Kopf frei für konzentriertes Lernen
Der „KST-ler“ Kai Schulz ist einer von elf Deutschlandstipendiaten an der Hochschule
Albstadt-Ebingen, 26.01.2012 von Dagmar Stuhrmann
Der 33-Jährige studiert Kommunikations- und Softwaretechnik (KST) in Albstadt. Er ist im zweiten Semester und das Studium macht ihm richtig Spaß. „Ich habe mich schon mit vierzehn, fünfzehn Jahren viel mit Computern beschäftigt und in einer PC-Firma ausgeholfen,“ erzählt er. Einen Beruf wollte er damals allerdings noch nicht aus seinem Hobby machen. Das hat sich inzwischen geändert: Nach einer Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann und zwölf Jahren Bundeswehr ist Kai Schulz zu seinem Jugendtraum und in die Software-Welt zurückgekehrt.
Jetzt stehen die Semesterprüfungen unmittelbar bevor und Kai Schulz hat alle Hände voll zu tun. Seine sportlichen Hobbys ruhen bis auf Weiteres. Im Moment gibt es für ihn nur eines: lernen. Das Stipendium eröffnet ihm dabei die Chance, sich ganz auf sein Studium zu konzentrieren. Bekäme er diese Finanzspritze nicht, müsste er sich einen Job suchen, um Geld zu verdienen. Die Zeit, die er fürs Jobben aufbringen müsste, würde ihm aber natürlich bei der Prüfungsvorbereitung und bei der regelmäßigen Nachbereitung der Vorlesungen fehlen. Das Deutschlandstipendium soll den Studenten in dieser Hinsicht den Rücken freihalten. Für die Vergabe spielen vor allem die Studien- und Schulleistungen der Bewerber eine Rolle. Weitere Kriterien sind gesellschaftliches Engagement oder besondere familiäre Verhältnisse. Neben den guten Noten trifft auch Letzteres auf Kai Schulz zu: Er hat mit seiner Partnerin Steffi einen kleinen Sohn. Nico ist achtzehn Monate alt und hält seine Eltern auf Trab. „Aber wir haben den Alltag ganz gut im Griff,“ sagt Kai Schulz. Letzten Endes sei alles nur eine Frage des Managements. Tagsüber ist seine Freundin bei dem Kleinen. Abends, wenn sie arbeitet, ist der Papa für Nico da. „Es ist ganz gut, zwischendurch mal eine Pause machen zu können und mich mit meinem Sohn zu beschäftigen,“ sagt Kai Schulz lachend. „Der Kleine gibt mir viel Kraft und meine Freundin nimmt mir sehr viel Arbeit ab und unterstützt mich so gut wie nur möglich während des Studiums.“
Abgesehen davon, dass das Stipendium ihm einen finanziellen Freiraum verschafft, schätzt er auch die damit verbundenen Kontaktmöglichkeiten zu potenziellen Arbeitgebern. Das Deutschlandstipendium wird zur Hälfte von privaten Förderern getragen, für die der Vorteil darin liegt, dass sie auf diesem Weg frühzeitig qualifizierte Fachkräfte von Morgen kennenlernen und für ihr Unternehmen begeistern können.
Kai Schulz weiß, was er will. Der Altersvorsprung gegenüber seinen in der Regel zehn Jahre jüngeren Kommilitonen ist für ihn kein Problem. Das Mehr an Lebenserfahrung, über das er verfügt, lässt ihn sein Studium ernsthaft und zielgerichtet angehen. Er ist in Onstmettingen aufgewachsen und könnte sich sehr gut vorstellen, auch nach Abschluss seines Studiums weiter in der Region zu bleiben. Auf jeden Fall, sagt er, möchte er nach dem Bachelor noch den Master machen. Der Lerneifer, der sich in Kai Schulz' Plänen zeigt, ist etwas, das alle elf Stipendiaten der ersten Runde gemeinsam haben. Zufall oder nicht: Mit drei Stipendiaten ist die Kommunikations- und Softwaretechnik übrigens Spitzenreiter unter den heimischen Studiengängen.
Halbe-halbe: Private Förderer und Bund finanzieren Stipendien
Nachwuchsförderung: An der Hochschule Albstadt-Sigmaringen wurden zum Start des laufenden Wintersemesters erstmals Deutschlandstipendien vergeben. Ein Auswahlausschuss der Hochschule wählte elf herausragende Studierende aus insgesamt rund 110 Bewerbern aus. Die Stipendiaten erhalten ein Jahr lang 300 Euro pro Monat.
Zweigeteilt: Die eine Hälfte der Fördersumme bringen Unternehmen und Institutionen auf, die andere der Bund. Die aktuellen Förderer sind die Firmen Aesculap, Deutscher Sparkassen Verlag, Dr. Sasse, Holopack Verpackungstechnik, Kern & Sohn, Schwörer Haus und WISAG sowie die Philipp-Matthäus-Hahn-Stiftung, der Rotary Club Sigmaringen und der Verein der Freunde und Förderer der Hochschule.
Neue Runde: Für das erste Förderjahr konnten die vom Bund bewilligten Mittel voll ausgeschöpft werden. Im September 2012 beginnt das zweite Förderjahr mit deutlich mehr Stipendien – eine gute Einstiegschance für weitere Förderer.
