Keppler sucht das Risiko und geht leer aus
Garmisch-Partenkirchen, 30.01.2012 von Reinhard Linder
Auf der wegen des Neuschnees stark verkürzten Kandahar kam für Keppler bereits nach einer halben Minute das frühe Aus. Der Albstädter wählte bei der Einfahrt in den Eishang eine viel engere Linie als alle anderen Starter und berührte mit der linken Schulter das Tor. Dieser Schlag gegen den Körper war zu stark – er kam aus der Spur. Erst verlor er das Gleichgewicht, dann einen Ski und konnte einen Sturz nicht vermeiden.
„Passiert ist mir nichts, vielleicht ein paar Prellungen“, gab er später im Ziel Entwarnung. Weil er mit der hohen Startnummer 27 bei normaler Fahrweise keine Chance auf eine vordere Platzierung gehabt habe, sei er das Risiko eingegangen und habe bewusst die enge Linie gewählt: „Aber da habe ich einen Schlag zu viel abbekommen.“ Der ARD-Experte Markus Wasmeier kritisierte Kepplers waghalsige Entscheidung. Vor laufender Kamera widersprach der Albstädter dem Olympiasieger: „Wenn ich aufs Stockerl kommen will, muss ich etwas probieren“, deckte er seine Ambitionen auf. Denn von einem Platz auf dem Treppchen war er im Training weit entfernt. Im ersten Lauf über die volle Distanz belegte er Rang 13, im zweiten Lauf wurde er 18. – und blieb damit unter seinen Erwartungen. Auch im Super G werde?er wieder volles Risiko gehen, kündigte er an: „Ich habe ja keine andere Wahl. Ich bin nämlich nicht drei Klassen besser als die anderen.“
Zum Super G kam es nicht. Schon bei der ersten Streckenbesichtigung war kaum das nächste Tor zu erkennen, und es klarte auch über Mittag nicht auf. Deshalb sagte die Jury den Wettbewerb komplett ab.
Möglicherweise war das Rennen vom Samstag die letzte Weltcup-Abfahrt auf der klassischen Kandahar. In Garmisch-Partenkirchen regt sich indes von vielen Seiten Widerstand gegen den Rennbetrieb. Ein Vorwurf ist beispielsweise, dass unter den sportlichen Wettbewerben der Tourismus leide und der Einnahmenverlust des Liftbetreibers nicht entsprechend ausgeglichen werde. Diese feindselige Haltung bekämen tatsächlich die deutschen Rennläufer zu spüren, wenn sie sich in Garmisch auf Rennen vorbereiteten. Dies habe auch Keppler so empfunden: „Wir trainieren hier nur ungern.“
Während die Touristen begeistert seien, einen echten Weltcupfahrer beobachten zu können, seien die Einheimischen dagegen. Allerdings gebe es in Deutschland keine Alternative zu Garmisch, waren sich Keppler und Wasmeier am Ende wieder einig
