11.01.2012

Leserbrief

„Bummelgebühr“ für Langzeitstudenten

Ich freue ich mich über die Resonanz meines ersten Briefes zum Thema Studiengebühren. Zunächst zum Vorwurf, ich hätte schon lange keine Uni mehr von innen gesehen. Ich bin sehr häufig in Tübingen und besuche fast regelmäßig meine früheren Studienorte, wie zum Beispiel die Hörsäle im Kupferbau. Als ich mich im Herbst 2011 dort in eine Anfängervorlesung für Jurastudenten begab, traute ich weder meinen Augen noch meinen Ohren. Ich kam mir vor wie in einem Kindergarten für Erwachsene. Ich saß in der hintersten Reihe und konnte somit den gesamten Saal überblicken. Was ich dort erlebt habe kann ich am besten so beschreiben: „Papierflugzeuge basteln und fliegen lassen für Erstsemestrige“. Über mehrere Sitzreihen hinweg wurde laut gesprochen und gelacht und dabei ließen die Studenten ihre während der Vorlesung gebastelten Flieger losfliegen. Das ist kein Verhalten einem Professor gegenüber. Es mangelt bei vielen am Vorhandensein sozialer Kompetenzen.

Die beiden Damen schreiben, die ewigen Studenten seien eine aussterbende Spezies. Da widerspreche ich Ihnen anhand von Fakten: Von den Studenten, die im Jahr 2000 mit einem Studium begonnen haben, hatte 2009 fast jeder vierte noch keinen Abschluss (24 Prozent). Das heißt also, dass jeder vierte nach 18 Semestern noch keinen Abschluss vorweisen konnte. Von den Anfängern des Jahres 1997 waren 2009 noch 29 Prozent nach 24 Semestern nicht fertig. Die Spezies der „ewigen Studenten“ ist anhand dieser Zahlen also noch lange nicht ausgestorben. Mit dem Abitur in der Tasche hat man zwar eine Hochschulzugangsberechtigung, da stimme ich Ihnen zu. Aber die Studierfähigkeit ist im Abiturzeugnis nicht eingeschlossen. Also zwischen Studienberechtigung und Studierfähigkeit besteht ein großer Unterschied. Oder wie erklären Sie sich die hohen Durchfallquoten in den Anfängerklausuren in Mathe?

Aufgrund dieser Fakten bleibe ich bei meiner Forderung, auch in Zukunft „Bummelgebühren“ nach Ablauf der Regelstudienzeit zu verlangen. Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass die Ankündigung der Herren Kretschmann und Schmid, die Studiengebühren abzuschaffen, nur dazu diente, Wählerstimmen für die Landtagswahl zu gewinnen.

Gerhard Müller
Siemensstraße 24, Balingen

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