Leserbrief

Weder Charakter noch Format

07.01.2012

Es ist eine Schande, dass der ranghöchste Politiker in unserem Land ein regelrechtes „Amigo-Verhalten“ an den Tag legt. Ein Mann, dessen Einkommen als Ministerpräsident sich im fünfstelligen Bereich/Monat bewegte, benötigt einen Privatkredit einer „befreundeten“ Unternehmersgattin??? Da kann ich nur sagen: Ade, Integrität! Genauso verwerflich ist in meinen Augen das Verhalten beziehungsweise die Geschäftspolitik der LB-BW. Einer Bank, die ja ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut ist. Diese Bank räumt einem Politiker ein Darlehen, zu einem - vorsichtig ausgedrückt - eher „symbolischen“ Zinssatz von 0,9 Prozent ein. Die Stellungnahme der LB, in welcher mitgeteilt wird, dieser Zinssatz werde „besonderen Kunden“ eingeräumt, ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen Häuslebesitzer, die sich ein Leben lang abbuckeln, um das Häuschen, welches natürlich zu erheblich höheren Zinssätzen finanziert wurde, abzuzahlen.

Ich stelle somit fest, dass man in Deutschland als „Berufspolitiker“ nicht nur ein ansehnliches Gehalt (das selbstredend vom Steuerzahler finanziert wird) einstreicht. Nein, als „Sahne-Häubchen“ zahlt man für einen Kredit einer Landesbank(!) in Höhe von 500 000 Euro schlappe 375 Euro im Monat, während der Otto-Normalverbraucher für die gleiche Summe (verzinst mit 4,5 Prozent) 1875, Euro monatlich berappen müsste. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt !

Alles in allem komme ich mir mittlerweile vor, als würde ich in einer „Bananen-Republik“ leben, in welcher der oberste „Mann im Staat“ weder Charakter, Format, noch Rechtschaffenheit und Anstand besitzt.

Deswegen, sehr geehrter Herr Wulff: Nicht alles was rechtlich legal ist, ist auch moralisch einwandfrei. Ich für meinen Teil muss leider feststellen, dass Sie wohl, nach ihrem Amtsantritt als Ministerpräsident, bereits damals ihren Anstand an der Tür des Landtags abgegeben haben.

Es grüßt Sie freundlich ihre „Normal-Zins“ zahlende Mitbürgerin

Christiane Trieb,
Wilhelmstr. 12, Bitz