Der Platz wird nicht reichen
Steigende Flüchtlingszahlen erfordern eine weitere Unterkunft
Hechingen, 02.02.2012
Die unruhige politische Lage im Nahen und Mittleren Osten hat die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland weiter ansteigen lassen. Bis zum vergangenen November hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 41491 Erstanträge entgegengenommen; im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 37448 Erstanträge– das bedeutet einen Zuwachs um 10,8 Prozent.
Allein im November 2011 gingen 4825 Erstanträge ein – der höchste Monatswert seit Januar 2003.
Entsprechend weiter erhöht hat sich die Zahl der Asylbewerber, die in der Hechinger Gemeinschaftsunterkunft in der Runkellenstraße Unterschlupf fanden. Aktuell leben dort 134 Menschen.
Im ersten Halbjahr 2011 wurden der Zollernstadt 39 Menschen zugewiesen, im zweiten Halbjahr waren es mit 65 nahezu doppelt so viele. Deutlich zugenommen hat dabei die Zahl der Menschen pakistanischer, afghanischer und irakischer Herkunft.
Heute geht der Landkreis davon aus, dass die Unterbringungskapazität in der Runkellenstraße in den nächsten zwei bis drei Monaten ausgeschöpft sein wird – die Zimmer der Gemeinschaftsunterkunft sind bereits alle belegt. Das macht, wie die Landkreisverwaltung vorschlägt, nicht nur eine Verlängerung des Mietverhältnisses erforderlich, sondern darüber hinaus die schnelle Suche nach einer weiteren Unterkunft.
Diese soll ausschließlich der Unterbringung von Familien und Alleinerziehenden dienen. Noch unbeantwortet ist die Frage, ob – und vor allen Dingen wo – der Landkreis schon eine Immobilie im Auge hat.
Von selbst versteht sich indes, dass höhere Personal- und Sachkosten zu erwarten sind. Thematisiert wird das weitere Vorgehen in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Kreistags am kommenden Montag, 6. Februar
Die Herkunftsländer
An erste Stelle der Herkunftsländer rangiert in Baden-Württemberg der Irak –? die Zahl der Flüchtlinge hat sich im Vergleich der Jahre 2010 und 2011 von 689 auf 823 erhöht.
Um sage und schreibe 144,7 Prozent zugenommen hat die Zahl der Pakistaner (2010: 300 ? 2011: 734). Ein Plus von 31,7 Prozent gab es bei den Afghanen (429/565); um 63 Prozent, von 257 auf 419, erhöht hat sich die Zahl der Iraner. Bei den Syrern gab es einen Zuwachs um 21 auf 149 Flüchtlinge (16,4 Prozent)
Aktuelle Unterbringungszahlen in der Runkellenstraße
134 Menschen lebten zum Jahreswechsel in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hechinger Runkellenstraße. Vor genau einem Jahr waren es noch 122.
Die Zahl der in der Zollernstadt untergebrachten Asylbewerber betrug zum 31. Dezember 2011 99, dazu kamen 35 geduldete Ausländer.
Bei einer Kapazität von maximal 190 unterzubringenden Menschen liegt die Auslastung derzeit bei 71 Prozent; vor einem Jahr waren es noch 64 Prozent.
Der Gesamtzugang an Asylbewerbern betrug im vergangenen Jahr 104 (2010: 87). Das entspricht einem Zuwachs von knapp 20 Prozent und übertrifft damit sogar noch die Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Und es wird von einer weiteren Zunahme ausgegangen.
Das macht, prognostiziert der Landkreis, in sehr naher Zukunft die Einrichtung einer weiteren Unterkunft notwendig. Damit soll zugleich die Situation für Familien verbessert werden.
