Alter Harzer wird 200 Jahre alt

Schömberger Narrenzunft erwartet zu ihrem Narrentag am 5. Februar 3000 Hästräger im Städtle

Schömberg, 10.01.2012 von Rosalinde Conzelmann

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Zu Ehren des Alten Harzer, der dieses Jahr 200 Jahre alt ist, veranstaltet die Narrenzunft Schömberg im 90. Jahr ihres Bestehens Narrentage. Höhepunkt ist der Umzug am 5. Februar mit 3000 Hästrägern.

200 Jahre Alter Harzer, 90 Jahre Narrenzunft: Diese beiden runden Geburtstage will die Zunft bei ihren ersten närrischen Narrentagen am 4. und 5. Februar in einem würdigen Rahmen feiern. Die Vorbereitungen sind bereits vor zwei Jahren angelaufen. Der Narrenrat hat die Aufgaben koordiniert und Ausschüsse gebildet.

Am Samstag, 4. Februar, werden rund 1 400 Narren im Städtle erwartet, die in den örtlichen Wirtschaften, in Besenwirtschaften und in der „Stauseehalle“ gemeinsam feiern. „An diesem Abend bleiben die Narren aus 21 Zünften und Vereinigungen unter sich, es soll ein Fest für und mit Hästrägern werden“, betont Schömbergs Zunftmeister Bernhard Wuhrer. „Fasnet ist kein Showevent, sondern gewachsene Tradition“, schiebt er noch nach.

Dem Gastgeber war es wichtig, „dass alle Zünfte vom Oberen Schlichemtal kommen.“ Außerdem wurden elf Zünfte eingeladen, die auf eine lange Tradition verweisen können und so wie die Schömberger seit Jahrzehnten eine Städtle- und Dorffasnet feiern. „Es kommen auch Vereinigungen, die noch nie da waren“, ergänzt Schriftführer Rolf Schwenk. Am Samstag gibt es Brauchtumsvorführungen auf dem Marktplatz, einen Nachtumzug und abends in der „Stauseehalle“ ein buntes Programm.

Am Sonntag, 5. Februar, beginnt der eigentliche Schömberger Narrentag um 9 Uhr mit einer Narrenmesse in der Stadtkirche, die Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt dem närrischen Anlass entsprechend zelebrieren wird. Die Zwanziger werden ministrieren und die Narren erscheinen im Häs. Nach einem närrischen Frühschoppen in der „Stauseehalle“ gibt es um 11 Uhr auf dem Marktplatz Brauchtumsvorführungen aus den Reihen der Gastzünfte. „Die Schömberger werden einen Reigen, das ist eine verkürzte Polonaise', zeigen“, informiert Armin Müller vom Öffentlichkeitsausschuss. Müller freut sich schon auf den Hanseltanz der Narrenzunft Grünwinkel 1858 Geislingen und auf den Butzentanz der Röllelibutzen Altstätten, die aus der Schweiz anreisen werden.

Um 13.30 Uhr startet der Narrenwurm, der von zahlreichen Musikanten und Guggamusikern begleitet wird, am Gasthaus „Plettenberg“ und zieht über die Schweizerstraße zum Marktplatz. Die Strecke führt danach über die alte Hauptstraße zur „Stauseehalle“, wo bewirtet wird. „Die Strecke beträgt rund 1500 Meter“, sagt Müller. „Es soll für die Zuschauer überschaubar bleiben.“ Im Rathaus wird das Festbüro eingerichtet.

Die Gastgeber werden am Festwochenende von den anderen örtlichen Vereinen unterstützt. Die Feuerwehr beispielsweise kümmert sich um die Absperrungen der Parkplätze in den Wohngebieten, von denen genügend zur Verfügung stehen, wie der Zunftmeister versichert. Das Rote Kreuz richtet für die närrischen Gäste ein Massenlager ein.


Der Alte Harzer ist das älteste vorhandene Fasnetshäs in Schömberg

Der Alte Harzer trägt auf dem Rücken die Jahreszahl 1812, die Fasnet in Schömberg muss jedoch weitaus älter sein, aber leider nicht belegbar. Um das Häs des „Alten Harzer“ ranken viele Geschichten. Der Name soll auf eine in Schömberg ansässige Familie Härtz oder Hartz zurückzuführen sein, der 1381 erstmals erscheint. 1632 erscheint der Name nicht mehr, sondern Zainer. Es wird angenommen, dass ein Zainer eine Hartzerin geheiratet hatte.

Im Jahre 1812 soll ein Harzerhäs hinter einem begehbaren Kamin im Zainerhaus gefunden worden sein. Das Kostüm stellte für die damalige Zeit eine Kostbarkeit dar. Die Bevölkerung stand unter den Auswirkungen der napoleonischen Kriege, und der Besitzer konnte nicht sicher sein, dass ein „Liebhaber“ aus der Besatzungsarmee sich seines Gutes bemächtigen würde. Zudem duldete die Besatzungsarmee in den Kriegsjahren keine Vermummung und der Besitz einer solchen hätte sicherlich unangenehme Folgen nach sich gezogen. Also blieb nur das Versteck.

Laut mündlicher Überlieferung wurde in Anlehnung an dieses Kleidle ein neues Fasnetshäs angefertigt und mit der Jahreszahl 1812 versehen. Der damalige Besitzer war ein Ambrosius Mager, der kinderlos starb und den Harzer an Karl Zainer vererbte. Karl Zainer blieb ledig und vererbte es an Matthäus Schmidberger. Mitte der 1920er- Jahre verkaufte es Matthäus Schmidberger an Eugen Vogel (s´ Schneider Eugenle). Dieser zog später weg nach Blieskastel ins Saargebiet und verkaufte das Häs zusammen mit einem Blätzle an Eugen Bertsch, den Vater des jetzigen Besitzer Hermann Bertsch.

Um das alte Harzerhäs so lange wie möglich zu erhalten, hat man schon 1948 einen neuen Harzer angefertigt. Mittlerweise gibt es mehrere Harzer, die die Narrenzunft genehmigt hat. Am Fasnetsdienstag dürfen aber nur der Alte Harzer oder der „1948er“ mitlaufen.

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