Leserbrief

Die Waage „Justitia“ scheint in unserem Land defekt zu sein

02.02.2012

Der Themenbereich Vergewaltigung und Missbrauch spielt im gegenwärtigen Bewusstsein unserer Gesellschaft eine enorme Rolle und erhitzt die Gemüter. Zunächst bewegt mich die Frage, warum Frauen oft Hemmungen haben, eine Vergewaltigung anzuzeigen. Einer der Gründe ist sicher die weit verbreitete Reaktion von Polizisten und Juristen: Das Opfer muss peinliche Fragen über sich ergehen lassen, wie wenn es etwa an der Vergewaltigung selbst schuld wäre. Oft spielt dabei die Kleidung der Frau eine Rolle: Man wirft ihr vor, sie sei zu leicht und verführerisch angezogen gewesen. Doch wer einen solchen Vorwurf äußert, stellt sich selber in ein schlechtes Licht. Er gibt damit indirekt zu, dass auch er in einer entsprechenden Situation die Beherrschung verlieren könnte.

Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen: Wer glaubt, er könne die leichte Bekleidung einer vergewaltigten Frau als mildernden Umstand für den Täter geltend machen, diskriminiert Männer insgesamt als potenzielle Triebtäter. Es bleibt festzuhalten: Vergewaltigung ist ein abscheuliches Verbrechen; an dieser Bewertung ändert auch die Kleidung des Opfers nichts. Wir leben schließlich in einem Land, in dem Frauen glücklicherweise nicht gezwungen sind, sich vom Scheitel bis zur Sohle zu verhüllen.

Der zweite Aspekt bezieht sich auf die Erfahrung, dass böse Taten weitere böse Taten, so genannte Sekundärtaten, nach sich ziehen können. Der Dieb findet sehr schnell den Hehler. Geldgierige Mitwisser einer Tat werden leicht zu Erpressern; der sexuelle Missbrauch erzeugt zuweilen eine besonders heimtückische Form der Kriminalität: den Missbrauch des Missbrauchs. Die allgemeine Missbrauchshysterie begünstigt eine derartige Praxis des Denunziantentums, und wenn dabei Hass, böse Fantasie und eine gewisse Schauspielkunst zusammenkommen, lassen sich auch Polizisten und Juristen nur gar zu leicht von der angeblichen Schuld eines Unschuldigen überzeugen. Gut möglich, dass Wetterprophet Kachelmann ein Opfer dieser Art des Missbrauchs geworden ist. Unzählige menschliche Tragödien wurden schon durch böswillige Unterstellungen verursacht, Tragödien, deren Protagonisten sich den unberechtigten Vorwurf der Vergewaltigung oder des Kindesmissbrauchs gefallen lassen mussten. Oft katastrophale Folgen hat solcher Rufmord.

Leider scheint die große Waage, Justitia genannt, in unserem Land etwas defekt zu sein, denn nicht immer folgt auf erlittenes Unrecht der eben beschriebenen Art der erwartete Ausgleich.

Wolfgang Raichle
Taunusstraße 36, Ebingen

LESERBRIEFE

Im Mittelalter angekommen

Gratuliere, nun ist der Jungspund von den Jusos vollends im Mittelalter angelangt. Nostalgie, Triebel? Der olle nostalgische Triebel ist längst tot, es lebe eine moderne elektrische Regio-Stadtbahn!

Was vom Regionalverband und den Kreistagen schon längst begrüßt wird, kann doch nicht schlecht oder gar nostalgisch sein. Sobald die auf die einzelnen Kommunen entfallenden Kosten nach Abzug der 80-Prozent-Förderung des Landes aufgeschlüsselt sind, werden sich alle Gemeinden entlang der Regio-Stadtbahn-Neckar-Alb-Strecken entscheiden müssen. Muss da Albstadt aus dem illustren Kreis von Gemeinden als einzige ausscheren, weil einigen Bürgern Mut und Weitsicht fehlt?

Dann Prost Zukunft und Image! Gut Ding will Weile haben! Man wird sehen! Nachhilfe in Sachen Stadtbahnen erforderlich? Unter anderem in Heilbronn, Freudenstadt, Bad Wildbad usw. zu besichtigen. Wer kennt schon Bauerbach, Menzingen, Dallau, Aglasterhausen, Wieslensdorf usw.? Alle diese Gemeinden und viele anderen haben kräftig „geprotzt“ und sich eine erfolgreich verkehrende S-Bahn zugelegt. Warum soll das ausgerechnet und alleinig in Albstadt nicht gehen?

Verbesserungen des derzeitigen örtlichen Busverkehrs kann man am besten mit den im Gemeinderat vertretenen Parteifreunden besprechen, auf die Stadtbahn müssen wir sowieso noch eine Weile warten.

Und noch eins ins Stammbuch, bitte keine Zahlen fahrlässig nach oben katapultieren, es ist unverantwortlich so Fehlinformationen in die Bevölkerung zu streuen, nur um auf seine eigene egoistische Meinung aufmerksam zu machen, das ist ein ganz mieser Politstil!

Rolf Singer
Schwalbenweg 28, Tailfingen