Beruf und zugleich Berufung

Werner Pichorner im Portrait: Ein bewegtes Leben im Dienste der Kirche und der Menschen

Messstetten-Tieringen, 01.02.2012

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Werner Pichorner kann als Diakon in der evangelischen Kirche auf ein nahezu 45-jähriges Arbeitsleben zurückblicken. Ende Juni geht der Leiter der Tagungsstätte „Haus Bittenhalde“ in den Ruhestand.

Als der rührige und engagierte Christ am 1. Januar 1993 seine Stelle als Leiter der Tagungsstätte „Haus Bittenhalde“ in Tieringen antrat, lagen, in den über 20 Jahren davor, zahlreiche Stationen mit breit gefächerten Tätigkeiten innerhalb der evangelischen Kirche hinter ihm. Ob in der Seelsorge oder in der Jugendarbeit, Werner Pichorner war vielseitig und offensichtlich an allen Wirkungsorten sehr beliebt.

Im österreichischen Bundesland Kärnten 1947 geboren, ging er am Millstätter See auch in die Schule. Seine Eltern hatten einen Kolonialwarenladen und so schien sein beruflicher Werdegang zum Kaufmann wohl vorprogrammiert. Als der junge drahtige Mann 1965 in der österreichischen Heimat sein Abitur ablegte, war er von der Arbeit und dem Glauben seines Onkels, eines evangelischen Pfarrers, so beeindruckt, dass er in der Konsequenz ebenfalls eine kirchliche Laufbahn einschlagen wollte. So begann er noch im gleichen Jahr sein Studium zum Diakon an der evangelischen Missionsschule im württembergischen Unterweissach. Von dort, am Rande des schwäbischen Waldes in der Nähe von Backnang, führte ihn 1969 als frischgebackener Diakon seine erste Stelle nach Mittenwald in Oberbayern. Als rechte Hand des dortigen Pfarrer war er als Gemeindediakon bis 1974 tätig. In der malerischen Landschaft am Fuße des Karwendelgebirges lernte er auch seine Ehefrau Sigrid kennen. Das Paar heiratete 1973.

Bald kam eine neue Berufung nach Stuttgart, in den Stadtteil Botnang. Hier leitete Werner Pichorner von 1974 bis 1984 in verantwortlicher Position den gesamten Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Schließlich bot sich für das Ehepaar, Ehefrau Sigrid war ihrem Beruf als Buchhändlerin tätig, 1983 ein Wechsel in die evangelische Gemeindearbeit nach Italien an. Es folgten zehn interessante und aufregende Jahre.

Zunächst arbeitete Werner Pichorner fünf Jahre in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Mailand, danach fünf Jahre als Dekanatsdiakon in Rom. Im privaten Bereich gab es auch Veränderungen: Die beiden Töchter erblickten das Licht der Welt. Die Pichorners erlernten die italienische Sprache. In der Gemeindearbeit hatte es der Diakon aber hauptsächlich mit deutschsprachigen Mitgliedern zu tun – sei es die Ehefrau des heimgekehrten italienischen Gastarbeiters, der Lehrer an deutschen Schulen oder Botschaftsangehörige. Das Leben konzentrierte sich nicht allein auf den Gottesdienst. Im Mittelpunkt stand auch der Austausch unter den Mitgliedern und da gehörte am Sonntag gleich die gesamte Tagesgestaltung mit Mahlzeit sowie Kaffee und Kuchen dazu.

Die Arbeit im Ausland innerhalb der Kirche ist stets befristet. Schließlich soll eine Familie ja eine Heimat finden, müssen Kinder eingeschult werden. Der Abschied von der Apennin-Halbinsel sei der Familie schwer gefallen, resümiert Werner Pichorner im Gespräch. Vor allem hätte der Verlust von Freundinnen und Spielkameraden den beiden Töchtern sehr weh getan.

Der Weg führte die Familie auf die Schwäbische Alb nach Tieringen. Hier war die Leiterstelle der evangelischen Tagungsstätte „Haus Bittenhalde“ neu zu besetzen. Handeln aus kaufmännischer Sichtweise, arbeiten als Hotelier, Hausverwalter und Personalchef war die eine Seite dieser Position, das ständige Erarbeiten eigener Programme und Bildungsangebote für die Bevölkerung die zweite Herausforderung der zurückliegenden 19 Jahren. Doch damit nicht genug, Werner Pichorner ist mittlerweile Vorsitzender im örtlichen Kirchengemeinderat, arbeitet ehrenamtlich im Besuchsdienst, ebenso in der Hospizarbeit, in der Notfallseelsorge und ist aktives Mitglied im Tieringer Kirchenchor. Seit 2007 ist er außerdem Mitglied der evangelischen Landessynode.

Bei 250 Gruppen mit jährlich nahezu 12 000 Übernachtungen betreut er viele unterschiedliche Menschen, vom kirchlichen Insider bis hin zu weltlichen Gästen, bietet Gesprächsmöglichkeiten, persönlich und in Gruppen. Noch sind es ein paar Monate bis zum Eintritt in den Ruhestand. „Ich möchte dann Zeit haben zum Lesen, für unseren Garten, für die Tieringer Kirchengemeinde, für meine Briefmarkensammlung und erfülle weiterhin mein Amt auf Zeit in der kirchlichen Landessynode“, meint der sympathische Diakon auf die entsprechende Frage froh gelaunt. Das ist ihm zu gönnen, gleichwohl diese Aussichten nicht gerade einen geruhsamen Ruhestand versprechen.

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