Bodmer steigt vorerst aus
Wintersport: Pascal Bodmer zieht Konsequenzen aus der verpatzten Tournee
Messstetten, 03.01.2012 von Reinhard Linder
„Das war überhaupt nichts“, musste sich Bodmer eingestehen, der vor zwei Jahren die Tournee als Gesamtsiebter abgeschlossen hatte. Wie schon beim Auftakt in Oberstdorf gelang ihm am letzten Tag des alten Jahres nicht ein einziger Sprung, weder im Training noch in der Qualifikation, in der er zwei Versuche hatte. Weil die Anlaufspur vereiste, wurde der Wettbewerb abgebrochen, die ersten 18 Springer, zu denen auch der Heuberger gehörte, durften noch einmal nach oben. Beim ersten Versuch war Bodmer bei 101 Metern gelandet, seine Gestik drückte Ratlosigkeit aus. Im zweiten Anlauf kam er zwar auf 109,5 Meter, landete aber trotzdem auf dem fünftletzten Platz. „Schon der Anlauf hat nicht gepasst, der Übergang auch nicht, und dann kann der Flug erst recht nicht funktionieren“, lautete sein Kommentar.
Bei der kleinen Silvesterparty am Abend setzte er sich mit dem Trainerstab zusammen und trug seinen Wunsch vor, vorerst aus dem Weltcup auszusteigen und sich im Continental-Cup zu versuchen. „Da ist der Anlauf etwas länger und ich habe eher die Chance ins Fliegen zu kommen“, verspricht er sich von diesem Schritt ein Ende der Talfahrt.
Diese hatte im März vergangenen Jahres bei seinem schweren Sturz auf der Skiflugschanze in Planica begonnen. Nach einer Schulteroperation konnte er zwar relativ früh wieder ins Training einsteigen, doch beim Sommer-Grand-Prix in Polen hatte er erneut ein Schockerlebnis, als er völlig verdreht vom Schanzentisch abhob und nur mit großem Glück einen weiteren Horrorsturz vermeiden konnte. Seither habe er den Kopf nicht mehr frei, gibt Bodmer zu. Die Blockade habe sich auch bei den Lehrgängen mit der Nationalmannschaft nicht wirklich gelöst, ein weiteres Problem seien die wenigen Trainingstage auf Schnee gewesen: „Momentan muss ich mich langsam an eine Schanze herantasten. Ich brauche viele Sprünge, um die Sicherheit zu bekommen.“
Dass er kurz vor Weihnachten in Engelberg in den Weltcup eingestiegen ist und sich an der Tournee versucht hat, sei im Nachhin-ein betrachtet vielleicht ein Fehler gewesen. „Aber ich habe alles probiert, und es hätte auch gut ausgehen können. Dass es sehr schwer wird, war mir klar“, verteidigt er seine Entscheidung.
Noch am Sonntagabend fuhr der Sportsoldat, der morgen seinen 21. Geburtstag feiert, gemeinsam mit Martin Schmitt von Garmisch-Partenkirchen zurück nach Freiburg. Gestern stand Krafttraining auf dem Programm, heute und morgen wollen beide in Hinterzarten einige Trainingssprünge absolvieren. Am Freitag fährt Bodmer nach Kranj zu seinem ersten CoC-Wettkampf seit drei Jahren, eine Woche später startet er in Neustadt. „Dann wird man sehen, wie es in dieser Saison weitergeht“, sagt der Blondschopf.
Sollte sich seine Blockade lösen und die Angst verschwinden, sei eine Rückkehr in den Weltcup zum Ende der Saison nicht ausgeschlossen, andernfalls müsse er auf noch kleinere Schanzen ausweichen und solange trainieren, bis wieder alles passe. So sei es mit den Trainern abgesprochen worden, „wir denken, das ist die richtige Lösung.
Continental-Cup soll die alte Form zurückbringen
Der Continental-Cup (CoC) ist die dem Weltcup nachgeordnete Wettkampfserie der Skispringer. In ihm tummeln sich vor allem Talente, aber auch arrivierte Athleten nutzen ihn, um wieder in Form zu kommen. Nach seiner Verletzung will Pascal Bodmer dort endlich seine Blockade lösen.
Bestes Beispiel für die positive Wirkung des Continental-Cups ist Bodmers Nationalmannschaftskamerad Stephan Hocke, der im Jahr 2008 gestärkt aus dem Continental-Cup in den Weltcup zurückgekehrt war. Dort belegte Hocke dann konstant Plätze unter den besten 20 Springern.
Für Bodmer beginnt der CoC am Wochenende im slowenischen Kranj mit einem Doppelwettkampf, die Saison endet am 11. März im finnischen Kuopio, dazwischen liegen insgesamt 19 Springen auf Normal- und Großschanzen in Deutschland, Japan, Österreich, Norwegen, Polen und Italien.
