartet der HBW Balingen-Weilstetten am Sonntagnachmittag den Altmeister aus Göppingen. In der Hinrunde kassierte das Team von Trainer Dr. Rolf Brack unter dem Hohenstaufen eine bittere 21:22-Niederlage Foto: Eibner.

Balingen, 13.04.2012

Reicht die Zeit zur Regeneration?

Handball-Bundesliga: Nach Kraftakt in Magdeburg dämpft HBW-Coach Brack die Erwartungen

In Magdeburg verpasste der Balinger Handball-Bundesligist die Sensation – und musste am Ende mit einem Punkt zufrieden sein. Zeit zum Lamentieren bleibt nicht: Am Sonntag steigt das schwäbische Derby.

Es ist wie so oft im Leben: Der Blickwinkel entscheidet. Wäh-rend HBW-Coach Rolf Brack nach dem Unentschieden auf der Börde von „einer gefühlten Niederlage“ spricht, war sein Gegenüber Frank Carstens nach einer imposanten Magdeburger Aufholjagd „mit dem Punkt zufrieden“. Was blieb dem Heuberger-Assistenten auch anderes übrig: Mit einem 8:0-Lauf erspielte sich Balingen-Weilstetten einen ebenso komfortablen wie überraschenden 9:2-Vorsprung nach elf Minuten und ging schließlich mit 19:11 in die Pause. Gegen die taktischen Finessen des Sportwissenschaftlers von den Fildern, der konsequent den siebten Feldspieler brachte, fand der Ex-Meister einfach kein Mittel.

„Wir haben heute zwei grundverschiedene Halbzeiten und zwei grundverschiedene Gesichter des SCM gesehen“, analysiert Carstens, „aber mit dem Mut der Verzweiflung haben wir doch noch einen Punkt errungen.“ Der war mehr als glücklich, doch in den letzten fünf Minuten machte sich der Kräfteverschleiß der Schwaben doch deutlich bemerkbar. „Der Substanzverlust war einfach nicht zu kompensieren“, so Brack weiter, nachdem das 26:20 durch Kapitän Wolfgang Strobel in der Schlussphase der letzte HBW-Torerfolg blieb. Es hagelte nun Zeitstrafen gegen die Schwaben, „und dennoch habe ich gehofft, dass wir die Zeit irgendwie runterspielen“, räumt der 58-Jährige unumwunden ein. Doch der Tabellensechste drehte nun richtig auf: Andreas Rojewski und Bartosz Jurecki brachten Magdeburg 45 Sekunden vor dem Ende auf 25:26 heran. Und tatsächlich scheiterte Ösi-Bomber Roland Schlinger bei der letzten Balinger Offensivaktion an Gerrie Eijlers, Strobel handelte sich eine weitere Zeitstrafe ein – und die Bördeländer nutzten den finalen Angriff zum Ausgleich. „Ganz bitter“, urteilte Brack nach dem letzten Wurf, „der durch die Hosenträger von Ziemer ging.“

Lange Zeit zum Grübeln bleibt dem Tabellen-14. nicht. Bereits am Sonntag (17.30 Uhr, SparkassenArena) steigt das Derby gegen Frisch Auf. Der EHF-Cup-Halbfinalist aus Göppingen unterlag am Mittwochabend dem VfL Gummersbach mit 30:39. Der Erfolg unter dem Hohenstaufen war für die Mannschaft von Emir Kurtagic bereits der siebte Sieg im achten Ligaspiel 2012 und macht den Klas-senerhalt mit nun sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge mehr als greifbar für die Oberbergischen. Für die Grün-Weißen hingegen rückt die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb in weite Ferne – erst recht, wenn Göppingen auch in Balingen ohne zählbaren Erfolg bleiben sollte.

Die Grün-Weißen fielen nach der Pause sukzessive zurück, fanden keine Mittel gegen einen engagierten VfL. Der kämpfte bedingungslos um jeden Ball, suchte angeführt von Christoph Schindler den kreativen Weg zum Tor und lag nach dem Treffer von Adrian Pfahl zum 21:16 (33.) erstmals mit fünf Toren vorn. Der Ex-Oßweiler war es auch, welcher zehn Minuten vor Spielende für die Vorentscheidung sorgte: mit dem 32:24. „Die Mannschaft hat ein unglaubliches Engagement gezeigt und absolut verdient gewonnen“, bilanziert Kurtagic zufrieden, während Frisch Auf-Coach Velimir Petkovic hadert: „Wir hatten heute kein Konzept in der Deckung, Torhüter und Abwehrverband waren nicht da und schlecht. Dabei habe ich meine Mannschaft vor dem VfL und deren Erfolgen in den letzten Monaten gewarnt.“

Und jetzt wartet der HBW auf den kriselnden Altmeister. „Die kommen mit Schaum vorm Mund“, prognostiziert Brack, der mit gemischten Gefühlen in das Prestigeduell mit dem Tabellenneunten geht. „Ich weiß nicht, wie unsere Leistungsträger die Belastung aus dem Magdeburg-Spiel wegstecken“, ist der Akademische Oberrat der Universität Stuttgart skeptisch, „vieles wird von der individuellen Zweikampfstärke abhängen. Göppingen ist von den Einzelspielern her deutlich stärker als Magdeburg.“ Dennoch seien zwei Punkte möglich, meint Brack, „dann wäre der Klassenerhalt zu 99 Prozent perfekt.“

Doch der 58-Jährige kennt die Branche nur zu genau – und weiß: „Für beide Mannschaften geht es um unglaublich viel.“ Schon deshalb glaubt Brack nicht, „dass wir eine emotionale Überlegenheit haben.“ Aber vielleicht in der Abwehr, welche mit Rückkehrer Sascha Ilitsch an Stabilität gewonnen hat. „Es war schon eine beeindrucke Leistung von ihm“, lobt Brack, der sich dennoch Sorgen um seine Truppe macht: „Wir haben in Magdeburg 50 Minuten lang eine Topleistung gebracht. Ich weiß nicht, ob wir diese nach der kurzen Regenerationszeit wiederholen können.“

Prestigeduell mit unterschiedlich Vorzeichen

Einen massiven Substanzverlust machte HBW-Trainer Dr. Rolf Brack bei seiner Mannschaft in Magdeburg aus. „Ich habe wenig gewechselt“, erklärt der Sportwissenschaftler, „unsere Leistungsträger mussten fast 60 Minuten durchspielen.“ Gegen Göppingen will der 58-Jährige „mehr wechseln. Wenn wir die Möglichkeiten dazu haben.“

Allrounder Sascha Ilitsch klagte nach seinem Come-back über starke Schmerzen im Knie, „und ist gestern durch das Hotel gehinkt“, verrät Brack, welcher noch eine Regenerationsmaßnahme im Hotelschwimmbad angesetzt hat. Dennoch ist er vor dem schwäbische Derby skeptisch: „Das Spiel in Magdeburg hat uns doch sehr viel Kraft gekostet.“

Altmeister Göppingen hinkt den Erwartungen hinterher – und darf sich keinen weiteren Ausrutscher im Kampf um die internationalen Plätze erlauben. „Ein unglaublich wichtiges Spiel für beide Klubs“, betont Brack, „bei einer Niederlage wird es bei uns wieder eine 50:50-Geschichte mit dem Klassenerhalt. Bei einem Sieg sind wir fast gerettet.

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