Rundumschlag ohne Schnörkel

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei Neujahrssitzung des Kreistags in Albstadt

Albstadt-Ebingen, 10.01.2012 von Dagmar Stuhrmann

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Die Polit-Prominenz traf sich gestern in Albstadt: Der Landkreis hatte zur „Neujahrssitzung“ eingeladen. Höhepunkt war die mit Spannung erwartete Rede von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Der Neujahrsempfang des Kreistags ist für viele ein gern wahrgenommener Termin zum Jahresauftakt. So konnte Landrat Günther-Martin Pauli in der voll besetzten Albstädter Festhalle unter anderem Abgeordnete und ehemalige Abgeordnete, (Ober)-Bürgermeister, kommunale Mandatsträger, Vertreter von Behörden, Ämtern und Institutionen begrüßen. Die konjunkturellen Entwicklungen im vergangenen Jahr und die Prognosen für 2012, so Pauli, geben Anlass für Zuversicht: „Der Zollernalbkreis ist ein starkes Stück Baden-Württemberg“. Wertschöpfung und Kaufkraft wachsen. Der jüngste Kaufkraftatlas bescheinigt Albstadt, Balingen und Hechingen gar einen Vorsprung vor Reutlingen und Tübingen. Auch in Sachen Bildung ist der Kreis vorbildlich: Von 144 Landkreisen wurde er im Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung auf Rang 17 platziert.

Dass Pauli einen Schwerpunkt auf das Thema Energieeinsparung legte, dürfte Ministerpräsident Winfried Kretschmann gern gehört haben. Seit vielen Jahren investiere der Kreis wie auch die Städte und Gemeinden in eine umweltfreundliche Energiepolitik. Kein anderer Landkreis in Baden-Württemberg erzeuge mit seiner Forstverwaltung so viel Energieholz wie der Zollernalbkreis. Am Beispiel Textilbetonbrücke zeigte Pauli obendrein die Vorreiterrolle Albstadts auf, was innovatives Bauen angeht.

An den Schluss seiner Begrüßung setzte der Landrat ein salopp formuliertes Angebot an Kretschmann, mit dem er die Stärken seines Kreises zusammenfasste: „Wir drängen unsere Ratschläge und Erfahrungswerte nicht auf, aber können sie mit gutem Gewissen empfehlen.“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann traf mit gut zwanzig Minuten Verspätung in der Albstädter Festhalle ein. Ob's an der schlechten Verkehrsanbindung lag oder daran, dass er zu spät losgefahren sei, wollte Kretschmann schmunzelnd „dahingestellt lassen“. Bevor er sich seinem Manuskript widmete, nutzte er die Chance für eine persönliche Bemerkung. Die Albstädter Premiumwanderwege haben es dem 63-Jährigen angetan. „Ich habe damit begonnen, die Traufgänge mit meiner Frau zu erkunden,“ erzählte er und lobte als „alter Wanderer“ die „bestens ausgeschilderten, super Strecken“.

Im folgenden fasste er den Bogen weit und redete dabei Klartext. Seine Themen: Verkehr, Energiewende, Umweltschutz, Bildung. Sehr präzise und schnörkellos listete er seine politischen Ziele auf. Im Zollernalbkreis lasse es sich gut leben und arbeiten, knüpfte er an Paulis Worte an: „Wir wollen unser Möglichstes tun, damit das auch so bleibt.“ Was Verkehrsprojekte angeht, fordert Kretschmann Realismus und intelligente Konzepte, die alle Fortbewegungsmöglichkeiten einschließen. „Grünen Produktlinien“ mit weniger Energie- und Ressourcenverbrauch sagt er eine gute Zukunft voraus und setzt dabei vor allem auf die mittelständischen Unternehmen mit Visionen. Im „magischen Dreieck“ von Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus sieht er das Potenzial für eine zukunftsfähige Dynamik. Der ländliche Raum müsse attraktiv bleiben. Die dort verstärkt vorhandene Bereitschaft der Menschen, sich einzubringen, nennt Kretschmann ein „echtes Pfund“. Für die Bereiche abseits der großen Ballungsräume gehe es darum, die eigenen „Stärken zu stärken“ und nicht den vergeblichen Versuch zu machen, die Schwächen gegenüber anderen ausgleichen zu wollen.

Klare Worte fand Kretschmann auch mit Blick auf die Aufgabe der grün-roten Landesregierung, in den nächsten Jahren den Haushalt zu sanieren. „350 Millionen können nicht eingespart werden, ohne dass es jemand merkt und auch nicht ohne dass es jemanden schmerzt.“ Nicht beschönigend äußerte sich Kretschmann auch zur Bundeswehrreform: Es sei klar gewesen, dass es bei einer solch massiven Reduzierung der Dienstposten zu Standortschließungen kommen musste. Mit Blick auf Meßstetten sagte er, er wolle sich für das Zustandekommen eines Doppelstandorts einsetzen.

Zollernalbkreis: Positive Entwicklung in Zahlen

Die Verschuldung pro Einwohner liegt im Zollernalbkreis laut Landrat Pauli bei 77 Euro. Im Durchschnitt der Landkreise sind es 169 Euro.

Die Arbeitslosenquote war im vierten Quartal 2011 im Zollernalbkreis mit 3,7 Prozent so niedrig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr.

Das Einkommen pro Kopf liegt „konstant über dem Landesdurchschnitt“ und beträgt etwa 16 380 Euro pro Kopf (Landesdurchschnitt 15 370).

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