Eiseskälte sorgt für Ärger
Minustemperaturen stellen Balinger Bürger vor neue Herausforderungen
Balingen, 07.02.2012 von Hannes Mohr
Minus 19,6 Grad Celsius lautete am vergangenen Freitag an der Heselwanger Wetterstation die tiefste, gemessene Temperatur des jungen Februars. „Bisher war jeder Tag im Februar ein sogenannter Eistag“, erklärt Karl-Heinz Jetter, der die Heselwanger Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes betreut. Eistage sind Tage, bei denen das Thermometer nicht über null Grad hinauskommt. Im Schnitt sei bislang im Februar bei Nacht das Thermometer auf minus 16,8 Grad zurückgegangen und am Tag nicht über minus 6,9 Grad hinausgeklettert. „Das sind schon kernige Werte“, meint Jetter. Nur der Februar im Jahr 1986 sei ähnlich frostig gewesen, meint der Wetterbeobachter.
Der Frost sorgt derzeit für jede Menge Autopannen. „Zur Zeit gibt es rund 10 000 Pannen am Tag allein im süddeutschen Raum“, teilt ADAC-Fahrer Jörg Widmann aus Balingen mit. Seit Donnerstag sei er rund um die Uhr unterwegs. Hauptgründe für streikende Autos: Schwache Batterien oder versulzter Diesel. Aus Kostengründen würden Kraftstoffanbieter oftmals an Frostschutzmitteln im Winterdiesel sparen. Während der Kraftstoff in skandinavischen Ländern wohl Temperaturen bis minus 30 Grad standhält, sulzt er in Deutschland offensichtlich bereits bei minus 20 Grad Celsius.
Nicht nur Maschinen macht die Kälte zu schaffen. Auch der Mensch muss sich warm einpacken. Für Obdachlose bietet das Jakobus-Haus der Caritas in Balingen eine Unterkunft. „Wir bieten unabhängig vom Wetter immer Notübernachtung an“, teilt Hausleiter Martin Bantle mit. Auch Hausverbote, die in Vergangenheit gegen Personen ausgesprochen wurden, werden während der kalten Zeit aufgehoben: „Wir weisen bei diesen Temperaturen niemanden ab“, betont Bantle.
Eine weitere Gefahr schlummert unter geschlossenen Eisdecken auf Seen. Sie verlocken zu einem winterlichen Spaziergang über das Eis. Doch gerade der Stausee in Schömberg sowie der Frommerner Schiefersee sind keine stehenden Gewässer. „Durch Grundwassereintritt kann die Eisschicht stellenweise dünn sein“, erklärt Michael Weitzl vom Balinger Ordnungsamt. Das Betreten der Seen sei somit verboten. Über das Wochenende waren allein in Baden-Württemberg drei Menschen in gefrorene Seen eingebrochen. Ein Mann kam dabei ums Leben.
Neben Seen frieren zur Zeit auch gerne Wasserleitungen ein und halten Flaschnereibetriebe auf Trapp. „Wir sind rund um die Uhr unterwegs“, teilt Thomas Welte, Geschäftsführer bei Heima-Welte in Balingen, mit. Sein Tipp: „Zur Zeit sollte man nicht am Heizen sparen.“ Zudem kann es sinnvoll sein, vor dem Zufrieren gefährdete Leitungen tropfen zu lassen.
