Balingen/Hechingen, 10.01.2012

Richter und Staatsanwalt tüfteln am Zellengeflüster

„Mühlengeist“–Prozess: Ehemalige Mitarbeiterinnen charakterisieren ihren Chef – Belastungszeuge noch mehr im Zwielicht

Sex mit dem Chef - davon wusste zumindest die gestern Vormittag gehörte Zeugin im Balinger „Mühlengeist“-Prozess nichts. Sehr zur Verwunderung desselben auf der Anklagebank.

Mit dieser nicht unbedingt entscheidenden, aber doch bemerkenswerten Petitesse startete der auf 36 Verhandlungstage anberaumte Brandstiftungsprozess gegen die beiden Gastronomenbrüder gestern ins neue Jahr. Immerhin hatte der wegen Brandstiftung und mehrfachen Betrugs angeklagte „Mühlengeist“-Wirt zum Prozessauftakt gehörig geprahlt mit zahlreichen sexuellen Beziehungen. So dass sich für den Vorsitzenden Richter Herbert Anderer tatsächlich auch die Frage stellte, ob nicht etwa einer jener gehörnten Ehemänner aus Rache, oder gar eine enttäuschte Geliebte im August 2010 das Balinger Ausflugslokal in Brand gesteckt haben könnte.

Dagegen spricht nach Auffassung der ermittelnden Behörden allerdings vor allem auch die Aussage eines Mithäftlings, dem gegenüber sich der seit Mai 2011 in Untersuchungshaft sitzende Gastronom offenbart haben soll.

Die beeindruckende Detailkenntnis sei es, die Ermittler und Gericht nur wenig zweifeln lassen – Richter Anderer: „Woher soll Ihr Zellengenosse diese haben, wenn nicht von Ihnen?“ Mehrfach versuchten Gericht und Staatsanwaltschaft deshalb gestern gemeinsam mit dem Angeklagten das Zellengeflüster zu rekonstruieren. Keine leichte Aufgabe, hätten sich doch die allabendlichen Gespräche, in denen sich die Zellengenossen mehr oder minder anvertrauten, über fast zwei Wochen hingezogen. In Gedankenspielchen hätten sie sich mit den Geschehnissen jener Brandnacht befasst - rein theoretisch, betont der Gastronom. Er habe sich mehrfach gegen entsprechende Rollenspielchen verwahrt, „weil ich nicht will, dass mein Name mit dieser Brandstiftung in Verbindung gebracht wird“.

Diese leugnete er auch am gestrigen Verhandlungstag, während er bereits in der Untersuchungshaft „die getürkten Porsche-Unfälle, diverse Versicherungsbetrügereien und die krummen Geschäfte im C & C-Markt“ einräumte.

Der seinem Zellengenossen diktierte Brief könnte schließlich den Gastronomen überführen – wenn nicht auch im Laufe der Verhandlung an der Glaubwürdigkeit jenes Briefschreibers gezweifelt werden müsste. Zumal, wie sich aus einem Halbsatz in gestriger Verhandlung ergab, jener ominöse Zellenkumpan in einem ganz anderen Verfahren einen dritten Knastbruder „an den Galgen liefern möchte“.

In Zweifel indes zog eine als Zeugin gehörte Servicekraft des „Mühlengeistes“ die Aussagen ihres Arbeitgebers: „Wir hatten keinen Sex“. Auch auf wiederholtes Fragen des Richters blieb die Frau dabei, obgleich der Gastronom „eine andere Wahrnehmung jener Begegnung“ gehabt habe. Sie erkläre sich dies mit seiner Persönlichkeitsstruktur: „Nicht der Hellste, aber großkotzig mit strahlendem Auftritt.“ Eine Kollegin im Zeugenstand ergänzte gestern: „Ein erfolgreicher Charmeur“. Doch gelte dies nur bei Frauen. Für ihren Mann sei er eher ein Schwätzer gewesen.

Eine dritte Zeugin zog es gestern Nachmittag vor, ihre einschlägigen Erlebnisse mit dem Angeklagten „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ vor dem Gericht auszubreiten.

Fortsetzung der Verhandlung ist für kommenden Donnerstag, 8.30 Uhr im Landgericht Hechingen vorgesehen.

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Recht.

Kommentare unserer Leser


Nun ja

Man sei gespannt was da noch alles zu Tage kommt....
von Rüdiger Maier am 10.01.2012 20:42:12

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