Balingen/Kiel, 09.03.2012

Am Sonntag zählt nur ein Sieg

Handball-Bundesliga: Balingen-Weilstetten erwartet direkten Konkurrenten

Am Sonntag zählt nur ein Sieg
Nach 2:8 Punkten schwebt der Balinger Handball-Bundesligist wieder in akuter Abstiegsgefahr. Im Heimspiel gegen den Tabellennachbarn HSG Wetzlar visieren die Schwaben die Trendwende an.

Ohne Zweifel: Das Kellerduell am Sonntag (17.30 Uhr, SparkassenArena) birgt Brisanz in sich. Beide Klubs haben seit der EM-Pause erst einmal gewonnen: Wetzlar mit 26:22 beim Tabellenvorletzten Hüttenberg, die Schwaben mit 27:20 über Altmeister Großwallstadt. Auch in den Mittwochsspielen gingen die Tabellennachbarn leer aus. Während der HBW an der Förde mit 21:35 unterging, kassierten die Mittelhessen eine knappe 24:26-Heimniederlage gegen den Tabellenvierten aus Flensburg – obwohl sie 40 Minuten ohne gelernten Spielmacher auskommen mussten. 19 Minuten und 19 Sekunden waren absolviert, als Adnan Harmandic SG-Keeper Mattias Andersson das Spielgerät an den Kopf warf. „Die Schiedsrichter haben mir gesagt, so sind die Regeln“, schüttelte der Bosnier beim Gang in die Kabine ungläubig den Kopf. Seine Hin-ausstellung tat den Grün-Weißen umso mehr weh, da mit Kapitän Timo Salzer ein weiterer Mittelmann wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung ausfiel. Dennoch lieferten die Lahnstädter mit einem starken Ex-Balinger Nikola Marinovic zwischen den Pfosten dem Champions-League-Finalisten von 2004 und 2007 ein Duell auf Augenhöhe. „Es gibt Tage, an denen zählt nur eines“, sagte ein erleichterter SG-Trainer Ljubomir Vranjes, „und das sind zwei Punkte.“

Die visiert der HBW am Sonntagnachmittag an. In Kiel gab es erwartungsgemäß nichts zu holen. „Ich bin froh, dass es nicht das höchste Ergebnis in der Geschichte der Handball-Bundesliga wurde“, erklärte Dr. Rolf Brack. Der Balinger Coach fügte hinzu: „Einen Dank richte ich an Alfred, dass er gewechselt und die Abwehr umgestellt hat, mit der wir offensichtlich nichts anfangen konnten. 20 technische Fehler waren zu viel. Wir sind nicht wie sonst an unserer Torausbeute, sondern an Stockfehlern gescheitert. Das hatte auch nichts mit der Anreise zu tun.“ Die verlief alles andere als optimal. Weil die Schwaben stundenlang auf der A 7 in einer Vollsperrung nach einem Unfall feststeckten und erst von der Polizei via Handy über den Grünstreifen und einen Waldweg nach Kiel gelotst wurden, begann die Begegnung mit einer Stunde Verspätung. Dann aber machte der souveräne Spitzenreiter kurzen Prozess – und bereits nach 16 Minuten war die einseitige Begegnung entschieden: Die Defensivabteilung des Rekordmeisters hatte zu diesem Zeitpunkt acht Minuten keinen Gegentreffer zugelassen und so einen Zwischenspurt von 6:4 auf 12:4 ermöglicht. „Es war schon extrem, vor welche unlösbaren Probleme wir im Pass- und Zusammenspiel gestellt wurden“, analysierte Brack, „glücklicherweise haben wir gegen die 6:0-Deckung gezeigt, dass wir auch ein bisschen Handball spielen können, so dass der Abend nicht zu erbärmlich und peinlich wurde.“

Dennoch plagen den Sportwis-senschaftler von den Fildern Sorgen: „Man sieht, dass bei uns Leistungsträger der Vergangenheit der Form hinterherhinken. Frechheit und Esprit waren heute in der ersten Hälfte nicht zu erkennen.“ Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Schwaben – und verhinderten ein Debakel. „Mit 14 Toren Unterschied haben wir die Niederlage glücklicherweise noch im Rahmen halten können“, bilanzierte Brack, welcher eine sehr schwere (Rest-)Rückrunde prognostizierte: „Nachdem, was wir in der ersten Halbzeit gezeigt haben, hätte ich gesagt, wir sind der todsichere Tipp für den dritten Absteiger. Ich bin froh, dass die zweite Halbzeit vom Selbstvertrauen her klappte und es keinen Knacks gab. Aber einst waren wir sieben Punkte vor Gummersbach, jetzt ist es nur noch einer.“ Die Spannung, die wegen des THW in der Meisterschaft vorne ein bisschen fehle, so der 58-Jährige weiter, „ist hinten da. Das ist der härteste Abstiegskampf aller Zeiten. Es wird eine Mannschaft dran glauben, mit der niemand gerechnet hat.“

Nach den Auswärtssiegen von Gummersbach (34:32 in Lemgo) und Hannover-Burgdorf (31:26 bei Großwallstadt) trennen den Tabellen-16. Bergischer HC und den Elften der Rangliste aus Hannover nur vier Punkte. „Da ist noch lange nichts entschieden“, meinte Brack, „wir müssen gegen Wetzlar gewinnen, sonst bekommen wir große Probleme.“


„Sind froh, dass wir die Reise nicht noch einmal machen müssen“

Mit einer Stunden Verspätung begann das Bundesliga-Spiel in Kiel. Kein Problem für die Protagonisten. „Wir sind froh, dass wir die Reise nicht noch einmal machen müs-sen“, betonte HBW-Coach Rolf Brack, „der Polizeieinsatzleiter in Kiel hat dafür gesorgt, dass unser Busfahrer auch ohne Eskorte den Mut hatte, über den Grünstreifen und durch den Wald am Stau vorbeizufahren.“

Auch THW-Manager Klaus Elwardt war erleichtert: „Sabine Holdorf-Schust und unsere Polizei haben große Arbeit geleistet, um den HBW von der A 7 über Schleichwege hierher zu lotsen und das Spiel durchführen zu können. Es gibt nirgends eine Regel, dass wir hätten spielen müssen. Wir wären also alle unverrichteter Dinge nach Hause gefahren. Das hätte beide Teams viel Geld gekostet.“

Am Wochenende sind beide Klubs in der Liga wieder gefordert: Kiel erwartet Großwallstadt – Balingen-Weilstetten trifft auf Wetzlar. Gestern hatten die Schwaben nach der Rückreise frei. Heute und morgen bereitet Brack sein Team auf das richtungsweisende Heimspiel gegen die HSG vor. In der Hinrunde erkämpfte der HBW an der Lahn einen Zähler (23:23). Diesmal ist ein Punkt zu wenig

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