Geschichtsunterricht hautnah: General a.D. Wolfgang Schneiderhan beantwortete Fragen von Abiturienten nicht nur zum „Kalten Krieg“.

Albstadt-Ebingen, 21.02.2012

Prominenz im Klassenzimmer

General a.D. Schneiderhan informiert am Gymnasium Ebingen über den „Kalten Krieg“

Prominenz im Klassenzimmer
Der bis vor zwei Jahren ranghöchste Bundeswehrangehörige, General a.D. Wolfgang Schneiderhan, besuchte das Gymnasium Ebingen. Er diskutierte mit Schülern des Neigungskurses Geschichte.

Diese machen in wenigen Wochen ihr Abitur, unter anderem über das Thema „Kalter Krieg“. Schneiderhans Besuch geht zurück auf die letztjährige Stauffenberg-Gedenkveranstaltung am 20. Juli in Lautlingen, als Schüler gerade dieses Neigungskurs sich mit der Erinnerungsgeschichte der Gedenkfeiern in Lautlingen befasst haben. Damals war der General, zugleich Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft, so beeindruckt, dass er spontan einen Besuch im Kurs angeboten hatte.

Die Schüler haben sich unter der Leitung ihres Lehrers H. Grupp auf diesen Besuch intensiv vorbereitet. Wolfgang Schneiderhan beantwortete die Fragen bereitwillig, sehr ausführlich und mit einer nicht von allen erwarteten Offenheit. Zentraler Gedanke bei allen seinen Ausführungen war die Frage der Glaubwürdigkeit. Diese spielte in Zeiten des „Kalten Krieges“ innerhalb der Logik der Abschreckung ebenso eine zentrale Rolle wie sie es heute noch tut, wenn man darüber diskutiert, wo sich die Bundeswehr engagieren sollte und müsste. Mit den Taliban könne nur verhandelt werden, wenn man als glaubwürdiger Gesprächspartner erscheint – und auch der Bedrohung eines Atomkriegs könne man nur glaubhaft begegnen, wenn man neben die Rüstung stets das Gespräch, die Entspannung, setzt.

Schneiderhan kritisierte in diesem Zusammenhang die Rüstungsspirale aus dem „Kalten Krieg“ genauso wie einen überhasteten Einsatz der Bundeswehr in aktuellen Krisenregionen, bei dem vorher nicht klar vermittelt wird, dass man sich auf Jahre hin verpflichtet. Er betonte hierbei die Rolle der Prävention von Konflikten und wies die Schüler darauf hin, dass der zeitliche Einsatz der Bundeswehr im Kosovo und Afghanistan inzwischen den Zeitraum des 1. und 2. Weltkriegs zusammen übersteige. Bei den jüngsten Entwicklungen im arabischen Raum betonte er, dass eine Revolution an sich noch nichts Gutes sei, sondern es sich erst hernach entscheide, wie der Prozess weitergehe. Die Bevölkerung müsse ein Mehr an Sicherheit und/oder wirtschaftlicher Entwicklung spüren, um die Veränderung dauerhaft mitzutragen – und dies sei bei Ägypten eben noch nicht klar. Schneiderhan stellte fest, dass es in der westlichen Bevölkerung heute ein größeres Gefühl von Unsicherheit gebe als im „Kalten Krieg“, während dessen man aber in einem ganz anderen Ausmaß wirklich bedroht war in Mitteleuropa.

Neben all den hochinteressanten Einlassungen waren es vor allem die persönlichen Erlebnisse, die den Besuch für die Schüler unvergesslich werden ließen: Ob es nun um die Motivation ging, warum er 1966 in die Bundeswehr eingetreten ist (u.a. weil die Verpflichtung den Weg zu einem eigenen Auto eröffnete), ob es um die anschauliche Erzählung von der Verbrüderung mit tschechischen Soldaten 1990 im Bayrischen Wald ging oder darum, wie einem Kind in Afghanistan die rechte Hand amputiert wurde und er daraufhin eine Patenschaft für dieses Kind übernommen hat – alles, was der General a.D. den Schülern erzählt hat, war authentisch, und in höchstem Maße glaubwürdig. So wurde vereinbart, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium und der Stauffenberg-Gesellschaft intensiviert werden soll.

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Kommentare unserer Leser


Kalter Krieg und Bedrohung

Der Kaltekrieg wurde nur ueberwunden, weil die USA glaubwürdig waren. Sie hatten den Gegner der Freiheit klar gemacht, dass SIE KEINE AUSSICHT auf Erfolg hatten. Und für die Kommunisten war das sehr glaubwürdig! Vor allem, den sovietischen Generale und Marschalen war das sehr glaubwürdig. Und deswegen haben die den Gorby machen lassen! Gespräche hatten zu nichts geführt. Und genau so geht es auch jetzt in Afghanistan. Ohne Festigkeit kann die Freiheit nicht überleben! Siehe Gauck.
von Josef Bujtor am 22.02.2012 03:07:41

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