10.03.2012

Leserbrief

Bleibt parteipolitisches Spektakel aus?

Zeitzeugen vom Bau der Talgangbahn weilen wohl nicht mehr unter uns. Wie wir historischen Zeitungsausschnitten entnehmen können, würden sie uns bestätigen, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse vor 111 Jahren nicht einfach waren und es angesichts hoher Investitionen eines Reifungsprozesses und am Ende einer mutigen Entscheidung zum Bau der Bahn bedurfte.

Diese Entscheidung war letztendlich mit bestimmend für einen steilen Aufstieg der Gemeinden und kann unter völlig veränderten Rahmenbedingungen in der heutigen Zeit ein zweites Mal ihren Beitrag zu einer Kehrtwende im Talgang leisten. Verdanken wir ihr doch ein schlummerndes Kapital um das uns andere Flächenstädte beneiden und dessen Stellenwert für einen zukunftsfähigen öffentlichen Nahverkehr offenbar zunehmend erkannt wird: eine vorhandene Trasse.

Als Verlängerung der Zollernbahn aus Tübingen und Balingen ist diese Trasse gemäß der eindeutigen Ergebnisse der standardisierten Bewertung und nach einhelliger Ansicht sämtlicher Fachleute, die in letzter Zeit über das Thema Regionalstadtbahn referiert haben, sehr gut dafür geeignet, sechs Albstädter Stadtteile wie die Perlen auf einer Kette miteinander zu verbinden und diese umsteigefrei an die Mittelzentren der Region anzubinden. Mit einem engen Fahrplantakt, modernen Fahrzeugen und den attraktiven naldo-Tarifen für Berufs- und Einkaufspendler wie auch für Schüler, Studenten und Ausflügler interessant, spricht wenig dafür, dass der Erfolg hinter dem der Zollernbahn sowie vieler nach ähnlichem Konzept modernisierter Bahnen zurückbliebe.

Es ist zu begrüßen, dass sich jüngst Albstädter Gemeinderatsmitglieder fraktionsübergreifend in dieser Zeitung aufgeschlossen zeigten gegenüber den Argumenten für eine moderne Stadtbahn. Dies lässt hoffen, dass sich ein parteipolitisches Spektakel wie im Jahr 2002 bei der Diskussion um die Talgangbahn nicht wiederholt. Und wir sachorientierte Kommunalpolitiker erleben werden, die sich um die Vorteile für die Bevölkerungsentwicklung zwischen Ebingen und Onstmettingen, die Immobilienpreise und nicht zuletzt den aufkeimenden Tourismus beherzt für die Akquise der erforderlichen Fördermittel in Millionenhöhe von Bund, Land und Landkreis einsetzen.

Thomas Kern
Wolfsgrubenstr. 18, Tailfingen

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