Zollernalbkreis, 22.01.2012

Es steht gut, aber . . .

Aussbildung
Jugendliche haben so gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz wie seit mehreren Jahren nicht mehr - falls ihre schulischen Leistungen stimmen. Die Unternehmen wollen laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auch in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze anbieten.

Walter Herrmann, Leiter des Bereiches Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen, sieht im Gespräch mit der ZAK-Karriere-Redaktion den Trend des Jahres 2011 für 2012 bestätigt: "Der Zollernalbkreis verzeichnete in 2011 einen Zuwachs an Stellenangebote für Auszubildende um fast 9 Prozent, dank der starken Industriestruktur des Kreises und der guten, wirtschaftlichen Lage der Unternehmen". Für dieses Jahr sieht er einen Zuwachs von 5 Prozent - einhergehend mit einer Stagnation der Anzahl der Ausbildungsbewerber. "Der Wettbewerb der Firmen um gute Auszubildende wird heute und in Zukunft härter" so Herrmann.

Was Personalchefs, Ausbildungsleiter und Meister namhafter Unternehmen im Zollernalbkreis gleichwohl unisono kritisieren: das Bildungsniveau nicht weniger Bewerber ist immer noch zu schlecht, um den erhöhten Anforderungen qualifizierter Berufsbilder auch nur zu genügen. Das mag in Baden-Württemberg weniger auffallen, als in Berlin - das Problem besteht gleichwohl deutschlandweit. Auch wenn dies keine Lösung ist, schon gar nicht für Schulabgänger, so stellten sich viele Betriebe im zurückliegenden Jahr zunehmend auf Wissenslücken ihrer Auszubildenden ein: Der Anteil der Betriebe, die Nachhilfe anbieten, sei auf 56 Prozent leicht angestiegen. Es gebe viele Ausbildungsleiter in den Unternehmen, die sich am Freitagnachmittag mit ihren Lehrlingen zusammensetzten, um den Dreisatz nachzuholen, sagte Sybille von Obernitz, Bereichsleiterin beim Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK) der Presseagentur dapd. "Wir sind immer noch dabei, junge Menschen nach Schulabschluss in Deutsch und im Fach Mathematik auf eigene Kosten nachzuschulen", so die fast schon resignierende Aussage eines Handwerksmeister. "Aber diejenigen Auszubildenden, die wir in Bezug auf die gestiegenen Erwartungen sensibilisieren können, setzen sich auf den Hosenboden. Und sie verstehen schon im ersten Lehrjahr: berufliche Bildung bedeutet heute lebenslanges Lernen". Doch das ist eben nur eine Seite der Medaille. Begeistert zeigen sich immer mehr Ausbildungsleiter im Gespräch mit der Redaktion über das Engagement junger Menschen in den Betrieben. Der Wissensdurst sei kaum zu stillen, der gewählte Beruf werde vom ersten Tag an angenommen. Das sei Klasse.

Da beißt die Maus also keinen Faden ab: gute schulische Leistungen sind nach wie vor maßgebende Parameter bei der Einstellung junger Menschen und eine Grundvoraussetzung für Karrierechancen. Die anderen Parameter: Aufgeschlossenheit, Interesse, sich neue Sachgebiete zu erarbeiten und sich mit den gestellten Aufgaben zu identifizieren. Julia-Kathrin Vollmer, Ausbildungsleiterin bei Bizerba in Balingen, nennt noch einen weiteren wichtigen Faktor. "Selbstbewusstes Auftreten, gute Manieren, Zuvorkommenheit und Höflichkeit, so genannte Soft Skills, gewinnen immer mehr an Bedeutung, weil wir im persönlichen Umgang, am Telefon oder bei der E-Mail-Kommunikation, permanent mit Kunden zu tun haben". Innerbetrieblich seien das die Kolleginnen und Kollegen, extern die Geschäftspartner.

Zunehmend stören sich die Unternehmen laut einer DIHK-Umfrage aus dem vergangenen Jahr auch an Erziehungsdefiziten der Bewerber. So mehren sich seit 2006 die Klagen über mangelnde Disziplin, heißt es in der Erhebung, an der über 14.000 Betriebe teilgenommen haben. Rund 48 Prozent der Unternehmen stellten demnach Disziplinprobleme fest, über mangelnde Belastbarkeit beschwerten sich 45 Prozent der Firmen. Dabei gehe es um „Erziehungsprobleme, die sich vor allem die Eltern ins Stammbuch schreiben müssen“, so Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben bei der Vorstellung der Studie 2011.

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