Ein „klares“ Jein zum Schulverbund
Frommerner Grund- und Werkrealschule dafür, Realschule dagegen – Stadträte entscheiden Ende Januar
Balingen-Frommern, 13.01.2012 von Klaus Irion
Das Ergebnis war ziemlich eindeutig. Bei 20 Ja- und fünf Nein-Stimmen votierten die Elternbeiräte der Frommerner Grund- und Werkrealschule am vergangenen Mittwoch für einen Schulverbund von Werkrealschule und benachbarter Realschule. Mit ihrem Votum stärkten die Elternvertreter Schulleiter Klaus Flockerzie den Rücken. Er selbst hatte jüngst ein Eckpunkte-Papier zusammengestellt, in dem er einen Schulverbund als Möglichkeit aufzeigt, „gemeinschaftsbildende Werte in den Mittelpunkt des pädagogischen Tuns zu stellen“.
Ebenso so eindeutig, wie die Zustimmung zum Verbund von Seiten der Werkrealschule ist dessen Ablehnung auf Seiten der Realschule. „Für uns steht fest, dass die Werkrealschul-Reform doch noch gar nicht abgeschlossen ist, weitere Feinjustierungen notwendig sind“, sagt Rainer Höger, Elternbeiratsvorsitzender an der Frommerner Realschule. Ohnehin seien von Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer für die Jahre 2014/15 völlig neue Bildungspläne angekündigt worden. Für Höger ein Signal dafür, „dass ein Schulverbund zum jetzigen Zeitpunkt gar keinen Sinn macht“. Die Realschul-Elternschaft hatte sich von Beginn der Diskussion an gegen die Pläne eines Schulverbunds ausgesprochen. Und liegt damit laut Peter Thierer und Sandra Ade-Heiner vom kommissarischen Schulleiter-Team der Realschule auf einer Linie mit der Lehrerschaft und der Schulleitung. „Wir haben eine einheitliche Meinung“, so Ade Heiner.
Zu den Befürwortern eines Schulverbunds zählt dagegen die Elternbeiratsvorsitzende der Grund- und Werkrealschule, Monika Bodmer. „Wir Elternvertreter haben es uns nicht leicht gemacht, haben alle Für und Wider abgewogen.“ Am Ende hätten für die Mehrheit der Eltern die Vorteile überwogen. „Im Mittelpunkt steht dabei die Stärkung gerade auch der schwächeren Schüler“, erläutert Bodmer. Außerdem hätte ein Schulverbund positive Effekte für die Arbeit der Schulassistenten und ermögliche eine einfachere Krankheitsvertretung in der Lehrerschaft.
Ihr Realschul-Pendant Höger sieht dagegen nicht, „dass sich die Chancen der Werkrealschüler durch einem Schulverbund erhöhen“ und befürchtet, dass die jeweilige positive Individualität beider Schulen verloren ginge.
Diese und weitere Pro- und Contra-Argumente haben die Elternbeiratsvorsitzenden beider Schulen jüngst auch in einem gemeinsamen Gespräch mit Bürgermeister Reinhold Schäfer, dem Leiter des Staatlichen Schulamts Albstadt, Gernot Schultheiß, und dem Leiter des Balinger Amts für Familie, Bildung und Vereine, Harry Jenter, erörtert.
Die Fortsetzung der Diskussion erfolgt nun im Balinger Gemeinderat. Das Signal der Stadt an die Werkrealschul-Verantwortlichen, eine offizielle Stellungnahme spätestens am nächsten Montag vorzulegen, lässt darauf schließen, dass sich die Stadträte bereits tags darauf nicht-öffentlich in der Sitzung des Verwaltungsausschusses mit der Thematik befassen. „Öffentlich wird dann in der Gemeinderatssitzung am 31. Januar debattiert“, sagt Amtsleiter Jenter. Das Votum dürfte den Stadträten nicht leicht fallen. Denn die Stadt Balingen und der Gemeinderat haben laut Jenter „in der Vergangenheit eigentlich nie Entscheidungen gefällt, die nicht von der jeweils betroffenen Schule mitgetragen wurden“. Ein solches Vorgehen ist in diesem Fall aber nicht möglich, weil zwei Schulen mit völlig konträren Ansichten betroffen sind.
Worin unterscheidet sich eine Verbundschule von getrennt agierenden Werkreal- und Realschulen?
Schulverbund: Unter diesem Begriff versteht man das Kooperieren zweier fortbestehender Schulen – einer Werkrealschule und einer Realschule – allerdings unter dem Dach einer Schulleitung. Die Schulleitung besteht aus einem Schulleiter und zwei Stellvertretern. Der Rektor wird in der Beamtenbesoldung laut dem Leiter des Albstädter Schulamts, Gernot Schultheiß, von A14 auf A15 hochgestuft. Im konkreten Fall in Frommern würden alle drei Stellen neu ausgeschrieben, wobei sich Amtsinhaber auch bewerben können. Bliebe deren Bewerbung erfolglos, würden sie zumindest „amtsangemessen“ (Schultheiß) eingesetzt. Für die Schüler und Lehrer bedeutet ein Schulverbund, dass Teile des Unterrichts und einige Bereiche des außerunterrichtlichen Schullebens Schulart-übergreifend stattfinden
