Konkrete Pläne für neue Volksbank
Balinger Voba-Chef Edgar Luippold: „Verschmelzung mit Rottweil aus der Stärke heraus“
Balingen, 23.12.2011 von Karl-Otto Müller
Seit gut einem Jahr sei man miteinander im Gespräch. „Gute Gespräche“ schwärmen die Beteiligten auf beiden Seiten.
Schließlich handle man aus der Stärke heraus. Ohne wirtschaftliche Not, betonten die Vorstandssprecher Edgar Luippold und Henry Rauner. „Zwei gesunde Häuser“ fänden hier den Weg zueinander, deshalb sei nur folgerichtig, dass daraus eine „kerngesunde Bank“ entstünde. Mit einem Bilanzvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro, große genug, um heutigen Anforderungen zu bestehen. Dies nämlich sei einer der Gründe, so legten die Vorstandsmitglieder im Pressegespräch Anfang der Woche dar, weshalb solche Verschmelzungen geboten wären. Im Zuge der Bankenkrise seien auch für die Volksbanken und Sparkassen – „obgleich diese die Krise nicht verursacht haben“ – die Spielregeln und das innere Controlling deutlich verschärft worden. „Beispielsweise müsste jetzt quasi jedes Institut seinen eigenen Anwalt beschäftigen“, erläutert der Rottweiler Vorstand Henry Rauner.
Diesen vom Gesetzgeber diktierten zusätzlichen Aufwendungen möchte man mit Synergien in beiden Häusern begegnen. Veränderungen dürfte es mit der Verschmelzung vor allem im Verwaltungsbereich geben, keinesfalls aber in der Kundennähe. Zeichneten sich doch beide Geldinstitute gerade auch durch ihre hohe Kundennähe aus, durch ein dichtes Filialnetz, das auch mit der neuen Bank bestehen bleiben würde.
In vielerlei Hinsicht seien sich Bankvorstände, aber auch Aufsichtsräte in gut einjährigen Gesprächen einig geworden – der Grund liege mitunter in der überaus ähnlichen Struktur beider Genossenschaften: ähnliche Bilanzhöhe, ähnliche Kunden- und Mitgliederzahlen, ähnliche Cost-Income-Ratio, sprich Kosten-Nutzen-Verhältnis.
In einer Verschmelzung beider Häuser sieht Balingens Voba-Chef Edgar Luippold vor allem auch eine deutliche verbesserte Positionierung in einem immer schärfer werdenden Wettbewerb – zum einen im Kundenbereich, zum anderen aber auch im Mitarbeiterbereich. Schon heute werde es, ergänzt Vorstandskollege Joachim Calmbach, immer mühsamer, gute qualifizierte Mitarbeiter zu locken oder zu halten. Vor allem Karrierechancen könnten überzeugen – zumal in Regionen, wie Balingen oder Rottweil, die bis 2030 Bevölkerungsschwund von bis zu sieben Prozent befürchten.
Das neue Jahr, so sehen es sie Pläne der Vorstände und des Aufsichtsrats vor, stünde im Zeichen der Sondierungsgespräche, der Kommunikation, der Aussprache, der Überzeugungsarbeit. Dieser bedürfe es sicherlich, zumal die Verschmelzung über Kreisgrenzen hinaus geschehe, erläutern die Aufsichtsratsvorsitzenden beider Häuser, Ernst Höfer und Adelbert Hugger. Sie sind aber auch überzeugt, dass sich damit langfristig ein attraktives Geldinstitut in der Region aufstelle, das in der Zukunft Zeichen setze. Diese Zukunft soll mit dem 1. Januar 2013 beginnen, die Vertreter beider Banken sollen im Frühjahr desselben Jahres rückwirkend (so sehe es das Genossenschaftsgesetz vor) abstimmen. 75 Prozent der anwesenden Vertreter müssen der Verschmelzung ihren Segen geben.
Die neue Volksbank hätte dann ihren Sitz in Rottweil, sie würde aber von vier Vorständen gelenkt, von den bisherigen Chefs Henry Rauner und Gislinde Sachsenmaier in Rottweil, sowie von Edgar Luippold und Joachim Calmbach in Balingen. Den Vorstandssprecher stelle Rottweil, Balingen indes künftig den Aufsichtsratsvorsitzenden. Balingens Vorstände blieben vor Ort.
Das bisherige Rottweiler Vorstandsmitglied Alois Schanz, einst Kollege des früheren Balinger Voba-Chefs Klaus Maier zu dessen Rottweiler Zeiten, scheidet 2013 altershalber aus.
Die beiden Volksbanken in Zahlen und Fakten
Die Volksbank Balingen und die Volksbank Rottweil wurden als Handwerkerbanken gegründet, in Rottweil im Jahre 1862, in Balingen 1864. Die Volksbank Balingen zählt in ihrem Verbreitungsgebiet 57 000 Einwohner, davon 34 000 Kunden und 20 000 Mitglieder, die Rottweiler Volksbank zählt bei 77 000 Einwohnern rund 43000 Kunden und 22 000 Mitglieder. In Balingen sprechen für die Mitglieder 196 Vertreter (Verhältnis 1 : 100), in Rottweil sind es 712 Vertreter (Verhältnis 1 : 30).
Mit 125 Mitarbeitern erwirtschaft die Balinger Bank eine Bilanzsumme für 2010 von 482 Mio. Euro, die Rottweiler Bank mit 165 Mitarbeitern rund 682 Mio. Euro. Im Betriebsergebnis allerdings erzielten die Rottweiler in 2010 mit 12,6 Mio. Euro deutlich mehr als die Balinger Volksbank mit 5,6 Mio. Euro. Die Dividende beträgt in Rottweil seit Jahren sechs Prozent, in Balingen 4,5 Prozent.
Name der neuen Bank soll „Volksbank Balingen-Rottweil“ lauten, die Arbeitsplätze blieben für alle 300 Mitarbeiter erhalten, ebenso die Zahl der Beiräte, reduziert werde die Zahl der Vertreter und der Vorstände.
