Konkrete Pläne für neue Volksbank

Balinger Voba-Chef Edgar Luippold: „Verschmelzung mit Rottweil aus der Stärke heraus“

Balingen, 23.12.2011 von Karl-Otto Müller

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Die Volksbanken Balingen und Rottweil streben zum 1. Januar 2013 die Verschmelzung beider Häuser an. In dieser Woche wurden Mitarbeiter und Vertreter beider Geldinstitute über die Pläne informiert.

Seit gut einem Jahr sei man miteinander im Gespräch. „Gute Gespräche“ schwärmen die Beteiligten auf beiden Seiten.

Schließlich handle man aus der Stärke heraus. Ohne wirtschaftliche Not, betonten die Vorstandssprecher Edgar Luippold und Henry Rauner. „Zwei gesunde Häuser“ fänden hier den Weg zueinander, deshalb sei nur folgerichtig, dass daraus eine „kerngesunde Bank“ entstünde. Mit einem Bilanzvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro, große genug, um heutigen Anforderungen zu bestehen. Dies nämlich sei einer der Gründe, so legten die Vorstandsmitglieder im Pressegespräch Anfang der Woche dar, weshalb solche Verschmelzungen geboten wären. Im Zuge der Bankenkrise seien auch für die Volksbanken und Sparkassen – „obgleich diese die Krise nicht verursacht haben“ – die Spielregeln und das innere Controlling deutlich verschärft worden. „Beispielsweise müsste jetzt quasi jedes Institut seinen eigenen Anwalt beschäftigen“, erläutert der Rottweiler Vorstand Henry Rauner.

Diesen vom Gesetzgeber diktierten zusätzlichen Aufwendungen möchte man mit Synergien in beiden Häusern begegnen. Veränderungen dürfte es mit der Verschmelzung vor allem im Verwaltungsbereich geben, keinesfalls aber in der Kundennähe. Zeichneten sich doch beide Geldinstitute gerade auch durch ihre hohe Kundennähe aus, durch ein dichtes Filialnetz, das auch mit der neuen Bank bestehen bleiben würde.

In vielerlei Hinsicht seien sich Bankvorstände, aber auch Aufsichtsräte in gut einjährigen Gesprächen einig geworden – der Grund liege mitunter in der überaus ähnlichen Struktur beider Genossenschaften: ähnliche Bilanzhöhe, ähnliche Kunden- und Mitgliederzahlen, ähnliche Cost-Income-Ratio, sprich Kosten-Nutzen-Verhältnis.

In einer Verschmelzung beider Häuser sieht Balingens Voba-Chef Edgar Luippold vor allem auch eine deutliche verbesserte Positionierung in einem immer schärfer werdenden Wettbewerb – zum einen im Kundenbereich, zum anderen aber auch im Mitarbeiterbereich. Schon heute werde es, ergänzt Vorstandskollege Joachim Calmbach, immer mühsamer, gute qualifizierte Mitarbeiter zu locken oder zu halten. Vor allem Karrierechancen könnten überzeugen – zumal in Regionen, wie Balingen oder Rottweil, die bis 2030 Bevölkerungsschwund von bis zu sieben Prozent befürchten.

Das neue Jahr, so sehen es sie Pläne der Vorstände und des Aufsichtsrats vor, stünde im Zeichen der Sondierungsgespräche, der Kommunikation, der Aussprache, der Überzeugungsarbeit. Dieser bedürfe es sicherlich, zumal die Verschmelzung über Kreisgrenzen hinaus geschehe, erläutern die Aufsichtsratsvorsitzenden beider Häuser, Ernst Höfer und Adelbert Hugger. Sie sind aber auch überzeugt, dass sich damit langfristig ein attraktives Geldinstitut in der Region aufstelle, das in der Zukunft Zeichen setze. Diese Zukunft soll mit dem 1. Januar 2013 beginnen, die Vertreter beider Banken sollen im Frühjahr desselben Jahres rückwirkend (so sehe es das Genossenschaftsgesetz vor) abstimmen. 75 Prozent der anwesenden Vertreter müssen der Verschmelzung ihren Segen geben.

Die neue Volksbank hätte dann ihren Sitz in Rottweil, sie würde aber von vier Vorständen gelenkt, von den bisherigen Chefs Henry Rauner und Gislinde Sachsenmaier in Rottweil, sowie von Edgar Luippold und Joachim Calmbach in Balingen. Den Vorstandssprecher stelle Rottweil, Balingen indes künftig den Aufsichtsratsvorsitzenden. Balingens Vorstände blieben vor Ort.

Das bisherige Rottweiler Vorstandsmitglied Alois Schanz, einst Kollege des früheren Balinger Voba-Chefs Klaus Maier zu dessen Rottweiler Zeiten, scheidet 2013 altershalber aus.

Die beiden Volksbanken in Zahlen und Fakten

Die Volksbank Balingen und die Volksbank Rottweil wurden als Handwerkerbanken gegründet, in Rottweil im Jahre 1862, in Balingen 1864. Die Volksbank Balingen zählt in ihrem Verbreitungsgebiet 57 000 Einwohner, davon 34 000 Kunden und 20 000 Mitglieder, die Rottweiler Volksbank zählt bei 77 000 Einwohnern rund 43000 Kunden und 22 000 Mitglieder. In Balingen sprechen für die Mitglieder 196 Vertreter (Verhältnis 1 : 100), in Rottweil sind es 712 Vertreter (Verhältnis 1 : 30).

Mit 125 Mitarbeitern erwirtschaft die Balinger Bank eine Bilanzsumme für 2010 von 482 Mio. Euro, die Rottweiler Bank mit 165 Mitarbeitern rund 682 Mio. Euro. Im Betriebsergebnis allerdings erzielten die Rottweiler in 2010 mit 12,6 Mio. Euro deutlich mehr als die Balinger Volksbank mit 5,6 Mio. Euro. Die Dividende beträgt in Rottweil seit Jahren sechs Prozent, in Balingen 4,5 Prozent.

Name der neuen Bank soll „Volksbank Balingen-Rottweil“ lauten, die Arbeitsplätze blieben für alle 300 Mitarbeiter erhalten, ebenso die Zahl der Beiräte, reduziert werde die Zahl der Vertreter und der Vorstände.

..machen den Weg frei...für wen?...wohin?.....

Es ist erschreckend, wie obrigkeitshörig, gutgläubig und naiv gerade die Mitglieder der Volks- und Raiffeisenbanken sind. Ohne den leisesten Zweifel an der Richtigkeit der Ausführungen wird insbesondere bei Fusionsversammlungen kritiklos alles geglaubt was

„von denen da vorne am Vorstandstisch“

erzählt wird und kein Mitglied macht sich jemals weitere Gedanken darüber, ob es wirklich richtig ist, was ihm erzählt wird oder ob es über den Tisch gezogen wird.

Nur so kann es geschehen, dass Mitglieder, ohne nachzufragen, Millionenbeträge einfach verschenken, denn obwohl § 19 des Genossenschaftsgesetzes bestimmt, dass der Jahresgewinn an die Mitglieder zu verteilen ist und obwohl die angesammelten Rücklagen der Bank nichts anderes als angesammelte Jahresgewinne der Bank sind, die noch nicht an die Mitglieder ausgeschüttet wurden, erhebt kein Mitglied z.B. bei Beschlussfassung über eine Fusion mit einer anderen Bank irgendeinen Anspruch auf diese Beträge, die teilweise bis zum 100-fachen des einzelnen Geschäftsanteils betragen können.

Den Mitgliedern kann dabei eigentlich kein Vorwurf gemacht werden, denn sie sind in aller Regel wirtschaftliche Laien die die Zusammenhänge nicht überblicken und die Alternativen nicht sehen. Sie sind weder organisiert noch haben Sie das Wissen, was eine Genossenschaft, insbesondere eine Raiffeisenbank wirklich ausmacht und welche Rechte die einzelnen Mitglieder tatsächlich besitzen und können so, bei den stattfindenden Eigentümerversammlungen, in jeder Richtung über den Tisch gezogen werden.

Daher sind diese Seiten allen Mitgliedern der Raiffeisenbanken und Volksbanken gewidmet.
Sie enthalten Informationen, die die Eigentümer der Volks- und Raiffeisenbanken von offizieller Genossenschaftsseite nie erfahren sollen, denn die Kreditgenossenschaften haben, obwohl Vorstand und Aufsichtsrat der Bank Ihren Mitgliedern gegenüber erhebliche Pflichten haben, zu Ihren Mitgliedern im Vergleich mit anderen Unternehmen eine eigentümliche Beziehung, wenn es um den Anspruch auf angefallene Gewinne und noch eigentümlicher, wenn es um die Erfüllung des gesetzlich vorgeschriebenen genossenschaftlichen Auftrag der Förderung der Genossenschaftseigentümer geht.

Insbesondere bei einer Fusion geht es bei der übergebenden Bank (und das ist in der Regel meist eine kleinere Raiffeisen- oder Volksbank, die mit einer größeren verschmolzen wird) immer um die Aufgabe der Selbständigkeit und um die Übertragung sämtlichen Vermögens an die übernehmende Bank.

In schöner Regelmäßigkeit wird dabei den Mitgliedern der Bank welche ihre Selbständigkeit aufgibt, erklärt, welche positiven Auswirkungen die Fusion hat in Bezug auf Einsparungen, auf bessere Leistungsfähigkeit bei der Kreditversorgung der Bankkunden, bei der Beratung der vermögenden Privatkunden , der Freisetzung von Synergieeffekten, der Einsparung von Personal, der Einsparung von Kosten und, und, und ......

aber niemand erzählt den Mitgliedern die vielen, negativen finanziellen Auswirkung die eine Fusion den bisherigen Eigentümern bringt.

Eigentlich unglaublich, denn gerade bei einer Genossenschaft die laut Genossenschaftsgesetz und Satzung zum Förderauftrag verpflichtet ist, nämlich das Vermögen ihrer Mitglieder zu vermehren, sollte die Frage doch eigentlich lauten, was haben die Eigentümer der Bank , und zwar ausschließlich die Eigentümer dieser Bank finanziell davon. Und das sollte auch das alleinige Bestreben eines Vorstandes und Aufsichtsrates sein, denn diese haben in erster Linie die Interessen Ihrer Mitglieder zu vertreten. Dafür, dass kein Mitglied einer Genossenschaft bei einer Fusion einen vermögensrechtlichen Schaden erleidet, haften Vorstand und Aufsichtsrat letztendlich auch mit ihrem persönlichen Vermögen (§ 25 UmwG).

Unumstößliche Tatsache ist, dass die Mitglieder einer Raiffeisen- oder Volksbank die Eigentümer der Bank sind? Unumstößliche Tatsache ist aber auch, dass damit den Mitgliedern jedes Haus, jedes Grundstück, eigentlich jeder Vermögenswert, den die Bank besitzt, als Eigentümer gehört ! Den Mitgliedern allein und niemand anderen.
Daher sollten die Mitglieder sich nicht länger mit standardisierten Floskeln zufrieden geben, sondern kritisch alles prüfen und selbst entscheiden in welche Richtung der Weg freigemacht wird.

Und dazu sollen insbesondere die auf diesen Seiten veröffentlichten Informationen dienen, welche den Eigentümern der Volks- und Raiffeisenbanken bisher vorenthalten wurden und auch -gemäß dem Willen einiger weniger Wissender- auch weiterhin vorenthalten werden sollen.

Die auf diesen Seiten gegebenen Informationen beschreiben das Wesen der von Friedrich Wilhelm Raiffeisen ins Leben gerufenen Idee und Vision “von Menschen für Menschen”. aber leider haben diese Ideale der Menschlichkeit und die Ideen und Visionen eines großen Mannes, bei dessen selbsternannten Erben heute – so sie dieses Wissen überhaupt noch besitzen – keinerlei Stellenwert mehr.

Dabei hatte Friedrich Wilhelm Raiffeisen stets nur das Wohl des einzelnen Menschen im Sinn und niemals das Wohl einer übermächtigen Organisation.
Doch die vielen, von den Verbänden forcierten Fusionen geben die Antwort wohin der Zug fahren soll. Zu einem großen Unternehmen, einer Großbank, die dann keine Genossenschaft mehr sein wird sondern ein Gebilde, das im Gesang der Großbanken Europas ein gewichtiges Wort mitsprechen will. Doch vorher muss der Boden bereitet werden, denn das bisher angesammelte riesige, (angeblich) herrenlose Vermögen der Genossenschaftsbanken muss irgendwann unter den dann noch vorhandenen Eigentümern aufgeteilt werden.
Doch ob zur Aufteilung dieses großen Milliardenvermögens noch immer die vielen, vielen kleinen bisherigen Genossenschaftsmitglieder der wegfusionierten Banken vorhanden sein werden oder ob diese Aufteilung unter einigen wenigen Wissenden erfolgen wird, sollte jeder Leser dieser Seite für sich selbst ebenso entscheiden wie die Frage, wohin der Weg wirklich führt wenn er endlich freigemacht ist !
Rüdiger Stangen am 27.12.2011 18:38:57

Konkrete Pläne für neue Volksbank

Eine durch Fusionen größer gewordene Volksbank muss nicht zwangsläufig besser werden. Ist es nicht wahrscheinlicher, dass das Kundenverhältnis anonymer und damit unpersönlicher wird? Und es ist auch bekannt, dass in größeren Unternehmen die Organisation unflexibler ist und die Entscheidungswege größer werden. Zu leiden haben dabei die Mitarbeiter und letztendlich auch die Kunden. Was bringt also eine Fusion? Dient sie vielleicht nur dazu, um die Schieflage eines der beiden Unternehmen zu kaschieren?
Hans Joachim Bendlin am 27.12.2011 17:47:49

Narrensprung

Für die Voba gibt es jetzt also nur noch die Flucht in die Stadt des Narrensprungs ...
Karl Sauer am 27.12.2011 12:20:04

Fusionitis - eine Krankheit?

"Finanzkrise - nicht bei uns!" - so waren die Headlines unzähliger Werbebriefe, die Kunden der Volksbank Balingen erdulden mussten. Jetzt kommt die Fusion - und siehe da: Nach Auskunft der Vorstände "hat die Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen und macht diese Fusion nötig".

Die Kunden müssen also einmal mehr erkennen, dass die Sprüche von der genossenschaftlichen Märchenwelt, in der es anscheinend keine Finanzkrise geben soll, nichts als hohles Gewäsch sind. Ein weiteres Indiz, dass man manchen Menschen einfach nicht trauen kann.

Dass bei der Volksbank Balingen die Wahrheit gerne so zu recht gebogen wird, dass es dem Vorstand passt, ist hinlänglich bekannt. Selbst vor Gericht nahm man es bisher nicht so genau mit der Wahrheit - und wurde dabei von Teilen des Aufsichtsrats unterstützt. Und so musste es kommen, dass die Volksbank Balingen heute wegen ihrer Falschberatung rechtskräftig verurteilt ist.

Wer sich mit einem solchen "Partner" einlässt, ist entweder blauäugig oder er ist selbst unter Druck. Doch es ist eine alte Weisheit, dass aus zwei Kranken kein Gesunder wird - sie können sich höchstens Trost spenden.

Der wahre Beweggrund für die Fusion wird wohl derselbe sein, wie bei fast jeder Bankenfusion: Zusammengefasst ergibt sich eine höhere Bilanzsumme und damit ein höheres Gehalt für die Vorstände. Alle weiteren Ausführungen und Argumente sind so wertvoll wie die Parolen in den Werbebriefen - siehe oben.
Marion Janssen am 24.12.2011 17:23:42
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