Beten bei Boss
08.02.2012 von Daniel Seeburger
Die Modebranche findet zum Glauben zurück. Wenigstens in den Outlet-Tempeln in Metzingen soll man künftig nicht nur shoppen, sondern auch beten können. Rico Ergenzinger von der Holy AG, die den Fabrikverkauf in der schwäbischen Modemetropole organisiert, will festgestellt haben, dass Muslime die Umkleidekabinen immer wieder zum Beten nutzen. Das geht natürlich nicht – jetzt sollen Gebetsräume her. Ich finde das gut. Pardon, ich bin Christ und ich freue mich, wenn man seinen Glauben leben kann! Auch beim Hosenkauf. Manchmal verirren sich sogar Katholiken und Protestanten nach Metzingen. Künftig werde ich bei der Shopping-Tour Rosenkränze nicht nur als modische Accessoires kaufen, sondern zum Beten nutzen können. Jesus und Maria lächeln dann vom topmodernen T-Shirt – und vom Meditationsbild in der kleinen christlichen Kapelle, die gleich neben Gucci, Calvin Klein und Diesel zum Verweilen einlädt.
Ausgeträumt! Ich hätte das falsch verstanden, meinte ein Bekannter von mir. Die muslimischen Araber, so habe er gelesen, seien in Metzingen ein kaufkräftiges Klientel. Das sind wir Christen offensichtlich nicht. Denn wir jagen lediglich Schnäppchen. Ich befürchte, ich werde zum Beten weiterhin diskret in die Umkleidekabine bei Hugo Boss verschwinden müssen.
