Leserbrief
Nicht am falschen Platz sparen
17.12.2011
Der Albstädter Haushalt 2012 steht. Tourismus soll weiter ausgebaut werden und das bei einer stagnierenden Infrastruktur, insbesondere im Bereich des Schienennahverkehrs. Zitat Dr. Willi Merkel: „Das Thema Talgangbahn ist unter dem Aspekt der Haushaltskonsolidierung schlicht zu vergessen“. Mit einer solchen Aussage, wird kein Scheck in die Zukunft gelöst.
Mit viel Aufwand wurden und werden die Premiumwanderwege propagiert und viel Geld in die Entwicklung des Tourismus investiert. Total überfüllte Parkplätze an schönen Wochenenden sind das Ergebnis. Die Abgase der erholungssuchenden Touristen verpesten die gute Albluft. Warum? Weil es keine attraktive Schienenanbindung auf die Alb gibt, bei der auch der Drahtesel problemlos mitgenommen werden kann. Tourismusförderung klappt nur, wenn die Infrastruktur stimmt.
Dass die Talgangbahn ihre Berechtigung hat, beweist die Machbarkeitsstudie Regionalstadtbahn Neckar-Alb 2008. Rund 20 000 Einwohner leben direkt an oder in der Nähe der Bahn. Weitere 10 000 können die Buslinien nutzen, die als Zubringer den nächsten Bahnhof anfahren. Damit könnte auch das Nadelöhr der einzigen Straßenverbindung im Talgang deutlich entschärft und der Schadstoffausstoß deutlich gesenkt werden.
Die Stadt braucht Gemeinderäte, die die Zeichen der Zeit erkennen und vernünftig und mit Augenmaß in die Zukunft investieren. Im Zeichen des Klimawandels sind solche Aussagen schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und gehören in die Mülltonne. Sparen mit Haushaltskonsolidierung ist richtig, aber nicht am falschen Platz. Einen Scheck in die Zukunft löst man, in dem man die Talgangbahn realisiert und Möglichkeiten der Finanzierung dieses Projekts ausschöpft. Ansonsten gilt der Spruch von Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.
Frithjof GutekunstHauptstraße 22, Obernheim
LESERBRIEFE
Na, dann... frohes Fest!
Alle Jahre wieder... werden manche Leute immer dreister!
Dieses Jahr möchte ich all denen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen, die fröhlich unter einem aus unserem Garten entwendeten Weihnachtsbaum – mit ebenfalls gestohlenen blauen Lichtern – feiern...
Anita IvkovicIm Hennenbühl 21
Ebingen
LESERBRIEFE
Das bedauerliche Sein eines talentierten Strebers
Mit großem Interesse verfolge ich die Bestrebungen der Landesregierung, neben der achtjährigen Gymnasialzeit auch wieder neunjährige Züge zuzulassen. Schon als die ersten Vorbereitungen zur Einführung von G8 in Gang kamen, konnte ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass hinter der Verkürzung der Gymnasialzeit ein ganz bestimmter politischer Trend, verbunden mit einem entsprechenden Menschenbild, stehe. Zur Veranschaulichung dieses Menschenbildes möchte ich im Folgenden den Lebenslauf eines idealen G8-Menschen kurz skizzieren.
Schon das Baby wird von seinen Eltern, die sein Potenzial scharfsinnig erkennen, nach Kräften gefördert. So kann das Kind bereits mit fünf Jahren die Grundschule besuchen und erhält vier Jahre später problemlos die Gymnasiumempfehlung. Der Gymnasiast lebt ganz für die Schule. Sie ist seine Welt, und außerhalb dieser Welt existiert nichts. Diese Einstellung wird belohnt: Der Schüler kann auf Grund seiner ausgezeichneten Leistungen eine Klassenstufe überspringen, und er schafft daher bereits als Sechzehnjähriger ein Einserabitur.
Das anschließende Studium zieht er zügig und konzentriert durch, und er beendet es mit großem Erfolg nach acht Semestern. Seine guten Noten ermöglichen eine glanzvolle berufliche Karriere, und dank einer gut ausgebildeten Ellbogentechnik und eines gewissen Sensoriums für Vitamin B erklimmt er im Geschwindmarsch die Leiter, die zu höchsten Positionen führt.
Menschliche Sympathie erntet er dadurch kaum, aber man zollt ihm immerhin Respekt. Für Familie und Privatleben bleibt nicht viel übrig. Seine Ehe ist kinderlos und nur von kurzer Dauer. Stattdessen geht er ganz auf im „Getriebe“, so der allgemeine Ausdruck für Firma, Staat und internationale Verflechtungen im Sinne der Globalisierung.
Nach insgesamt 47 Berufsjahren geht er mit 67 Jahren in den Ruhestand. Bei seiner Verabschiedung mit vielen Lobreden bricht er zusammen und stirbt. Natürlich erhält er ein ehrenvolles Begräbnis und ausführliche Nachrufe, in denen seine Verdienste gewürdigt werden.
Lebensbilanz: 70 Prozent seiner Lebensjahre waren Berufsjahre. Er lebte, um zu arbeiten. Nur das Getriebe der Arbeitswelt und seine herausragende Rolle innerhalb dieses Bereichs vermittelten das Bewusstsein eines Lebenssinns.
Nun erhebt sich die Frage: Wie könnte der Alternativlebenslauf eines Menschen aussehen, der, bei etwa gleicher Begabung, sich für eine längere Schulzeit entschieden hat?
Wolfgang RaichleTaunusstraße 36, Ebingen
