Räte schnüren Millionenpaket
Tribünen-Neubau und Lochenbad-Sanierung beginnen endgültig noch dieses Jahr
Balingen, 01.02.2012 von Klaus Irion
Weilstetter, die Pro-Lochenbad-Transparente in die Luft halten, Beifallsbekundungen bei einzelnen Wortbeiträgen: Die gestrige Gemeinderatssitzung in der Stadthalle war keine alltägliche. Was unter Umständen daran lag, dass die Sanierungsbefürworter befürchteten, ihr Anliegen könnte kurz vor dem Ziel doch noch einmal ein weiteres Jahr auf der Strecke bleiben. Einen solchen Antrag hatte die FDP-Fraktion um der Haushaltsdisziplin Willen – „und nicht weil wir gegen die Sanierung des Lochenbads sind“ (Dr. Dietmar Foth) – in den Tagen vor der Sitzung eingebracht.
Es war eine für Balinger Gemeinderatsverhältnisse überraschend lebendige Diskussion, die nur ein einziges Mal ins persönliche abglitt, als Weilstettens Ortsvorsteher Kurt Haigis (SPD) seinem Ratskollegen Dr. Foth indirekt vorwarf, im Jahr 2007 ausschließlich aus OB-Wahlkampf-gründen einen Antrag für die Sanierung des Lochenbads gestellt zu haben. Der FDP-Mann konterte, „dass das mit dem Antrag seine Richtigkeit hatte – eingebracht jedoch nachdem die Oberbürgermeisterwahl bereits gelaufen war“.
In der über einstündigen Debatte ging es im Lager der Befürworter (CDU, SPD, Freie Wähler) überwiegend noch einmal darum, welche (Sport-)Gruppen warum die beiden Großprojekte, die zusammen mit rund acht Millionen Euro zubuche schlagen, dringend benötigen. Beziehungsweise im Lager der Schuldenmahner (FDP, Grüne, Frauenliste) darum, dass man durchaus auch das Lochenbad erst 2014 in Angriff nehmen könnte, wenn die Stadiontribüne gebaut ist. „Oder aber gleich beide noch einmal geschoben werden“, wie Sabine Klaiber (Frauenliste) forderte. Helga Zimmermann-Fütterer wollte schließlich per (gescheitertem) Antrag diese Debatte vorzeitig beendet sehen – „schließlich haben wir nun schon seit Monaten alle Argumente zur Genüge ausgetauscht“.
Nachdem der Antrag von Conny Richter, getrennt über die beiden Projekte abzustimmen, ebenso mit 25 zu 13 Stimmen abgelehnt worden war wie die FDP-Anträge über den zeitlich nacheinander zu erfolgenden Projektbeginn und die Einhaltung einer Kostenobergrenze für das Au-Stadion von 5,1 Millionen Euro, votierten SPD, CDU, Freie Wähler und FDP – mit Ausnahme von Dr. Paul Pick – für das Doppelpaket. Zuvor hatte der Doppelpaketbefürworter, Oberbürgermeister Helmut Reitemann das Gremium noch wissen lassen, „dass unser Schuldenstand nicht dramatisch ist“. Und die Schulden, die in den vergangenen Jahren gemacht worden seien, „sind alle in langfristige Investitionen und nicht in den Konsum geflossen“. Reitemann rechnet mit deren Abbau „in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren“.
Ein kleiner Schritt wurde diesbezüglich bereits getätigt. Der Gemeinderat erlaubt einem künftigen Au-Stadion-Generalunternehmer ausdrücklich, Kosteneinsparungspotenziale zu benennen. „Auch wenn dies im schlechtesten Fall auf Kosten der Schönheit der neuen Tribüne geht“, so Werner Jessen (Freie Wähler).
