Angeklagter streitet Vorwürfe ab

„Es gab keine Vergewaltigung“ – Gardemädchen bestätigen Anklagepunkte

Geislingen, 19.01.2012 von Rosalinde Conzelmann

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„Dann sind ja Sie vergewaltigt worden?“ – diese provokante Frage des Staatsanwaltes ließ der Angeklagte unbeantwortet. Er bestreitet die Vergewaltigung eines Gardemädchens nach dem Geislinger Umzug.

Zum gestrigen Prozessauftakt vor dem Schöffengericht waren nahezu alle Zuschauerreihen im Gerichtssaal besetzt. Das Opfer, eine heute 21-jährige Frau, trat als Nebenklägerin auf und wurde von einer Zeugenbegleiterin unterstützt. Die zierliche Frau wirkte gefasst, als Staatsanwalt Beiter die ?Anklageschrift verlas. Der heute 26-Jährige, der ebenfalls der Zunft angehört, wird beschuldigt, am 5. März 2010 wenige Stunden nach dem Fasnetsumzug die damals 20-jährige Geislingerin gegen 21 Uhr an einer unübersichtlichen Stelle in der Nähe des Schlossplatzes erst unsittlich berührt, geküsst und danach massiv sexuell bedrängt zu haben. Zudem habe er sie gegen eine Garagenwand gedrückt und ihr den Mund zugehalten. Die junge Frau habe von der „erniedrigenden Handlung“, strafbar als Vergewaltigung, Schwellungen, Kratzer und seelische Wunden davon getragen.

„Das ist so nicht richtig“, schilderte der Angeklagte eine andere Version des Zusammentreffens. Ausführlich schilderte er dem Gericht unter Vorsitz von Ernst Wührl seinen Tagesablauf an jenem Fasnetssamstag. Es habe keine Vergewaltigung gegeben, die 20-Jährige habe ihm an diesem Abend unvermittelt geküsst, angesprochen und verbal angemacht. Die sexuellen Handlungen seien von ihr ausgegangen, sie habe seine Hand dabei geführt. „Ich war total perplex und wusste nicht , wie mir geschah.“ Das Ganze habe nicht einmal eine Minute gedauert. Er gab an, dass er nach dem Vorfall zurück zu seiner Freundin gegangen und die Stunden bis zum Nachhausgehen mit ihr im Gasthaus „Rössle“ verbracht habe. „Ich habe erst von dem Vorwurf der Vergewaltigung erfahren, als bei uns die Polizei um halb zwei klingelte und mich mitnahm“.

Dass er bei der ersten Vernehmung zuerst alles abgestritten hat, begründete der 26-Jährige damit, „dass ich total verängstigt war, ich hätte gleich die Wahrheit sagen sollen“. Am Sonntag habe er mit seiner Freundin, einem befreundeten Paar und seinen Eltern gesprochen und sei dann am Rosenmontag freiwillig zur Kripo gegangen, um „es so zu erzählen, wie es sich abgespielt hat“.

Dem Vorsitzenden Richter fiel auf, dass der 26-Jährige bei seiner zweiten Vernehmung erst das „Mädchen schlecht gemacht und ihren Ruf in Frage stellte“, bevor er Angaben zu dem Geschehen machte. „Das ist sehr merkwürdig.“ Auf Wührls Frage, wie er sich die Verletzungen der jungen Frau erkläre, hatte er keine Antwort. Ebenso auf die Einlassung des Staatsanwaltes, warum er sich nicht zur Wehr gesetzt habe.

Nachdem die Nebenklägerin unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt wurde, hörte das Gericht im Anschluss die Lebensgefährtin des Angeklagten an, die dessen Angaben vom „Rössle“ an bestätigte. Zuerst habe er „auch bei mir abgestritten, dass überhaupt etwas passiert ist, dann aber erzählt, was geschehen ist.“ Sie habe keine Zweifel an dieser Schilderung, meinte die Zeugin.

Als „einer, der gern flirtet, Frauen mag und öfter grapscht“ beschrieben die fünf Freundinnen und Mittänzerinnen des Opfers den Angeklagten, den sie alle flüchtig kannten. Unisono bestätigten die Zeuginnen die gegen den 26-Jährigen erhobenen Vorwürfe in der Anklageschrift. Ihre Freundin habe ihnen noch in der Nacht alles erzählt: „Es machte die Runde in der Garde.“

„Sie hat gesagt, dass ihr etwas ganz Schlimmes passiert ist“, meinte eine Zeugin und brach bei ihren weiteren Schilderungen in Tränen aus. Man habe gesehen, „dass sie große Schmerzen hat“. Sie hätten sie gedrängt zur Polizei zu gehen. Ein Mädchen machte Fotos vom Körper des Opfers, die sie noch auf dem Handy gespeichert hatte und dem Gericht zeigte: „Es sah schlimm aus.“ Nach dem Vorfall habe sich ihre Freundin verändert. Sie habe gemerkt, dass es ihr dreckig gehe. „Sie sagte, dass sie Angst um ihr Leben hatte“, meinte eine Zeugin mit tränenerstickter Stimme.

Weitere Zeugenbefragungen und das Urteil sind für Mittwoch, 25. Januar, vorgesehen.

Angeklagter streitet Vorwürfe ab

Für viele Jungs oder Männer sind Garde/Showtanz-Mädchen offenbar "Freiwild". Übergriffe in Form von, den Mädchen mal an den Po fassen oder einen Klapps geben, gab es schon immer, was für mich schon immer eine überschrittene Grenze des Anstandes ist. Was sich allerdings extremst verändert hat, ist, dass es keine Hemmschwelle mehr gibt.
Diese "jungen"Männer halten sich doch tatsächlich noch für cool und stehen vor ihren Kumpels noch gut da wenn sie solche Aktionen starten.
Meine Schwestern waren schon Gardemädchen, meine Tochter und meine Nichten sind es z.T. heute noch.
Von ihnen allen weiß ich, daß so ein Verhalten tatsächlich an der Tagesordnung ist.
Es gab mal eine Zeit, da wussten die Männer noch wenn sie sich daneben benommen hatten und haben sich im besten Fall entschuldigt.
Müssen Mädchen und Frauen es heute wirklich als normal betrachten, angekrapscht oder sogar vergewaltigt zu werden, weil wir in einer Zeit leben wo es keine Anstands-Regeln und Grenzen mehr gibt?
Meine Eltern haben mir beigebracht RICHTIG VON FALSCH zu unterscheiden und wenn ich einen Fehler mache, auch dafür gerade zu stehen habe.
Vielen Kindern und Jugendlichen wird das heute wohl nicht mehr vermittelt, sonst würden sie sich nicht so unglaublich roh verhalten.
Es würde mich interessieren, ob sich dieser junge Mann und seine Kumpels, mal Gedanken über dieses Mädchen gemacht haben.
Ob sie wohl wissen, daß durch solche Taten ein Mensch kapput gemacht und ein Leben zerstört werden kann?!
Wie ist das Gefühl, sich verantwortlich für so ein großes Leid zu fühlen?
Natürlich gehört auch Charakterstärke und Ehrgefühl dazu zu seinen Fehlern zu stehen!
Diesem Mädchen wünsche ich von ganzem Herzen viel Kraft und dass sie es schafft über dieses schlimme Erlebnis so gut wie möglich hinweg zu komme!


Petra Müller
Petra Marianne Müller am 23.01.2012 14:56:09

Antwort auf Angeklagter streitet Vorwürfe ab

Ich Großen und Ganzen gebe ich Ihnen recht.
Jedoch sollte man auch mal vrsuchen die andere Seite zu sehen.
Die jungen Mädchern finden es doch cool, wenn sie flirten- um vor ihren Freundinnen toll und begehrenswert danzustehen.
Meiner Meinung nach ist nicht nur der inzwischen -für mich viel zu hart- verurteilte allein schuld.
Ich glaube das einfach nicht, denn ich kenne den jungen Mann und glaube einfach nicht an siene alleinige Schuld. Das Mädcen kenn ich nicht, trotzdem soll sie ja am folgenden Tag wider auf der Bühne mitgetanzt haben? so spricht man jedenfalls. Da frage ich mich, ob sie wirklich sooo schwer verletzt gewesen sein kann und auch seelisch damals soo sehr litt? Dann könnte sie niemals, falls es wahr sein wollte, ab Folgetag öffentlich auftreten.
Ich glaube einfach- sie ließ sich durch ihre Mit-Gardemädchen aufstacheln und danach konnte sie nicht mehr anders. Über die Folgen für den jungen, sicherlich nicht ganz unschuldigen Mann, war sie sich nicht im Klaren. Das ist meine persönliche Meinung. Es entschuldigt keinesfalls eine Vergewaltigung, sollte es diese wirklich gegeben haben!
Aber an eine Alleinschuld des Angeklagten glaube ich persönlich einfach nicht!
Ruth Stocker am 29.01.2012 12:19:20
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