Weniger Webber, mehr Oper

Klassik und Moderne bei Phantom der Oper in der ausverkauften Stadthalle

Balingen, 31.01.2012 von Renate Deregowski

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In den prunkvollen Ballsaal und die schaurigen Katakomben nahm am Sonntag das „Phantom der Oper“ die Zuschauer in der Balinger Stadthalle mit. Mit einer opulenten Show begeisterte das Ensemble um Sopranistin Deborah Sasson das Publikum.

So mancher Besucher war zunächst irritiert, dass er nicht die bekannten Hits von Andrew Lloyd Webber zu hören bekam. Denn was auf der Bühne präsentiert wurde, war eine Neubearbeitung von Roland Heck, die sich inhaltlich stärker an die über 100 Jahre alte, literarische Vorlage des französischen Schriftstellers Gaston Leroux anlehnte.

Die Sopranistin las das Buch zum ersten Mal als 16-Jährige. „Es ist eines meiner Lieblingsbücher“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Seither beschäftigte sie sich mit dem Inhalt des Buches. Was Sasson bei anderen Produktionen auffiel, war, dass die Geschichte zwar in der Oper spielt, meist aber Musik aus dem Musicalgenre genutzt wird. Als Verantwortliche für Musik, Buch und künstlerische Koordination war für sie klar, dass Opernmelodien eingebaut werden müssten.

Ihr Kollege Jochen Sautter, der Raoul mimt, berichtete von der fruchtbaren Zusammenarbeit. Während sich Sasson um die Musik kümmerte, war es seine Aufgabe die Texte zu schreiben. Heraus kam dabei eine „musikalische Einheit, bei der viele Themen abgewandelt wiederkehren“, erklärte er. So hörte man neben poppiger, manchmal rockiger Songs auch Opernstücke von Puccini, Pergolesi und Verdi, die allesamt von einem Orchester getragen wurden.

Beim von Michael Scott konzipierten Bühnenbild setzte die Produktion ebenfalls auf den Gegensatz von Klassik und Moderne. Ein Gaze-Vorhang vertiefte die Bühne mit Projektionen zusätzlich. Requisiten, wie ein venezianischer Spiegel in Christines Kammer, eine vier Meter hohe Orgel oder ein Mausoleum, in dem der „Engel der Musik“ (Axel Olzinger) nach seiner Angebetenen rief, illustrierten die Szenen hervorragend.

Zusätzliches Leben und frischen Wind erhielt die Geschichte durch ironisch interpretierte Nebenrollen. Das Duo des tuntigen Operndirektoren Moncharmin (Nils Schwarzenberg) und seines frauenjagenden Kollegen Richard (Franz Frickel) sorgten für so manchen Lacher. Als Diva par excellence ging Rita Anton in ihrer Rolle als Carlotta auf und erheiterte mit ihren überzogenen Honorarforderungen oder Rülpsern statt Gesang bei der Faust-Aufführung.

Für das ansprechende Gesamtpaket erhielt das Ensemble immer wieder Zwischenapplaus und wurde am Ende mit tosendem Beifall belohnt.

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